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Augsburg

17.09.2020

Hasskommentare sollen von Augsburg aus bekämpft werden

Eine Außenstelle der bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in Augsburg soll neue Konzepte gegen Hasskommentare im Internet erarbeiten.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Hasskommentare im Internet sind ein zunehmendes Problem. Eine neue Einrichtung in Augsburg soll dagegen Konzepte entwickeln.

Eine Außenstelle der bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in Augsburg soll neue Konzepte gegen Hasskommentare im Internet erarbeiten. Um gezielt Extremismus in den sozialen Netzwerken zu bekämpfen, wurde am Mittwoch der zweite Standort der Landeszentrale offiziell eröffnet. "Wir wollen die Landeszentrale im Bereich der digitalen Bildung stärken", sagte Kultusminister Michael Piazolo ( Freie Wähler). Die Bildungsarbeit solle nicht mehr nur zentriert in München erfolgen, sondern in das Land hinausgetragen werden, begründete Piazolo die Einrichtung in Außenstelle.

Hasskommentare im Internet: Augsburg als Vorreiter in Bayern?

Augsburg soll dabei als Ideen-Laboratorium und als Test-Ort fungieren. Die neu entwickelten Bildungskonzepte sollen zunächst in Augsburg erprobt werden, anschließend werden die Projekte allen Kommunen im Freistaat zur Übernahme angeboten. Für die Außenstelle wurden fünfeinhalb neue Stellen bei der Landeszentrale geschaffen.

Der Direktor der Landeszentrale, Rupert Grübl, erklärte, dass seine Einrichtung bereits seit vielen Jahren Klassen nach München, Berlin oder Brüssel begleite, um den Schülern die politischen Abläufe von den Ländern bis zur EU zu erklären. Nun werde durch die neue Außenstelle ein Schritt nach unten getan und die Verwaltungsarbeit der Kommunen erläutert. Das in Augsburg bereits praktizierte Projekt "Lernort Rathaus", mit dem Grundschülern die Arbeit von Gemeindeverwaltungen erklärt wird, soll deswegen auf andere Regionen ausgeweitet werden.

Hasskommentare sollen von Augsburg aus bekämpft werden

Kampf gegen Hasskommentare: In Augsburg werden Projekte getestet

Die neue Außenstelle ist im ersten Stock eines Gebäudes der Heilig-Kreuz-Straße 10 untergebracht und erhielt fünfeinhalb Stellen, die der Landeszentrale neu zugebilligt worden sind, wie Piazolo auf Nachfrage betont. Hier arbeiten an die Behörde abgeordnete Lehrer, zudem ein Soziologe, eine Staatswissenschaftlerin und eine Medienpädagogin. Ein Teil von ihnen teilt seine Arbeitszeiten seit dem 1. September zwischen Augsburg und der Zentrale in München auf. Nach Auskunft von Rupert Grübl sind die Kollegen schon seit etwa einem Jahr von München aus tätig. In Augsburg sollen mit Fachleuten vor Ort aus Universität, Stadt, Hochschule und anderen Partnern Projekte entwickelt und getestet werden.

Eröffnung der Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung in Augsburg (von links): Staatsminister Michael Piazolo, Leiter Rupert Grüb und Oberbürgermeisterin Eva Weber.
Bild: Michael Hochgemuth

Bei einem Projekt der neuen Außenstelle geht es darum, wie Schüler auf "Rechte Hetze im Klassenchat" reagieren sollen. Ferner werden Argumentationstrainings für junge Menschen angeboten, damit diese lernen, was sie auf extremistische Parolen am Stammtisch oder im Internet entgegnen können. Um auch ältere Bürger zu erreichen, arbeitet die Außenstelle auch mit den Volkshochschulen zusammen. Erfolgreich ist laut der Verantwortlichen auch die App „Check das Netz“, die für Lehrer zur Verwendung im Unterricht konzipiert ist. Ein Quiz führt Schüler der sechsten und siebten Klassen durch die Welt der Internet-Influencer und sensibilisiert sie für die Manipulationsstrategien der Werbung.

Kampf gegen Hetze in Augsburg: Grüne Abgeordnete kritisiert Söder

Das Büro in der Heilig-Kreuz-Straße sollte mal ein großer Wurf werden. Im Bayern-Wahlkampf 2018 hatte Markus Söder ein „Bildungszentrum für neue Medien und Demokratie“ angekündigt und große Erwartungen in Augsburg geweckt. Als Sitz waren bereits der Glaspalast beziehungsweise die Halle 116 in Pfersee im Gespräch, die Rede war von einem Personalstab von 15 Mitarbeitern. Doch nach der Wahl wurden die Pläne modifiziert. Die Staatsregierung hatte sich Anfang 2020 mit der Stadt Augsburg auf ein Konzept für die Außenstelle verständigt.

Auch auf lange Sicht, so der Kultusminister, seien die ursprünglichen Pläne wohl vom Tisch. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Stephanie Schuhknecht kritisiert, dass aus dem Wahlkampfversprechen Söders nicht viel geworden sei. Es sei viel kleiner als angekündigt. Angesichts der Tatsache, dass vier von fünf Beschäftigten zudem zwischen München und Augsburg pendeln, spricht die Abgeordnete von einem "Pendler-Büro". (mit dpa)

In einer neuen Folge unseres Podcasts "Augsburg, meine Stadt" sprechen wir mit einem Ex-Gefängnischef über den Sinn und Unsinn von Gefängnissen. Hier können Sie sich die gut einstündige Folge anhören:

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