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Schule im Blick

18.02.2021

Homeschooling: Wie Zeyneps Kinderzimmer zum Klassenzimmer wird

Die zehnjährige Zeynep Turan nimmt via Laptop an den Konferenzen mit ihrer Klasse teil.
Foto: Sophia Huber

Plus Die zehnjährige Zeynep, Viertklässlerin an der Kerschensteiner-Schule in Augsburg, kommt gut mit dem Fernunterricht klar. Doch das Pausenklingeln und die Freunde fehlen ihr.

Es gab Zeiten, in denen dachte man beim Wort "Maske" nicht automatisch an den Mund-Nasen-Schutz aus der Apotheke oder der Drogerie, sondern an Fasching. An diese Zeiten knüpft am Dienstag der Online-Unterricht in der Ganztagsklasse 4a der Kerschensteiner-Schule im Augsburger Hochfeld an. Einige Mädchen und Jungen präsentieren stolz ihre Kunstwerke, die sie zuhause gebastelt haben und die einen Hauch von venezianischem Karneval in die Kinder- und Wohnzimmer bringen. Lehrerin Kornelia Schnall, die den Unterricht von zuhause aus leitet, ist beeindruckt von den farbenfrohen Masken, die die Corona-Tristesse verdrängen. Die zehnjährige Zeynep hat sich von dem Video, das ihre Klasse als Anleitung für die heimische Kunst-Hausaufgabe bekam, zu einer besonderen Kreation inspirieren lassen. Ihre Maske zeige die Malerin Frida Kahlo, verrät sie.

Homeschooling: Wie Zeyneps Kinderzimmer zum Klassenzimmer wird
33 Bilder
Eindrücke aus der Kerschensteiner Grund- und Mittelschule während der Faschingsferien
Foto: Sophia Huber

Online-Unterricht in Augsburg: 17 Viertklässler in der Videokonferenz

Die Masken-Parade ist an diesem Vormittag freilich nur die Einstimmung zu einem ganz normalen Distanzunterrichts-Tag, der noch vor einem Jahr völlig unnormal gewesen wäre. Mittlerweile bewältigen die insgesamt 17 Viertklässler die Videokonferenzen so souverän, als wären sie Manager und ihre Lehrerin die Vorstandschefin einer großen Firma. Bloß, dass auf den Bildschirmen keine Millionen-Umsätze aufploppen, sondern Sätze, mit denen die Mädchen und Jungen die verschiedenen Zeitformen der Verben und ihre lateinischen Bezeichnungen üben. Als Fallstrick erweist sich für manche die erste Vergangenheit des Wortes "graben". Zeynep hat "wir gruben" geschrieben und damit die Aufgabe richtig gelöst. "Ich habe es mit dem Wörterbuch gemacht, das hat mir sehr geholfen", verrät das Mädchen. Ansonsten komme sie mit den Zeiten und den lateinischen Wörtern gut klar.

Auch mit dem kleinen rosafarbenen Laptop, den ihr die Mama fürs Homeschooling geschenkt hat, geht Zeynep mittlerweile routiniert um. Dabei habe sie sich mit der Tastatur anfangs schon etwas schwer getan. Als wir das Mädchen am Dienstagnachmittag zuhause besuchen, ist die Schule für den Tag geschafft. "Die Hausaufgaben in Deutsch sind fertig", sagt das aufgeweckte Mädchen. Mit dem Lernen daheim habe sie auch keine Probleme. Sie würde nur in der Früh gerne etwas länger schlafen.

Zeynep liest sie gerne Bücher über Planeten und das Universum - sie will Astronautin werden.
Foto: Sophia Huber

Mutter Nil Turan achtet aber darauf, dass Zeynep morgens rechtzeitig aufsteht, auch wenn der Distanzunterricht erst um 9 Uhr beginnt. Meist wählt sich die Zehnjährige schon früher in die Konferenz ein, in der Hoffnung, mit ihrer Lehrerin oder ihren Mitschülern ein wenig plaudern zu können. Denn die Viertklässlerin hatte in den vergangenen Monaten noch um einiges weniger direkten Kontakt zu ihrer Klasse, weil sie im Herbst noch vor dem Lockdown wegen Corona länger in Quarantäne war.

Von Omas Katzen lässt sich Zeynep gerne ablenken

Wenn beide Eltern wegen ihrer Arbeit am Vormittag nicht zuhause sein können, bringt die Mutter Zeynep und ihre kleine Schwester zur Oma, damit die Zehnjährige beim Heimunterricht nicht alleine ist. Praktisch auch, dass dort die studierende Tante meistens in der Nähe ist, wenn sie ein paar Fragen hat. Und wie schön, dass Omas Katzen ihr beim Lernen um die Beine streichen - auch wenn sie sich von den beiden Miezen manchmal ablenken lasse, wie die Schülerin zugibt.

In ihrem Kinderzimmer, das in rosa und grau gestrichen ist, gibt es keine tierischen Störungen. Dafür etliche Bilder und Tonfiguren, die die künstlerische Ader der Zehnjährigen belegen - und ein Bild vom Mond. "Ich will einmal Astronautin werden und zum Mond oder Mars fahren", sagt Zeynep, als ob diese Berufswahl das Selbstverständlichste der Welt sei. Zunächst aber geht es auch in diesem Ausnahme-Schuljahr um die Frage, wie es nach der vierten Klasse weitergeht. Nil Turan geht von einem Übertritt auf die Realschule aus. Zeynep habe trotz Corona und trotz des langen Fernunterrichts viel gelernt, hat sie den Eindruck.

Nicht nur die Mutter ist froh, wenn ihre Tochter ab nächster Woche zumindest zeitweise wieder an die Kerschensteiner-Schule darf. Auf zwei Dinge freut sich Zeynep dann ganz besonders: "Aufs Pausenklingeln und aufs Spielen mit meinen Freunden".

Wir begleiten die Kerschensteiner-Schule durch diese Schulwoche, die eigentlich eine Ferienwoche gewesen wäre. Am Donnerstag erzählt eine Mutter, wie sich das Familienleben in der Zeit des Homeschooling gestaltet.

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