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Augsburg

04.04.2019

Für Sopranistin Janet Hardy ist Augsburg längst Heimat

Janet Hardy kommt mit dem Ruhestand bestens klar. Von Zeit zu Zeit knüpft sie mit kleinen Konzerten an ihre Zeit als Sängerin am Augsburger Theater an.
Bild: Silvio Wyszengrad

Sopranistin Janet Hardy sang die „Elektra“ auf vielen Bühnen der Welt. Warum sie heute eher selten ins Theater geht und welche Pläne sie hat.

78 Jahre und kein bisschen müde. Janet Hardy, bis 2000 gefeierter Sopran am Theater Augsburg, kommt schwungvoll um die Ecke mit einem Lächeln im Gesicht. Sie, die mit Herbert von Karajan gearbeitet hat und in der Rolle der Elektra die wichtigesten Bühnen der Opernwelt „bespielt“ hat, kommt mit dem Ruhestand bestens klar. Von Zeit zu Zeit gibt sie kleine Konzerte mit deutschen Volksliedern in verschiedenen Pflegeheimen, tritt bei Bürgerfesten auf und huldigt dabei gerne ihrer Vorliebe für Evergreens und Songs von Frank Sinatra. Dafür hat sie sich ein digitales Klavier zugelegt, das sie in ihrem Auto gut transportieren kann. So spielt sie am 6. Juli mal wieder im Hochzoller Holzerbau.

Tolle Zeit im Scheinwerferlicht

All das ist ganz weit weg von der großen beifallumtosten Opernbühne, von Metropolen, in die der Kenner gerne reist. Kein Problem für die Amerikanerin, die wie so viele ihrer Landsleute pragmatisch ist. „Ich hatte eine tolle Zeit im Schweinwerferlicht“, aber die sei seit Langem endgültig vorbei. Nein, sie vermisse nichts.

Dabei war ihre Karriere eine ganz besondere. Nur sieben Sängerinnen in Europa, so Hardy, seien zu ihrer Zeit in der Lage gewesen, die Elektra von Richard Strauss auf dem höchsten Niveau zu interpretieren. „Das ist eine sehr schwere Partie“, die nur ein hochdramatischer Sopran „stemmen“ könne. Denn Elektra, Tochter des ermordeten Königs Agamemnon, sinnt auf Rache und zwar in den höchsten Tönen. „Ich habe immer an meine Mutter gedacht“, sagt die 78-Jährige und lacht schallend. Ob es stimmt, wer weiß? Das Publikum in Wien und München lag ihr in den 1980er-Jahren zu Füßen, in Augsburg waren zehn Vorstellungen geplant, es wurden aufgrund des großen Erfolges 31 Abende. Hardys Rezept: „Es muss von innen kommen und zwar jede Geste“. Natürlich sang sie auch Wagner und alles, was für ihre Stimmlage auf dem Spielplan stand.

Für Sopranistin Janet Hardy ist Augsburg längst Heimat

Erst Musiktherapeutin, dann Sängerin

Trotz der großen Karriere ist Janet Hardy erst spät zum Gesang gekommen. Sie wurde Musiktherapeutin und arbeitete in einem Hospital in Louisiana. Erst mit 31 Jahren studierte sie Gesang, zuerst in New Orleans, dann in Paris, Düsseldorf und Wien.

Apropos Paris. Dort wurde sie zur gläubigen Katholikin und konvertierte. „Ich freue mich auf das ewige Leben“, sagt die Sängerin. In der Chapelle Rue du Bac hatte sie eine Begegnung, die ihr Leben veränderte. „Es war ein Wunder“, so Hardy, ohne jegliches Pathos. 1972 verließ sie Paris und wurde in Theatern von Gelsenkirchen und Kassel engagiert. 1977 dann Augsburg. „Ich unterschrieb für eine Spielzeit und blieb 23 Jahre“. Vor allem an Intendant Helge Thoma erinnert sie sich sehr gerne. „Wir hatten ein tolles Sängerensemble“, vor allem Edith Menzel als Klytämnestra hat ihr großen Respekt abverlangt. Es war ihre Familie, Hardy war mit dem Theater verheiratet, ein Ehemann fehlte da wirklich nicht.

Ehrenmitglied am Theater

Heute zieht es sie nicht mehr in die Musentempel. „Ich gehe nur in eine Aufführung, wenn ich weiß, dass sie schön ist“. Für sie muss ein Prinz Kalaf in der Oper Turandot wertvolle Kleider tragen und nicht irgendeine Uniform. Dass Augsburg jetzt ein Staatstheater ist, findet sie toll. Sie ist Ehrenmitglied des Hauses, wäre es damals schon Staatstheater gewesen, dürfte sie sich Kammersängerin nennen. Langweilig ist das Leben von Hardy, die am 1. Mai 79. Geburtstag feiert, auch so nicht. Dafür sorgen ihre beiden Hunde, Lilly und Tracy, ein russischer Zarenhund und ein Mini-Yorkshire. Und die Konzerte.

Nach Amerika zieht es Hardy nicht mehr. Für sie ist Augsburg Heimat, auch wenn sie ihre Staatsbürgerschaft nie aufgegeben hat. Die Planungen für ihren 80. Geburtstag laufen bereits. „Am 1. Mai 2020 machen wir ein schönes Konzert im Hochzoller Holzerbau-Bürgertreff“, verrät sie. Dann wird sie in die Tasten greifen, Sinatras „My Way“ vortragen und gute Laune verbreiten.

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