1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Gesägt, geschnalzt, geschmatzt

27.07.2010

Gesägt, geschnalzt, geschmatzt

Ralph Stövesandt ließ seine Säge Mozart singen. Begleitet wurde er im Mozarthaus von Julia Rosenberger an der Harfe. Foto: Annette Zoepf
Bild: Annette Zoepf

Musik dringt vom Erdgeschoss hinauf bis unters Dach: Nahezu aus allen Räumen des Augsburger Mozarthauses erklingen Melodien von Wolfgang Amadé. Ihm gewidmet ist diese "Lange Mozartnacht", in der seine vertrauten Klänge einmal mit ungewohnten Instrumenten und Rhythmen in ein völlig anderes Gewand gekleidet werden. Dies getreu nach dem Motto, das Leopold Mozart einmal in einem Brief an seinen Sohn Wolfgang formuliert hatte: "… und vergiss mir nicht das Populare in deiner Komposition!"

Draußen, vor den geöffneten Fenstern des Mozarthauses, rauscht an diesem Abend der Regen, drinnen dampfen die Räume noch von der Hitze der vergangenen Tage. Es drängen sich die Besucher, einmal weniger ernst gestimmt als sonst bei klassischen Konzerten.

Es ist aber auch verblüffend, wie Ralph Stövesandt eine Säge - natürlich ohne Zähne! - Mozart-Melodien singen lässt. Die Töne erzeugt er durch konzentriertes Biegen des Sägeblatts mit der rechten Hand und dem Streichen eines Geigenbogens mit der Linken. Herrlich das Seufzen, das Klagen, das Jubeln der Säge, exakt die Melodien wiedergebend! Wie ein heulender Wind, der draußen ums Haus schleicht, hört sich dies an, gehalten vom zarten, begleitenden Harfenklang (Julia Rosenberger).

Szenenwechsel. Kontrastprogramm. Im Steinsaal drängen sich Jugendliche, die "Fans" des Duos Burak Kalin und Marco Carrangelo. "BeatBoxMozart" heißt ihr Programm, das in Zusammenarbeit der Regio Augsburg mit dem Jugendzentrum K 15 entstanden ist. "Die Mikros müssen lauter sein!", fordern die beiden Künstler beim Soundcheck, was die Zuhörer sichtlich erschreckt. Und dann doch beglückt, als die beiden Jugendlichen loslegen. "BeatBox", das heißt, dass jeder der beiden nur mit seiner Stimme, das Mikro nahezu auffressend, schnalzend, schmatzend, glucksend und pustend Mozart-Melodien vom Band mit einem Schlagzeug-Beat gehörig auffrisieren. Gewöhnungsbedürftig, jedoch fantastisch!

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Von der besonderen Färbung dieses von der Regio Augsburg veranstalteten Abends zeugt ein drittes Beispiel: Da ist die Schweizer Künstlerin Ruta Hermann, eine der wenigen, die das Original-Hammerklavier von Johann Andreas Stein spielen kann und darf. Das tut sie in dieser Mozart-Nacht. Köstlich die Lieder mit den frechen Texten von Mozart, die sie zum Besten gibt. Eine Glanznummer ist ihre Arie "Zu meiner Zeit". Es ist das Klagelied eines alten Weibs, mit brüchiger Stimme, "leicht durch die Nase" (so die Tempobezeichnung!) von der Künstlerin karikiert. Darin sehnt das Weiblein die gute, alte Zeit wieder herbei, "wo Pflicht und Ordnung waren noch nicht entweiht".

Zu hören sind unter anderem auch Mozart-Stücke mit Saxofon und Vibrafon, mit Klarinetten und einem Drehorgelorchester. Und mittendrin hört eine noch nicht ganz fertiggestellte Skulptur von Bildhauer Franz Hämmerle mit Kopfhörern versehen, innig zu.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Landtagswahl Bayern 2018
Region Augsburg

Die CSU setzt sich auch im Umland durch

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket