Newsticker

US-Regierung rudert zurück: Ausländische Studenten dürfen trotz Corona-Semester bleiben
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Gärtner muss für Hanfplantage in den Bäumen ins Gefängnis

Augsburg

29.06.2018

Gärtner muss für Hanfplantage in den Bäumen ins Gefängnis

Im Juli 2017 entdeckte die Augsburger Polizei eine Hanfplantage im Haunstetter Wald. 275 Töpfe mit Cannabis-Pflanzen wurden sichergestellt.
Bild: Polizei Augsburg

Ein 35-Jähriger aus Augsburg hat gestanden, die bundesweit bekannt gewordene Plantage im Haunstetter Wald angelegt zu haben. Vor Gericht bekommt er auch Lob.

Als „ Deutschlands höchste Hanfplantage“ erlangten die Töpfe, die bis Juli 2017 in Baumwipfeln im Haunstetter Wald hingen, einige Berühmtheit. Ein Spaziergänger hatte zunächst einige Kübel mit Marihuana-Pflanzen auf dem Boden gefunden und die Polizei gerufen. Die machte in 20 bis 25 Meter Höhe ein erstaunliche Entdeckung: Es waren weitere Töpfe in den Ästen angebracht, gut versteckt und von unten kaum zu sehen. Teils waren die Marihuana-Pflanzen über einen Meter hoch.

Nun ist ein 35-jähriger Mann aus Augsburg vor dem Amtsgericht für den Anbau verurteilt worden. Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Ralf Hirmer verurteilte den Mann wegen „unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten, zudem ordnete das Gericht an, dass der Verurteilte eine Drogentherapie beginnen muss. Dies hatte ein Sachverständiger zuvor als lohnenswerte Maßnahme angeregt. Das heißt: Der Augsburger, der seit März in Untersuchungshaft sitzt, muss möglicherweise nur einige weitere Monate im Gefängnis bleiben, ehe er eine Drogentherapie in einer geschlossenen Anstalt beginnt.

Zigarette führte zum Täter

Der Angeklagte hatte die Taten mehrfach eingeräumt: Bei der Polizei, beim Ermittlungsrichter, nun in der Verhandlung vor dem Amtsgericht. Das stimme alles, sagte er. Der 35-Jährige hatte in früheren Jahren eine Lehre zum Baumschulgärtner begonnen, was teils erklärt, wie er die Plantage überhaupt anlegen konnte. Für seine Kooperationsbereitschaft erhielt der Angeklagte durchaus Lob von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Ermittler waren ihm über eine Zigarette auf die Schliche gekommen, die sie am Waldboden fanden - daran hafteten DNA-Spuren des 35-Jährigen, der wegen Drogendelikten bereits mehrfach vorbestraft ist und auch unter offener Bewährung stand. Der Angeklagte beschrieb, dass es für ihn eine Erleichterung war, als die Polizei ihn schließlich fasste. Er habe das Geheimnis mit sich herumgeschleppt und den Beamten bei der Vernehmung sein Herz ausgeschüttet.

Polizei: "Wir waren beeindruckt, was dort alles gefunden worden ist"

Der Augsburger, der in der Graffiti-Szene der Stadt vernetzt ist, hatte seinen Lebensunterhalt zuletzt damit bestritten, gemalte Bilder zu verkaufen. Dass er durchaus eine Begabung hat, zeigte nicht nur das Geld, das er mit seiner Kunst verdiente - er brachte einige Bilder, die er in der U-Haft angefertigt hatte, auch mit in den Gerichtssaal.

Sein Mandant sein ein introvertierter Mensch mit einer bewundernswerten künstlerischen Ader, sagte Verteidiger Klaus Rödl. Man müsse berücksichtigen, dass der 35-Jährige in einem ganz frühen Stadium der Ermittlungen alles eingeräumt hatte. Rödl forderte zwei Jahre und sechs Monate Haft sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für seinen Mandanten, Staatsanwalt Markus Wiesner drei Jahre und sechs Monate und ebenfalls eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Das Gericht blieb in der Mitte beider Forderungen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Einen vergleichbaren Ort zum Drogenanbau, sagte der ermittelnde Polizeibeamte, habe man auch noch nicht gesehen. „Wir waren beeindruckt, was dort alles gefunden worden ist.“ Ursprünglich hatte die Polizei knapp 275 Pflanzen im gesamten Waldgebiet entdeckt; in der Anklage wurden nun der Vorwurf auf die 37 Kübel reduziert, die in Bäumen hingen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

02.07.2018

Ja ich kenne die §§ 29ff BtmG. Trotzdem muss ich fragen: Weswegen ist er verurteilt worden? Wegen Handels oder nur wegen des Anbaus? Wenn hat er durch den Anbau geschädigt?
Und weswegen braucht er eine Drogentherapie in einer geschlossenen Anstalt? Ist seine Cannabis-Abhängigkeit so schwerwiegend für ihn (oder eher für das Gericht?), dass er in eine "Geschlossene" muss oder ist das Gerichtsauflage, um damit etwas weniger Haft zu "erkaufen"?
Fragen über Fragen.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren