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Augsburg

26.10.2016

Flussumbau: Baggern für den neuen Lech

Mitten im Lech wurden am Dienstag Bodenproben entnommen. Baggerfahrer Franz Baur wurde bei seiner Arbeit von Wissenschaftlerin Katharina Baumgartner (stehend) dirigiert.
Bild: Michael Hochgemuth

Der Lech soll ähnlich wie die Wertach naturnah umgebaut werden. Warum vorher an verschiedenen Stellen Kies ausgeschaufelt und untersucht wird.

Baggerfahrer Franz Baur hat am Dienstag keinen leichten Job. Am Hochablass muss er mit seinem Raupenbagger weit hinein in den Lech – hinunter über ein abschüssiges Ufer und mitten ins Wasser. Dort schürft er Bodenproben aus dem Flussbett. Und nicht nur dort. Die Kiesproben sind wichtig. Sie werden für Untersuchungen zum Umbau des Lechs gebraucht. Die Entnahme wird eigens von einer Wissenschaftlerin überwacht.

Der Baggereinsatz wiederholt sich an acht Stellen des Lechs zwischen dem Mandichosee und der Mündung der Wertach. Insgesamt werden rund vier Tonnen Kies entnommen. Anschließend wird das Naturmaterial in Wannen in ein Speziallabor der Technischen Universität München nach Pasing gefahren, um es dort genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Fluss gräbt sich ein

Der Hintergrund ist bekannt: Der Freistaat will den Flusslauf des Lechs stabilisieren und in mehreren Abschnitten wieder naturnah ausbauen – ähnlich wie an der Wertach. Das große Problem ist, dass sich der kanalisierte und begradigte Lech immer tiefer in sein Bett eingräbt, was Gefahren für Mensch und Natur zur Folge hat. „Der Gleichgewichtszustand des Lechs ist gestört“, sagt Simone Winter, Projektleiterin beim Wasserwirtschaftsamt Donauwörth für das Vorhaben. Es läuft unter dem Titel „Licca liber“ (der freie Lech).

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Die großen Ziele wurden schon in einem Flussdialog mit Bevölkerung und Gemeinden formuliert. Wie naturnah kann der Lech aber wirklich fließen? Und welche Maßnahmen sind nötig, um den Hochwasserschutz für die Bevölkerung weiterhin sicher zu stellen und nasse Keller in Gemeinden wie Kissing zu vermeiden? Das wird nun eine Arbeitsgemeinschaft von Fachleuten prüfen. Sie besteht aus den Ingenieurbüros SKI und Prof. Kobus und Partner sowie der Uni Innsbruck.

Flussbett ausweiten

Katharina Baumgartner, zuständig für Wasserbau an der Uni Innsbruck, ist am Dienstag selbst vor Ort. Sie überwacht am Lech die Probenentnahme von verschiedenen Kiesschichten in und am Fluss. Auch sie stellt fest, was andere Fachleute schon als Problem erkannt haben: „Es ist nur noch ganz wenig Deckschicht auf der Flusssohle vorhanden.“ Eine Idee bei Licca liber ist deshalb, das Flussbett stellenweise auszuweiten und einzelne Stützschwellen im Fluss im Stadtwald zu beseitigen. So soll sich der Lech selber genügend Kiesgeschiebe von den Ufern mitnehmen können, erläutert Simone Winter. Eine Analyse wird nun zeigen, wie der Kies im Lech beschaffen ist. Die Steingröße sei entscheidend für das Rechenmodell, das ermitteln soll, wie die Sohle stabilisiert werden kann, so Winter. Dieses Modell werden die Experten dann mit weiteren Rechenmodellen zum Grundwasser und einem hydraulischen Modell für Hochwasserschutz kombinieren. Die numerischen Modelle werden in den nächsten Monaten erstellt. Sie sollen zeigen, ob die gewünschten Entwicklungsziele für den Lech beim Umbau tatsächlich umgesetzt werden können.

Die Untersuchungen zur technischen Machbarkeit sollen bis 2018 dauern. Danach folgen weitere Schritte: Das Wasserwirtschaftsamt bildet Abschnitte für den Ausbau des Lechs und geht in die Detailplanung. Diese muss in einem Planfeststellungsverfahren genehmigt werden. Erst danach können die Baufahrzeuge am Lech auffahren. Eine Prognose, wann das sein wird, sei schwierig, sagt Simone Winter.

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