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Kültürtage

06.11.2014

Haydar torkelt durchs Nachtleben

Der Anatolier in einer kurzweiligen Nummernrevue

Haydar (Fikret Yakaboylu) hat es nicht leicht. Schwer angetrunken schleppt er sich über die Bühne der Kresslesmühle nach Hause. Kaum dass sein Schlüssel den Weg ins Schloss gefunden hat, fliegen Flaschen und Schuhe: Seine Frau Halime (Hadiye Akyol) lässt einem fulminanten Wutausbruch freien Lauf. Haydar flieht in die Augsburger Nacht.

Es ist eine Persiflage auf den Anatolier vom Land, wie er sich auch in der türkischsprachigen Satire findet. Eine ungefährliche, manchmal mitleiderregende Mischung aus Pechvogel, Macho und Pantoffelheld. In der fünften Ausgabe der Kültürtage treten er und Halime nicht nur wie gehabt in „Döner mit Sauerkraut“ auf. Ihre Krise und seine anschließende unfreiwillige Reise durchs Augsburger Nachtleben ist in diesem Jahr der Plot, der das neue Kültürtage-Format „Haydars Nacht“ (Regie: Sylvia Brecheler) zusammenhält. In knackig-kurzweiligen 60 Minuten geben sich in dieser Nummernrevue ein Hardrock-Gitarrist, Schauspieler des Ensemble bluespots productions, die Bauchtänzerin Melli Sarina Baumeister (Tribal Dance), das Entertainer-Multitalent Fabio Esposito, DJVladi Toledo-Sanchez mit einer kleinen Salsa-Combo und die Tänzerin Elisabeth Wolf von der Münchener Iwanson International School of Contemporary Dance die Klinke in die Hand und begeisterten im voll besetzten Saal der Kresslesmühle ihr Publikum.

Es ist eine unbekannte Welt, die Haydar nach seinem Rausschmiss durchstreift. Im Circus folgt er angestrengt dem harten Rock der sich selbst genügenden Gitarre von Roman Koplenig („Hard Boiled“), und dem ungestümen Tanz zweier Fans. Im Rathaus gerät er in den Kongress „Einbruch in die Männerwelt“; am Pult: Die Vorsitzende von „Frauen für Frauen“ (Stephanie Dischinger, bluespot). In einer umwerfend leidenschaftlich-absurden Rede, lautstark unterstützt von Zwischenrufen aus dem Publikum, lobt sie die „Leichtigkeit der Weiblichkeit“, wettert gegen ewiges Lächeln, Gutaussehen und Beinerasieren. Haydar ist entsetzt, ruft verzweifelt nach Halime. Merklich verwirrt schaut er im Henrys vorbei, wo die Profis um Vladi Toledo Sanchez einen Samba zum Besten geben und zieht weiter ins Pharao und bewundert die Bauchtänzerin (Melli Baumeister), die im beeindruckenden Stakkato die Hüften zucken und kreisen lässt. Magic Luigi (Fabio Esposito) wurde hier vom türkischen Wirt als Türke engagiert. „Isch bin Italiener, Mann, seh isch vielleisch aus wie Türke?“ „Sag einfach lan zwischendurch!“ Großes Gelächter im Publikum.

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Es ist dieses ironische Spiel mit den Klischees über Frauen, Deutsche, Türken, das bei allem Klamauk die Leichtigkeit der Comedy-Einlagen ausmacht. „Haydars Nacht“ zeigt, dass die Kültürtage über ihr türkisch-deutsches ü hinaus gewachsen und als interkulturelle Plattform ein Magnet für Augsburger Künstler vieler Disziplinen geworden sind.

Mittwoch, 26. November, 20 Uhr, Kresslesmühle, Eintritt frei.

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