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Medizin

11.04.2015

Helfer schlagen Alarm beim Krankentransport

Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Patienten, die zwischen Krankenhäusern verlegt werden oder von einem Heim zum Arzt gebracht werden müssen, müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen. Der Grund: Bei den Transportfahrzeugen wurden Kapazitäten abgebaut und den Rettungswagen zugeteilt.
Bild: Foto: Ralf Lienert

Anfang April wurden Kapazitäten abgebaut. Den Patienten drohen nun längere Wartezeiten. Die Organisationen kritisieren die Krankenkassen

Bettlägerige Patienten, die zwischen Krankenhäusern verlegt werden oder vom Pflegeheim in die Arztpraxis gefahren werden, müssen sich ab jetzt wohl auf längere Wartezeiten gefasst machen. Grund: Seit 1. April gibt es weniger Krankentransportkapazitäten in der Region. Die Krankentransportfahrzeuge haben einen niedrigeren Standard als Rettungswagen und sind nicht für die Notfallrettung vorgesehen. Im Gegenzug für den Abbau beim Krankentransport wurden die Kapazitäten im Rettungsdienst aufgestockt. Über diese Reform wurde bereits seit längerem diskutiert und gestritten (wir berichteten).

Die Hilfsorganisationen schlagen nun Alarm. Die Reduzierung „berücksichtigt nicht aktuelle Veränderungen in der Region“, sagt Günter Gsottberger, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen. Seit Herbst gebe es einen deutlichen Anstieg bei den Krankentransportfahrten von Rotem Kreuz, Maltesern und Johannitern. Dieses Jahr könne die 50000er-Marke erreicht werden. 2009 waren es hingegen noch 39000 Einsätze. Inzwischen müsse jeder fünfte Patient mehr als eine Stunde warten. „Die Sparpolitik der Krankenkassen lässt nun noch längere Wartezeiten für noch mehr Patienten befürchten“, so Gsottberger. Hintergrund: Die Studie der Uni München zur Restrukturierung des Rettungsdienstes mit dem Namen Trust II wurde vom Freistaat und den Krankenkassen in Auftrag gegeben.

„Unsere Besatzungen verlassen morgens die Wache und kommen abends oft erst nach dem geplanten Schichtende zurück“, sagt Michael Gebler, Rot-Kreuz-Geschäftsführer in Augsburg. „Die Belastung für das Personal steigt, und die Arbeit mit oft bettlägerigen und betagten Patienten ist ohnehin nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch psychisch“, ergänzt Gertrud Streit-Doderer, Mitglied des Johanniter-Regionalvorstandes in Schwaben. Arbeiten wie die Desinfektion der Fahrzeuge oder die Dokumentation der Einsätze seien kaum mehr zu schaffen. Dies werde in Überstunden erledigt. Zu befürchten sei, dass Ehrenamtliche, die vor allem bei Großeinsätzen gebraucht werden, nun im Alltag als Lückenbüßer einspringen müssen. „Das darf nicht passieren“, so Gsottberger.

Allerdings darf bei der ganzen Diskussion nicht außer Acht gelassen werden, dass es Verbesserungen im Rettungsdienst gibt. In der Stadt Augsburg kann die gesetzliche Rettungsfrist von zehn Minuten zwar so gut wie immer eingehalten werden, auf dem Land konnte es bislang aber mitunter zu Problemen kommen, wenn mehrere Einsätze gleichzeitig liefen. Dann muss der Rettungswagen einer benachbarten Wache aushelfen, der aber einen längeren Weg hat. Besonders die Rettungswachen Neusäß, Gersthofen und Friedberg sind betroffen. Rechnet man Einsparungen im Krankentransport und Ausweitungen beim Rettungsdienst gegeneinander auf, kommt man auf ein Plus von 300 Bereitschaftsstunden pro Woche. Hintergrund: Das Gutachten der Uni München schlägt 500 zusätzliche Bereitschaftsstunden beim Rettungsdienst in der Region vor, gegenüber von gut 200 Stunden weniger beim Krankentransport.

Die Hilfsorganisationen fürchten aber, dass diese Rechnung nur auf dem Papier gut aussieht. Denn Rettungswagen können, wenn kein Notfall ansteht, auch zum Krankentransport eingesetzt werden. Nachteil: Für Notfälle stehen sie dann nicht zur Verfügung. Auch die Zahl der Notfalleinsätze sei gestiegen. Gab es im Februar 2015 rund 7900 Noteinsätze, waren es im Vergleichsmonat vor einem Jahr ein Viertel weniger.

Dass sich etwas bewegt, ist fraglich. Die Stadt Augsburg und die Kreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries als Mitglieder des Rettungszweckverbandes hatten die Zahlen, als sie vergangenes Jahr vorgestellt wurden, nochmals überprüfen lassen. Eine Änderung gab es nicht. Der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) hatte als Vorsitzender des Verbandes damals Verständnis für die Bedenken geäußert, aber auch klargestellt, dass man nur gemeinsam mit den Kassen entscheiden könne.

Die Hilfsorganisationen der Region kündigen nun an, die Wartezeiten und Einsatzzahlen genau im Blick zu behalten.

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