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Verkehr

04.04.2019

Haben die Erdgas-Busse in Augsburg bald ausgedient?

Aktuell sind 90 Erdgasbusse der Stadtwerke auf den Straßen unterwegs. Die EU fordert aber mehr Elektrofahrzeuge.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die EU schreibt künftig mehr Elektro-Fahrzeuge in den Stadtwerke-Flotten vor. Die Begeisterung bei den Augsburger Verkehrsbetrieben, die auf Biogas setzen, ist gering.

Die Stadtwerke werden ihre Busflotte aus etwa 90 Erdgasbussen mittelfristig möglicherweise aus dem Verkehr ziehen müssen. Hintergrund ist, dass die Europäische Union von ihren Mitgliedsstaaten die Förderung von abgasfreien Bussen fordert – konkret geht es um elektrische Fahrzeuge mit Akku- und Brennstoffzellenantrieb. Voraussichtlich ab 2022 werden in Deutschland 22,5 Prozent aller Nutzfahrzeug-Neuanschaffungen im öffentlichen Sektor emissionsfrei fahren müssen. Ein Parallelbetrieb von zwei Antriebsarten sei dauerhaft aber nicht bezahlbar, sagt Klaus Röder, Leiter des Fuhrparks der Stadtwerke. Speziell für Augsburg sei die ökologische Verbesserung zweifelhaft: Weil die Busse hier mit Biogas fahren und rechnerisch kein Kohlendioxid erzeugen, bringe ein Umstieg auf Stromfahrzeuge wenig.

Der Schadstoffausstoß soll runter

Hintergrund der EU-Richtlinie ist, dass der Schadstoffausstoß von Fahrzeugen in der Europäischen Union runter soll, und zwar sowohl beim Klimagas Kohlendioxid als auch bei Feinstaub und Stickoxid. Der öffentliche Sektor habe eine Vorbildfunktion und könne die Nachfrage ankurbeln, heißt es in der Begründung der EU-Kommission, die auch feststellt, dass bisherige Bemühungen nicht zum Ziel geführt hätten.

Vorgeschrieben ist in der Richtlinie, dass zum Jahr 2025 in Deutschland die Hälfte der neuangeschafften Busse mit alternativen Kraftstoffen fährt, 2030 dann 75 Prozent. Zu den alternativen Kraftstoffen zählt auch Biogas, das im Fall der Stadtwerke aus Stroh vergoren wird, doch damit sind die Ziele der Richtlinie nicht zu erfüllen. Bei der Verbrennung entstehen unter anderem Kohlendioxid (das die Pflanze während ihrer Wachstumsphase aber schon gebunden hat) und in geringen Mengen Stickoxid. Die EU will darum, dass bei den neuen Bussen mit alternativen Antrieben ein gewisser Anteil gar keine Schadstoffe vor Ort ausstößt. Dafür kommen nur Elektrobusse mit Akku oder Brennstoffzelle als Energiequelle in Frage.

Haben die Erdgas-Busse in Augsburg bald ausgedient?

"Noch nicht für den Alltagsbetrieb geeignet"

Doch die Stadtwerke sehen technische Probleme auf sich zukommen. Die Brennstoffzelle, bei der durch chemische Reaktion Strom und Wasserdampf als „Abgas“ entsteht, stecke beim Bus noch in den Kinderschuhen. „Und auch Elektrobusse mit Akku sind momentan noch nicht für den Alltagsbetrieb geeignet“, sagt Fuhrpark-Chef Röder. Einen ganzen Tag im Augsburger Liniennetz würden die gängigen Modelle nicht schaffen, schon gar nicht wenn Heizung oder Klimaanlage laufen. Teils haben die heute erhältlichen Modelle in der Tat Dieselmotoren als Heizung eingebaut.

Entweder müssten die Akkubusse untertags an Endhaltestellen zum Laden via Induktion oder an Kontaktpunkten pausieren, oder gleich in den Betriebshof zurückkehren und durch frisch geladene Busse ersetzt werden, so Röder. „Das erfordert mehr Fahrzeuge und mehr Fahrpersonal, was die Kosten noch weiter in die Höhe treibt.“

Ladeinfrastruktur würde Millionen Euro kosten

Ein Gas-Gelenkbus kostet um die 400.000 Euro, für einen Elektrobus werden um die 700.000 Euro fällig, wobei es dafür einen Zuschuss in Höhe von etwa 300.000 Euro gibt. Für die Stadtwerke macht das keinen Unterschied. Das eigentliche Problem ist die Infrastruktur. Die Stadtwerke schätzen die Kosten für Lade-Einrichtungen im Betriebshof und an Endhaltestellen auf geschätzt 30 Millionen Euro.

Und dann sei da noch der Umweltnutzen: Solange der Strom für Elektrobusse nicht zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen kommt, sei das Bio-Erdgas in der CO2-Bilanz im Vorteil. Man schieße auf diese Weise eine erprobte Technologie in den Wind, so Röder. 1995 führten die Stadtwerke im Rahmen eines Modellversuchs die ersten Erdgasbusse ein, seit einigen Jahren wird Bio-Gas verwendet. Diesel – noch immer der Standardtreibstoff für Busse – gehört bei den Augsburger Stadtwerken seit etwa 20 Jahren der Geschichte an.

Andere Städte setzen auf Elektrobusse

Bei der EU-Kommission weiß man um die Gegenargumente – und kontert damit, dass die Richtlinie die Verbreitung von Biogas-Bussen durchaus fördert, aber eben auch einen Teil an Null-Emissionsbussen will. Andernfalls werde dieses Thema nie vorankommen. Ein Sprecher verweist gegenüber unserer Zeitung darauf, dass viele deutsche Städte sich ehrgeizige Ziele gesetzt haben, was Busse mit Stromantrieb betrifft. In der Tat will Hamburg bei Neubeschaffungen ab 2020 ausschließlich auf emissionsfreie Busse setzen, Hannover will bis 2023 in der Umweltzone voll auf Elektrobetrieb umstellen. Und auch München setzt zunehmend auf Strombusse und will in diesem Jahr die erste Linie komplett durch E-Busse bedienen lassen.

Die Stadtwerke hoffen darauf, dass sich an der Richtlinie noch etwas ändert. Bis zum Inkrafttreten werde man weiterhin voll auf Gasbusse setzen und auch danach noch die möglichen Kontingente ausschöpfen. Mittelfristig sei der Betrieb zweier Antriebsarten aber nicht wirtschaftlich, so Fuhrparkleiter Klaus Röder. Ein Sprecher der EU-Kommission verweist zudem darauf, dass es den Mitgliedsstaaten freigestellt ist, Bedingungen festzulegen, um bestimmte Städte von den Vorgaben auszunehmen, solange die nationalen Quoten erfüllt sind.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Busantrieb: Stadtwerke schwimmen gegen den Strom

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Die Diskussion ist geschlossen.

04.04.2019

>> Entweder müssten die Akkubusse untertags an Endhaltestellen zum Laden via Induktion oder an Kontaktpunkten pausieren, oder gleich in den Betriebshof zurückkehren und durch frisch geladene Busse ersetzt werden... <<

Auf die Idee mit der unwirtschaftlichen Rückfahrt zum Betriebshof kommt auch nur ein Verkehrsbetrieb, der einen 200 Mio Tunnel unter dem Bahnhof baut, ohne den weiteren Weg zu wissen.

Andere Verkehrsbetriebe sind da wesentlich orientierter:

https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/entscheidung-gefallen-so-geht-es-mit-elektro-bussen-in-graz-weiter/ar-AAzBsKI

In der Stadt Akkus für einen ganzen Tag herumzuschleppen ist eine ziemlich dumme Idee.

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04.04.2019

Sehr schnell ladefähige Supercaps finden sich bereits heute in den neuen Hybridbussen von swa und avv.

https://www.eurotransport.de/test/mercedes-citaro-hybrid-zweiter-anlauf-mit-langlebigen-supercaps-9795376.html

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05.04.2019

Würden Sie deswegen die Erdgasbusse heute schon abschaffen? Mal abgesehen vom Wasserstoff ist der E-Bus doch nicht wirklich umweltfreundlich.

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04.04.2019

Leider ist Politik derzeit so, dass man eine feste Richtung vorgibt und nicht nach links oder rechts schaut. Diese Einbahnstraßenentscheidungen werden in Zukunft nicht von Vorteil für ein Land sein, da man damit eine Forschung und Entwicklung in andere Richtungen unterbindet.

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