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Modellprojekt

19.03.2013

Für Hochbegabte gibt`s Astronomie extra und Mathe Plus

Deutschunterricht in der Klasse 6e des Augsburger Gymnasiums bei St. Stephan: Alle Schüler sind hochbegabt.
Bild: Fred Schöllhorn

Am Augsburger Gymnasium bei St. Stephan gibt es Klassen für hochbegabte Schüler. Sie lernen schneller als andere Kinder, schreiben aber auch nicht bloß Einser.

Noch ist es still in der Klasse 6e am Augsburger Gymnasium bei St. Stephan: Gruppenarbeit steht auf dem Stundenplan. "Die Zeit ist um", ruft Lehrerin Cordula Safferling. Sofort schießen mehrere Finger in die Luft. "Dürfen wir, dürfen wir?" Fast alle Teams wollen ihre Ergebnisse präsentieren. Sie hatten herausfinden sollen, was einen guten Bericht ausmacht. Wo? Wann? Wer? Was? Wie? - Die Lehrerin muss nun entscheiden, wer die berühmten W-Fragen, die ein Bericht enthalten sollte, vortragen darf.

So geht das fast jeden Tag, nicht nur in den Deutschstunden. Denn die 6e ist keine herkömmliche Klasse. Die Schüler, die hier zusammen lernen, haben eins gemeinsam: Sie sind hochbegabt. Manche von ihnen übersprangen sogar schon mal eine Klasse, weil sie einfach etwas schneller lernten als ihre Mitschüler. Vor allem in Mathe sei ihm an der Grundschule oft langweilig gewesen, sagt zum Beispiel Aaron Erhardt aus Klosterlechfeld im Landkreis Augsburg. "Irgendwann habe ich selber angefangen, den Stoff weiterzulernen", erinnert sich der Zwölfjährige. Heute muss er das nicht mehr.

Die Schüler lernen den Stoff vom Lehrplan - und noch mehr

Denn das Gymnasium im Augsburger Domviertel ist bislang die einzige Schule in Schwaben, an der Hochbegabte in Modellklassen zusammen Unterricht haben. Hier lernen sie den Stoff, der im bayerischen Lehrplan vorgesehen ist - aber eben auch noch ein bisschen mehr. Im Klassenzimmer der 6e zum Beispiel hängen bunte Plakate aus den Bavaria-Filmstudios in München an der Wand. "Dort haben wir vor Kurzem einen Film gedreht", erklärt Lehrerin Cordula Safferling und deutet auf die Fotos: Vom Drehbuch bis zum Schauspielern vor der Kamera kümmerten sich die Sechstklässler um alles selbst.

Neben solchen Projektwochen bekommen die Schüler der Modellklassen Zusatzstunden in Fächern wie Robotik, Astronomie, Archäologie oder etwa Mathe Plus. Darin können sie ihre Fähigkeiten einsetzen und ihre Interessen testen. Auch für die Lehrer des Augsburger Gymnasiums sind die Schulstunden in den Hochbegabtenklassen übrigens eine besondere Erfahrung. Sie können sich tiefer in interessante Themengebiete einarbeiten. "Es ist eine spannende Sache, Themen abzudecken, die im Lehrplan sonst nur nebenbei laufen", erklärt Michael Eß, Projektleiter der Modellklassen für Hochbegabte am Gymnasium bei St. Stephan.

Die Schüler der übrigen Klassen hingegen sind von dem Projekt oft nicht ganz so begeistert. "Manche haben Vorurteile, nur weil wir in einer besonderen Klasse sind", sagt die elfjährige Maria Leis, die auch in Cordula Safferlings Klasse geht. Dass nicht alle Kinder so denken, macht Maria froh. Denn Freundschaft ist ihr noch ein bisschen wichtiger als Erfolg in der Schule. "Meine Lehrerin hat gesagt, dass ich die 4. Klasse überspringen kann", erzählt die Augsburger Schülerin, "aber ich wollte bei meinen Freunden bleiben".

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Die Hochbegabten müssen soziale Kompetenzen lernen

Im Gegensatz zu Maria müssen manche Schüler der Hochbegabtenklassen solche sozialen Kompetenzen, also den Umgang mit anderen, erst wieder lernen. Denn in der Grundschule seien Hochbegabte oft die Besten, sagt Projektleiter Michael Eß. Viele hätten danach die Einstellung: "Ich arbeite besser allein, dann geht es schneller." Gruppenarbeit sei deshalb enorm wichtig, um die Schüler in den Modellklassen zu einem Team zu machen. Auch Benjamin Carp, der bereits die 7. Klasse der Hochbegabtenförderung besucht, erinnert sich noch gut an seine Grundschulzeit. "Bei Gruppenarbeit habe ich alles allein gemacht und dann den anderen meine Ergebnisse präsentiert", sagt der Zwölfjährige. In der Modellklasse sei das anders: "Da sind alle gleich gut."

Benjamin trägt ein Hörgerät, doch im Unterricht kommt er damit gut klar. Nachdem in jeder Modellklasse nur rund 20 Schüler lernen, können die Lehrer die Bedürfnisse der einzelnen Kinder besser berücksichtigen und andererseits ihre Stärken fördern.

Seine Leidenschaft, die Musik, kann der Zwölfjährige in der Modellklasse gut gebrauchen. Bei einem Schulwettbewerb zum Thema Mythos hat er ein eigenes Werk komponiert und damit den ersten Platz belegt. "Später will ich auch am liebsten was mit Musik machen", ist sich Benjamin jetzt schon sicher.

Und wer übrigens denkt, dass alle Schüler in der Hochbegabtenklasse immer nur Einser schreiben, ist laut Benjamin falsch gewickelt: "Man muss nicht immer die beste Leistung bringen, sondern sollte einfach gerne kreativ sein. Dann ist es auch nicht so schlimm, wenn man mal eine Arbeit verhaut."

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