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Augsburg

19.06.2019

Hitze: Sollten Bürger die Stadtbäume gießen?

In heißen Sommern leidet das städtische Grün mitunter stark. Eine Initiative ruft nun Bürger dazu auf, die Stadtbäume zu gießen.

Plus Die Baum-Allianz ruft Bürger auf, Straßenbäume im Sommer zu bewässern, damit sie nicht vertrocknen. Das Städtische Grünamt ist davon nicht unbedingt begeistert.

Heiße und trockene Sommer bedeuten Stress für Stadtbäume. Auch in Augsburg sterben immer wieder Bäume ab. Die Baumallianz Augsburg, eine Initiative von Bürgern, kritisiert, die Stadt wässere Straßenbäume offenbar nicht ausreichend. Sie ruft zur Aktion „Gieß mich, sonst sterb’ ich!“ auf. Auftakt ist am Samstag, 29. Juni, um 11 Uhr in der Neidhartstraße 25. Ziel der Aktion sei, Bäume gut durch Trockenperioden zu bringen. Dafür sollen sich Bürger in ihrer Nachbarschaft organisieren und Straßenbäume mit Wasser versorgen. Was sagt man bei der Stadt zum Zustand des öffentlichen Grüns und solchen Aktionen? Wir haben nachgefragt.

Frau Ehlert, wie geht es den Stadtbäumen in Augsburg?

Seit zehn Jahren beobachten wir, dass Krankheiten und Schäden an Stadtbäumen deutlich zunehmen. Das ist sicherlich den zunehmend extremeren Standortbedingungen geschuldet. Man kann nicht sagen, dass ausschließlich die Trockenheit eines Jahres eine Rolle spielt, es ist die Summierung von Trockenstress, Hitze, Verdichtung, Anreicherung von Salzen und Schadstoffen im Boden, falsche Baumartenwahl, nachträgliche Versiegelungen und zahlreiche Aufgrabungen im Straßenbegleitgrün.

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Krankheiten und Schäden, was muss man sich da vorstellen?

Durch all diese Einflüsse werden Vitalitätsdefizite, Totholzbildung bis hin zum Absterben von Kronenteilen und das Absterben von ganzen Bäumen verursacht. Geschwächte Bäume sind auch weniger resistent gegen Schädlinge und Krankheiten. Dazu kommt die Ausbreitung neuer, bisher seltener oder unbekannter Pilze und Schädlinge, die die Bäume zusätzlich schädigen.

Gibt es Bäume, die unter den Bedingungen besonders leiden?

Ja. Insbesondere Spitzahornbäume und Winterlinden haben häufig Schäden durch Totholz oder abgestorbene Kronenteile. Das ist für den Laien nicht so offensichtlich, weil wir natürlich immer dabei sind, die Bäume zu pflegen und das Totholz zu entfernen. Wir vermuten da einen direkten Zusammenhang mit den starken Hitzewellen im Sommer und den Dürreperioden der letzten Jahre.

In Berlin hat der Bezirk Kreuberg-Friedrichshain die Bürger im April aufgrund der Trockenheit dazu aufgerufen, die Stadtbäume zu gießen. Jetzt soll es auch eine Aktion in Augsburg geben. Eine gute Idee?

Pro Baum brauchen sie etwa 100 bis 150 Liter Wasser. Das ist doch den Bürgern gar nicht zumutbar, soviel heranzuschleppen. Und dann auch noch Trinkwasser... Aber ich will das auch nicht verhindern. Wir müssen dann aber weiter nach unserem Plan gießen, weil wir ja auch nicht nachvollziehen können, wer wie viel gegossen hat.

Welche Bäume gießen Sie?

Die neu gepflanzten Bäume werden bis zu drei Standjahren konsequent und schon sehr zeitig im Frühjahr bewässert. Wir haben mittlerweile mehr Zeit eingeplant. Im letzten Jahr haben wir zum Teil auch am Wochenende gegossen.

Und die alten, großen Bäume?

Große Bäume kann man nicht einfach gießen. Die haben ihr Wurzeln nicht wie eine Mohrrüben, sondern die reichen links und rechts oft weit über die Krone hinaus. Diese Bäume helfen sich selbst, in dem sie in Sommern wie die letztem zum Beispiel die Blätter einrollen oder abwerfen.

Wenn der Spitzahorn und die Winterlinde sich mit Hitze und Dürre besonders schwer tun, wird es da künftig ganz andere Stadtbäume geben?

Davon gehe ich aus. Wir bauen ja jetzt schon um und testen andere Baumarten, die das Stadtklima gut vertragen. Feldahorn, Hainbuche und Silber-Linde gehören zum Beispiel zu diesen Baumarten, aber auch seltener gepflanzte Bäume wie Ginkgo und Amberbaum. Ob diese Bäume gegenüber den traditionell gepflanzten Arten tatsächlich gesünder und vitaler gedeihen, können wir noch nicht beurteilen. Das wird sich erst in einigen Jahren herausstellen.

Die Diskussion ist geschlossen.

19.06.2019

Reigerung und Behörden sind die lange Hand, genauer gesagt die gewählte Vertretung der Bürger.
So schreibt es unser GG.

Wenn nun eine Behörde versagt und die Bürger einschreiten, dann ist das nach dieser Logik ein sehr zu begrüßender Akt.

Ich würde sogar noch weiter gehen und die Bürger, die sich an Stelle der Behörden um das Grün kümmern, für ihren Aufwand entschädigen.

Das wäre wohl eine Win Win Situation, da sicherlich der Einsatz der städtischen Mitarbeiter teurer zu stehen kommt als ein kleiner Obolus an Helfer.

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