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01.07.2010

Familienglück im Sander-Stift

Vier Schwestern glücklich im Sander-Stift vereint: Gertrud Lupberger, Eugenie Lueger, Maria Anzer und Elisabeth Klaus. Foto: Altenhilfe
Bild: Altenhilfe

Oberhausen Geschwister wachsen gemeinsam auf. Doch durch unterschiedliche Lebensbiografien trennen sich oftmals ihre Wege, finden dann manchmal im Alter wieder zueinander. Selten ist es aber so, dass Geschwister bis in das hohe Alter fast täglich beisammen sind. Dieses seltene Glück wurde Maria Anzer (90 Jahre), Elisabeth Klaus (93 Jahre), Eugenie Lueger (92 Jahre) und Gertrud Lupberger (83 Jahre) zuteil. Die vier Schwestern leben seit Jahren gemeinsam im Oberhausener Sander-Stift.

"Wir waren schon immer eine verschworene Gemeinschaft", versichert Gertrud Lupberger. Die ehemalige Rektorin und Mutter eines 57-jährigen Arztes resümiert federführend das Leben der vier Geschwister, die dem Stadtteil Oberhausen immer treu geblieben sind und in einer siebenköpfigen Familie in der Nähe des Augsburger Gaswerkes, der heutigen August-Wessel-Straße, groß geworden sind. Sie, die als Einzige die höhere Mädchenschule besuchte, sei als Letzte im Bunde vor einem Jahr in das Seniorenstift gezogen - da habe sie gar keine andere Wahl gehabt. Ihre Schwester, Eugenie Lueger, machte sich schon Sorgen um ihr Wohlbefinden und wollte sie unbedingt so schnell wie möglich in ihrer Nähe haben.

Während die frühere resolute Rektorin der Volksschule in der Hirblinger Straße dies sagt, beginnt ihre Schwester Eugenie über das ganze Gesicht zu strahlen. Als junge Frau war sie als Straßenbahnschaffnerin berufstätig. "Heiraten wollte ich nie, obwohl ich doch einmal in den Knorr Hans verliebt war", so die 92-jährige Seniorin. Sie fühlte sich immer als Familienmensch, der für Geschwister und Mutter vollkommen da sein wollte. Als die Mutter an Tuberkulose erkrankte, stand für sie fest: "Ich heirate nicht, sondern bleibe bei der Mama."

Während die Schwestern den Hafen der Ehe ansteuerten und Kinder bekamen, pflegte sie mit großer Hingabe die schwerkranke Mutter zu Hause in der elterlichen Wohnung. Selbstlos sei sie eigentlich nicht gewesen, sagt sie rückblickend, sondern sie habe einfach nur Freude gehabt, für alle anderen da zu sein. Wehmütig erinnert sie sich an gemeinsame Singabende mit ihrer Mutter und den Geschwistern. Ostpreußische Volkslieder wie das "Ännchen von Tharau" haben sie damals gesungen. Die Texte können alle vier Schwestern noch auswendig: "Ännchen von Tharau ist's, die mir gefällt, sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld." Beim Singen richtet sich ihr Augenmerk auf Maria, die seit ihrer Amputation der Beine an den Rollstuhl gefesselt ist.

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Morgendlicher Rundruf

Die heute 90-Jährige sei, so ihre Schwester Gertrud, einmal sehr hübsch gewesen, aber immer schon die Schwächste der vier. "Die Schwestern sind tagsüber immer beisammen", berichtet Heimleiter Bernhard Walser. Schon morgens startet Eugenie einen telefonischen Rundruf und fragt ihre drei Schwestern: "Brauchst Du noch was, weißt Du schon, was Du anziehen wirst?" Und dann sei sie noch jeden Abend unterwegs, um alle ihre Lieben zu versorgen, berichtet Walser. Denn das Schönste für die vier Seniorinnen sei, dass sie beisammen sein können. Noch nie hätten der Heimleiter oder Mitarbeiter erlebt, dass es Unstimmigkeiten oder Streitigkeiten zwischen den vier Schwestern gegeben hätte. (AZ)

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