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Großprojekt

27.02.2015

Freistaat will kein Geld regnen lassen

Ein Geldregen fürs Theater – die Stadt Augsburg könnte ihn dringend gebrauchen. 235 Millionen Euro sind nötig, um das Große Haus zu sanieren sowie um Werkstätten, Verwaltung und zweite Spielstätte neu zu bauen. Die Bereitschaft aus München, sich finanziell stärker einzubringen, ist derzeit offenbar gering.
Bild: Silvio Wyszengrad/Montage: Christian Imminger

Das Land steht zwar zur zugesagten Förderung für die Sanierung des maroden Theaters. Bislang sieht es aber nicht danach aus, dass zusätzlich Millionen fließen. Ohne diese Hilfe ist für die Stadt guter Rat teuer

Es ist eine verfahrene Situation: Die Stadt ist bei der Sanierung des Theaters auf Gedeih und Verderb auf den Freistaat angewiesen. Ohne dessen finanzielle Unterstützung ist das 235-Millionen-Projekt nicht zu stemmen. Doch die Bereitschaft aus München, Augsburg dabei stärker unter die Arme zu greifen als zugesagt, ist derzeit offenbar gering.

Wie diese Woche aus München durchsickerte, will man Augsburg nach der Übernahme von Staatsbibliothek und Klinikum nicht unbedingt ein drittes Mal aus der Patsche helfen. Zudem lägen, hieß es aus Regierungskreisen, noch keine „belastbaren Daten“ zur Augsburger Theatersanierung vor. Was kann die Stadt selbst beitragen? Ist das Projekt in diesem Umfang notwendig? Könnte es auf mehrere Jahre gestreckt werden? Die Augsburger Verantwortlichen werden überzeugende Antworten geben müssen, soll zusätzliches Geld fließen.

Oberbürgermeister Kurt Gribl hat nach eigener Aussage Gespräche mit Kunstminister Ludwig Spaenle und Finanzminister Markus Söder geführt, auch mit Ministerpräsident Horst Seehofer habe man sich abgestimmt. Bis Ende März sollen nun Unterlagen erarbeitet werden, die die genannten Fragen abarbeiten. „München muss den Sachverhalt vollständig einschätzen können“, sagt Gribl. Die Situation des Theaters, zumindest was den laufenden Betrieb betrifft, sei dort aber bekannt. Wichtig ist laut Gribl, eine Lösung zu finden, die Augsburg nicht zum Präzedenzfall für ganz Bayern macht. Denn auch andere Theaterhäuser erhoffen sich Hilfe aus München. In Würzburg zum Beispiel, dessen Mainfrankentheater vom Staat jedes Jahr 5,5 Millionen Euro für den laufenden Betrieb erhält, spekulieren Politiker auf eine Verstaatlichung. Die Stadt wäre damit finanziell außen vor.

Auch für Augsburg ist ein solcher Schritt zumindest aus Sicht der Stadt denkbar. „Das Thema liegt mit allen möglichen Investitionslösungen auf dem Tisch“, sagt Gribl. Momentan geht er mit den Plänen der Münchner Facharchitekten Achatz in die Verhandlungen. „Sie besagen, dass eine Sanierung in Abschnitten nicht sinnvoll ist und dass die Pläne auf den Bedarf des Theaters ausgerichtet sind.“ Man wolle in Augsburg kein „Wolkenkuckucksheim“.

Die aktuelle Kostenschätzung von 235 Millionen Euro teilt sich auf mehrere Maßnahmen auf: 118 Millionen für die Sanierung des Großen Hauses, etwas mehr als 100 Millionen Euro für den Neubau von Probenbühnen, Werkstätten und zweiter Spielstätte, weitere zehn Millionen Euro kalkuliert die Stadt an Miete für Ausweichspielstätten. In diese Summe sind 25 Prozent für unvorhergesehene Kostensteigerungen eingeplant. Eine Unwägbarkeit ist die Archäologie: Im Bereich, der für den Neubau der Werkstätten ausgehoben werden muss, liegt ein Teil der römischen Via Claudia.

Für die Sanierung hat der Freistaat bislang einen Zuschuss von 45 Prozent zugesagt. Er fließt allerdings nicht für die Gesamtinvestition, sondern nur für sogenannte „förderfähige Maßnahmen“. Planungskosten zum Beispiel fallen nicht darunter; sie liegen allein schon bei 20 Millionen Euro. Unterm Strich wird die Stadt selbst rund 160 Millionen Euro aufbringen müssen. Aus eigener Kraft, sagt Oberbürgermeister Gribl immer wieder, sei dies nicht zu schaffen.

Was geschieht, wenn aus München keine Hilfe kommt, ist noch völlig offen. „Es ist die Frage, ob wir uns für dieses Projekt verschulden möchten“, sagt Gribl. Entscheiden müsse darüber letztlich der Stadtrat. Gribl stellt die Notwendigkeit eines Theaters bislang nicht in Abrede.

Die Stadt bittet den Freistaat Bayern beim Theater nicht zum ersten Mal um finanzielle Hilfe. Seit 2007 haben die Münchner den Zuschuss für den laufenden Betrieb fünf Mal erhöht: Von 5,3 Millionen auf 7,9 Millionen jährlich. Insgesamt liegt der Etat des größten kommunalen Kulturbetriebs in Augsburg bei knapp 27 Millionen Euro, knapp die Hälfte schultert die Stadt.

Die weitere Vorgehensweise wird der Stadtrat am Donnerstag, 26. März, besprechen. Die Politiker tagen dann bereits ab 10 Uhr, damit Zeit fürs Theater bleibt. Es ist die Sitzung, in der auch der Haushalt der Stadt verabschiedet werden soll. "Kommentar

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