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Gottesdienst

09.08.2019

Freiheit heißt nicht Ungeduld

Der Festgottesdienst zum Friedensfest fand in St. Anna statt.
Bild: Irmgard Hoffmann

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes zum Friedensfest stehen die Freiheit aber auch die Einheit der Christen Der Gastprediger Matthias Türk hofft auf einen Durchbruch in Ökumene, vielleicht auch einen überraschenden

Freiheit – ein großes Wort und ein „komplexes Gut“, wie Oberbürgermeister Kurt Gribl im ökumenischen Festgottesdienst in St. Anna als Statement sagte. Einerseits sei sie Quelle und Garant gelingenden persönlichen und gesellschaftlichen Lebens, andererseits finde sie ihre unsichtbare Grenze in der Verantwortung fürs Ganze. So wie Jakob Fugger, von dem Stiftungsadministrator Wolf-Dietrich Graf von Hundt sagte, in den Schwierigkeiten seiner Zeit habe er in Freiheit und Verantwortung so gehandelt, dass sein Erfolg niemandem zum Schaden war. Kapellmeisterin Carolin Nordmeyer entdeckt Freiheit vor allem in der Kunst. „Durch die Musik kann ich kraftvoll wirksam werden“, meinte sie. Im Interpretieren einer Komposition erlebe sie, wie Utopien hörbar gemacht werden können.

Das geistliche Motto „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ legte der katholische Gastprediger Monsignore Matthias Türk aus Würzburg im Blick auf den Weg zur Einheit unter den Christen aus. „Viele Vorurteile wurden abgebaut, viele theologische Übereinstimmungen erarbeitet. Aber der große Durchbruch ist noch nicht gelungen“, räumte er ein. Sollten sich die Konfessionen also mit freundschaftlicher Nachbarschaft begnügen? Faule Kompromisse auf Kosten der biblischen Wahrheit dürfe es in der Ökumene nicht geben; eine Einheit der Kirchen entstehe vielmehr nur „aus einem tieferen Verständnis der einen Wahrheit des Herrn“.

Wo Resignation droht, versuchte der ehemalige Mitarbeiter im päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen Mut zu machen. Jesu Auftrag, um die Einheit zu beten, „verpflichtet mich, alles in meinen Kräften Stehende zu tun, um diese Einheit tatkräftig herbeizuführen“, sagte Türk. Ihn beseele ein „siegreicher Optimismus“, dass die Stunde der Einheit noch in unserer Zeit kommen werde – womöglich so überraschend wie die Öffnung der Berliner Mauer im November des Jahres 1989.

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Türk warnte freilich vor ökumenischer Ungeduld. „Es ist hundertmal besser zu überlegen, welche Schritte ich derzeit auf den Partner zugehen kann, anstatt dem Dialogpartner Schritte zuzumuten, die für ihn derzeit nicht gangbar sind.“

Gut gelingt bereits jetzt das gemeinsame Gotteslob, das der evangelische Stadtdekan Michael Thoma und der katholische Diözesanadministrator Bertram Meier in der Kirche St. Anna zu festlicher Musik von Madrigalchor und Posaunenchor leiteten.

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