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12.07.2010

Hänsel und Gretel im grünen Wald

Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" mit Balletteinlagen erlebte man zur Mozartiade im Schorner Stadl: Umgeben von den befreiten Lebkuchenkindern des DanceCenter No 1 singen (v. l.) Liat Himmelheber (Mutter), Nathalie Mittelbach (Hänsel), Isabel Blechschmidt (Gretel) und Philipp Gaiser (Vater). Foto: Wolfgang Diekamp
Bild: Wolfgang Diekamp

Ganz im Grünen, beinahe im Wald, fand im Pöttmeser Weiler Schorn am Freitagabend große Kultur statt: Im Rahmen der Mozartiade wurde Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" in einer halbszenischen Aufführung im "Schorner Stadl" gegeben. Der ungewöhnliche Spielort - mit gut 300 Besuchern total ausverkauft - ohne Komfort und Technik eines Opernhauses sollte laut Organisator Bernhard Häußler bewusst "Einfachheit, das Ländliche und Naturnahe widerspiegeln" und passte ausgezeichnet zu dem romantischen Werk.

Unter der musikalischen Leitung von Christian Pyhrr überzeugten die sechs Sänger der früheren Musikhochschule Augsburg, das "Schwäbische Instrumentalensemble" und die jungen Balletttänzerinnen vom DanceCenter No 1 und entführten das Publikum in die Märchenwelt.

Bereits die Ouvertüre begann eindrucksvoll und träumerisch: Zu zarten Harfenklängen gesellte sich dezent das Streichquartett, die sanften Bläsereinwürfe deuteten das Thema des berühmten Abendsegens aus dem 2. Akt an. Die zwölf jungen Musiker zeigten, dass es kein großes Symphonieorchester braucht, um gefühl- und kraftvolle Stimmungen zu erzeugen. Im Gegenteil: Viele Effekte schienen gerade durch das reduzierte und von Alexander Krampe arrangierte Ensemble deutlicher und direkter zu wirken, jedoch dank des Schlagwerks, der satten Bläser und des tiefen Kontrabasses ohne Einbußen an Dramatik und Wuchtigkeit zu erleiden.

Der Auftritt der Titelfiguren (impulsiver Hänsel: Nathalie Mittelbach, sinnlich-vernünftige Gretel: Isabel Blechschmidt) auf die mit nur wenigen Requisiten und einem Baumstumpf dekorierte Bühne begann heiter-verspielt, übermütig wirbelte Hänsel umher, von seiner Schwester immer wieder gebremst.

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Doch schon das Erscheinen der strengen Mutter (verhalten: Liat Himmelheber), das Missgeschick mit dem umgeworfenen Milchkrug und die glänzende musikalische Überleitung zum 2. Akt verrieten, dass es folglich ernster und gefahrvoller für die beiden werden sollte. Einsam im Walde - anfangs noch vergnügt, dann jedoch zunehmend verirrter und ängstlicher - sangen sie beseelt und innig den Abendsegen und schliefen nach Besuch des Sandmännchens (zauberhaft: Jasmin Hörner) ein. Als gelungene Einlage tanzte dazu eine Ballettgruppe kleiner Mädchen engelsgleich und von Nathalie Böck und Istvan Nemeth passend choreografiert um das schlummernde Paar - ein versöhnlicher Höhepunkt vor der Pause.

Nach dem Erwachen und Entdecken des Knusperhäuschens erklang zunächst das freudenstrahlende Duett der Geschwister, doch schon mit Heranschleichen der Hexe (mimisch überragend: Richard Resch) schlug die Stimmung endgültig ins Bedrohliche um: Die Musik wurde zunehmend chromatischer und ungestümer, die Handlung schneller vorangetrieben. Durch die List Gretels verschwand die Hexe in der Versenkung, zugleich tanzten die befreiten Lebkuchenkinder in Form einer zweiten Balletteinlage voll Freude mit den siegreichen Protagonisten.

Erleichtert gestikulierend und überaus dankbar traten mitten aus dem Publikum heraus deren Eltern hinzu (stimmgewaltiger Vater: Philipp Gaiser), und das überglückliche Schlussquartett entließ nach gut zwei Stunden die begeistert applaudierenden, verzauberten Zuhörer.

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