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Uni-Vergleich

19.11.2019

Hat Augsburg schlechtere Studenten als andere Unis?

Eine Rangliste bescheinigt der Uni Augsburg, dass dort die Zulassungsvoraussetzungen besonders leicht seien. Die Uni widerspricht.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Ein neuer Vergleich von 40 Universitäten ergibt: Augsburg hat im Schnitt die leichtesten Zulassungsvoraussetzungen. Warum man das Ranking an der Uni kritisch sieht.

Wer studieren will, kann auf der Suche nach der richtigen Universität an einem hohen Numerus clausus (NC) scheitern. Sprich: Die Abiturnoten sind in diesem Fall für ein bestimmtes Fach zu schlecht. Welche örtlichen Zulassungsbeschränkungen gelten, hat ein neuer Vergleich der 40 größten deutschen Universitäten ermittelt. Ergebnis: Die Universität Augsburg hat im Schnitt die leichtesten Voraussetzungen. Was bedeutet das? Hat sie damit eine schlechtere Qualität von Studenten?

Vom Grundsatz her gilt der NC als ein Gradmesser, wie „angesagt“ ein bestimmter Studiengang bei Interessenten ist. Der NC fällt, wenn es weniger Bewerber gibt. Gibt es viele Interessenten, steigt der NC. Man könnte es auch so sagen: Welcher NC gilt, ist das Ergebnis der Konkurrenz von Bewerbern um knappe Studienplätze.

Uni Augsburg: Ranking entspricht nicht der Realität

Die Online-Jobsuchmaschine Adzuna hat berechnet, wo in Deutschland die örtliche Zulassungshürde am höchsten ist. Danach wendet die Ruhr-Universität Bochum den härtesten NC an. Durchschnittlich werden Bewerber bis zu einer Abiturnote von 1,62 genommen. „Hier werden nur Top-Abiturienten zugelassen“, heißt es in Ranking. Den zweiten Platz nach Bochum nimmt eine bayerische Hochschule ein – die Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit einem durchschnittlichen NC von 2,30. Und die Uni Augsburg? Laut Adzuna haben hier auch Bewerber mit schlechteren Abiturnoten gute Chancen auf eine Zulassung. Im vorherigen Wintersemester lag der NC danach im Schnitt bei 3,42. Damit hatte die Uni Augsburg in dem Ranking deutschlandweit die niedrigsten Zulassungshürden.

Hat Augsburg schlechtere Studenten als andere Unis?

An der Universität sieht man die neue Rangliste kritisch. Sie sei wenig aussagekräftig und von der Datenlage her nicht transparent, sagt Corina Härning von der Pressestelle. Der Vergleich der Universitäten mittels eines Durchschnitts-NC pro Hochschule verzerre die Ergebnisse und entspreche nicht der Realität. „Mit einem solchen Wert wird suggeriert, dass man an der Universität Augsburg mit einem Abiturdurchschnitt von 3,4 noch einen Studienplatz bekommen kann.“ Dies treffe auf Studiengänge wie etwa Rechts- und Wirtschaftswissenschaften aber nicht zu.

Es gibt deutlich mehr Bewerber als Plätze an der Augsburger Uni

Insgesamt gibt es an der Uni Augsburg aktuell 87 Studiengänge. Davon sind 14 Fächer quer durch die Fakultäten mit einem örtlichen NC belegt – etwa Sozialwissenschaft, Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft, Jura oder Wirtschaftsingenieurwesen und Medizinische Informatik. In der Pressestelle betont man, dass es auf die zulassungsbeschränkten Studiengänge im Schnitt drei Mal so viele Bewerber und Bewerberinnen gab, wie Plätze verfügbar waren. Das Fach „Medien und Kommunikation“ sei sogar fast 18-fach überbucht. Im Fach Rechtswissenschaften ist die Uni Augsburg eine der wenigen in Bayern, die überhaupt noch eine Zulassungsbeschränkung hat.

Allerdings verweist Sprecherin Härning auch auf ein deutschlandweites Problem: Viele Studieninteressierte bewerben sich gleichzeitig an mehreren Hochschulen. Jede „reserviert“ dann in NC-Fächern die Plätze für Interessenten mit guten Noten. Zum Beginn des Semesters können trotzdem viele Studienplätze unbesetzt bleiben – weil sich Bewerber schließlich doch für eine andere Universität entschieden haben. In der Folge werden aufwendige Nachrückverfahren notwendig, um die Vorlesungen und Seminare noch mit genügend Studenten zu füllen.

Härning sagt, inzwischen gebe es jedoch ein neues Verfahren, das offenbar Wirkung zeige: das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV). Hier laufen alle Informationen zum Bewerbungsprozess zusammen. Die Verteilung der Studienplätze deutschlandweit funktioniere damit besser, so die Uni. Strenge NC seien nicht mehr so notwendig.

Wer bekommt neue Studienplätze in Bayern?

Es gibt auch Fachleute, die eine andere Sicht auf das Thema haben. Sie gehen davon aus, dass eine Universität bei einem niedrigen NC in einem Studiengang fast jeden Bewerber nehmen muss. Um etwas über die Qualität von Studenten zu sagen, sei der NC alleine jedoch zu vage, so die Einschätzung.

Mit der Auslastung des Studienangebots hängt aber wiederum eine andere wichtige Frage zusammen, die jetzt aktuell wird: Wohin wird der Freistaat demnächst zusätzliche 10.000 Studienplätze in Bayern aus der neuen Zwei-Milliarden-Forschungsinitiative verteilen?

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Augsburg hätte wohl kein Problem, beispielsweise in Informatik ein zusätzliches Angebot mit guten Leuten zu füllen. Sie hat nicht nur einen harten NC von 1,9 beim Abitur. Sie muss auch seit Jahren viele Studieninteressenten mit guten Noten abweisen.

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