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Augsburg

25.06.2019

Haunstetter sorgen sich wegen Neubaugebiet für 10.000 Menschen

Aus der Luft sind die Dimensionen von Haunstetten Südwest gut zu erkennen. Der Blick geht nach Nordosten, im Vordergrund ist die B17.
Bild: Ulrich Wagner

Plus In Augsburg soll ein Wohngebiet für 10.000 Bewohner entstehen. Doch was bedeutet Haunstetten Südwest für die Anwohner? Nicht alle sind begeistert.

Die Handtücher und Liegen auf der Wiese sehen wie bunte Inselchen aus. Von der Terrasse aus lässt Thomas Riedle seinen Blick über das Gelände des Naturfreibades schweifen. „Egal ob sich hier in Haunstetten 10.000 oder 30.000 Menschen ansiedeln werden, für uns ist die Vorstellung ein Horror.“ In rund fünf Jahren könnten die Arbeiten für das Neubaugebiet Haunstetten Südwest beginnen, doch im Stadtteil ist nicht jeder begeistert – aus unterschiedlichen Gründen.

Die mindestens 4000 neuen Wohnungen in Gebäuden, die zum Teil höher als vier Stockwerke werden, sollen Platz für rund 10.000 Menschen bieten. Kitas, Jugendtreffs, und Geschäfte sind geplant. Eine neue Schule vielleicht auch. Gewerbebetriebe sollen bis zu 5000 neue Arbeitsplätze schaffen. Das Areal auf der Ackerfläche zwischen B17 und Postillonstraße soll ein „Viertel der Zukunft“ werden, heißt es aus der Stadt: wenig Autoverkehr, energieeffiziente Häuser, vielleicht sogar Gemüse-Anbau auf dem Dach. Doch das geplante Gebiet ist auch ein Mega-Projekt.

Thomas Riedle vom Verein Naturfreibad Haunstetten sieht das Projekt mit gemischten Gefühlen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Haunstetten Südwest soll Platz für 10.000 Augsburger bieten

Laut Stadt könnte es ab 2025 bebaut werden. In einem nächsten Schritt werden aus den Entwürfen von 25 Architekten und Stadtplanern zehn Ideen ausgesucht, die in eine zweite Auswahlrunde kommen. Sie werden ab 13. Juli in einer Ausstellung zu sehen sein und Bürger können ihre Meinung dazu sagen. Bis zur Entscheidung wird es dauern, weshalb sich manche Menschen, die jetzt schon in Haunstetten wohnen, nicht groß sorgen: „In meinem Alter und bis das kommt“, sagt Hermann Opl. Trotzdem könnte den 76-Jährigen die Entwicklung einholen, wenn die Tramlinie 3 nach Königsbrunn verlängert wird. Die Erweiterung spielt eine zentrale Rolle bei der Erschließung des Gebiets. Die Straßenbahn soll direkt hinter Opls Garten vorbeiführen. „Ich muss dann ein Stück meines Gartens zurückbauen.“

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Straßenbahn fährt am Garten vorbei

Er und einige Nachbarn hätten schon Eingaben bei der Regierung von Schwaben gemacht, an Besprechungen mit den Stadtwerken teilgenommen. „Aber es bringt alles nichts.“ Der Mann, der seit 45 Jahren in Haunstetten lebt, würde sich wünschen, dass die Tramlinie fünf Meter weiter ins Feld verlegt würde. „Aber dann muss mit den Bauern verhandelt werden.“ Das sei schwieriger. Damit spricht er eine Herausforderung für die Stadt an.

Karl-Heinz Settele will sein Land eigentlich nicht verkaufen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Denn die 180 Hektar des Plangebiets gehören 100 Grundstückseigentümern. Die meisten sind Privatleute. Wie Karl-Heinz Settele. Der Haunstetter Metzgermeister hat eigentlich keine Lust, seinen bis zu drei Hektar großen Acker zu verkaufen. Der 56-Jährige hat die Fläche seit Jahren an einen Landwirt verpachtet. Momentan werde Weizen und Mais angebaut. Settele sagt, er ist mit dem Grund, der einst seinem Großvater gehörte, emotional verbunden. „Mein Opa hatte eine Landwirtschaft. Als Kind habe ich auf dem Feld mitgeholfen.“ Sowieso müsse man sich fragen, ob eine Stadt weiter wachsen muss oder man die Natur so belassen sollte. „Die Stadt wird sich schwer tun, den ganzen Grund, der viel landwirtschaftlich genutzt wird, zu kaufen“, lautet seine Einschätzung. Und dass entsprechend viele Ausgleichsflächen zu Verfügung gestellt werden können, bezweifelt der Metzger. Eine weitere Befürchtung Setteles ist ein drohender Verkehrskollaps, wenn das Neubaugebiet kommt. Die Inninger Straße, ein Zubringer zur B17, sei nachmittags jetzt schon am Limit.

Haunstetten Südwest: Anwohner haben Angst vor dem Verkehr

Diese Sorge teilt Andreas Hurtner. Der Vorsitzende des Fischereivereins lebt seit 19 Jahren in dem Stadtteil. 10.000 Bewohner mehr könne er sich nicht vorstellen, weil Haunstetten jetzt schon „brutal“ zugeparkt sei. Wer dem Neubaugebiet positiv entgegensieht, ist der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Haunstetten. „Auf uns sehe ich keine Probleme zukommen“, sagt Thomas Melzer: „Mehr Bürger bedeuten für mich die Möglichkeit, dass sich mehr engagieren können.“ Natürlich müsse man mit dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz einen Bedarfsplan für Haunstetten entwickeln. „Aber bei der aktuellen Wohnungssituation halte ich das Neubaugebiet für dringend notwendig“, sagt der 34-Jährige. Letzteres sieht auch Hermann Opl so – trotz seines betroffenen Gartens.

Hermann Opl, wohnt direkt an der geplanten Trasse der Straßenbahnlinie 3.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Man könne sich dem Fortschritt nicht verschließen. Er klingt wehmütig. „Seit 45 Jahren sehen wir im Westen die Sonne untergehen. Sind die hohen Häuser mal da, ist diese Aussicht vorbei.“ Aber er wolle sich nicht beschweren. „Dafür haben wir viele Jahre schön gewohnt.“ Zurück zum Naturfreibad. Noch ist genügend Platz auf der Liegewiese und im Becken. Aber was, wenn viele Menschen aus dem Neubaugebiet mal dazukommen werden?

Wird das Naturfreibad zu voll?

„Wir haben kein Potenzial mehr das Bad zu vergrößern, sagt Thomas Riedle, der in Zukunft ein Chaos befürchtet. „Wir bräuchten Security am Eingang.“ Er fragt sich, wo sie viele Menschen dann zum Baden gehen. „Am Ilsesee ist es jetzt schon voll. Riedle blickt über das Gelände des Naturfreibades. So richtig vorstellen, wie das Leben in Haunstetten mit dem großen Wohnareal laufen wird, kann auch er sich auch nicht so richtig.

Lesen Sie auch den Kommentar: Das neue Viertel muss wirklich innovativ sein

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25.06.2019

Wie üblich: jeder ist sich selbst der Nächste! Die Zeiten und Bedürfnisse ändern sich. Man kann nicht einfach ein Stopp der Zuwanderung oder Bevölkerungszuwachs anordnen! Stillstand bedeutet Rückschritt.

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