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Stefan Barcsay

08.07.2013

Huldigung an die Einfachheit

Der Gitarrist präsentierte sein Projekt „Children’s Corner“

Claude Debussy gab den Titel vor mit Kinderszenen für Klavier. „Children’s Corner“ heißt auch Stefan Barcsays neues Projekt. Der Gitarrist stellte es in der Leonhardskapelle vor. Adressat des Benefizkonzerts war nicht nur das Publikum, sondern auch der „Bunte Kreis“, der schwer kranke Kinder und ihre Familien unterstützt. Mit vier fünfteiligen Zyklen zeitgenössischer Komponisten war der Spielraum abgesteckt. Die „Kinder-Ecke“ stellte sich aber nicht als musikalisch unerhebliche Krabbelgruppe dar, vielmehr als kunstvolle Huldigung an die Einfachheit.

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Miniaturen wie Tagträume oder Schrecksekunden

Von dem Komponisten und Gitarristen Alois Bröder (*1961), Spezialist für sein Instrument, auch mit großen Bühnenwerken erfolgreich, hörte man zwei Mini-Zyklen, jeweils „Fünf Verse“ genannt. Die erstensind„Hedwig / Liese / Maria / Grete“ – und „Jesus“ zugeeignet. Sprecher rezitierten die knappen Zeilen, eine Mischung aus Kinderreim von der Straße und der Skurrilität Christian Morgensterns. Barcsay verlieh den wie im japanischen Haiku komprimierten Stimmungen und Klangwölkchen subtile musikalische Struktur – Momente, Entdeckungen, Sinnesreize, Tagträume, Schrecksekunden.

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Bröders zweite „Fünf Verse“ sind Barcsay selbst gewidmet: „die Knaben / der Wasserfall / der Baum / die Kirschen / das Röckchen“ haben den Saiten eine Spur mehr Bewegung, mehr spielerische „action“ zugeteilt, in Gestalt von sanft gleitenden Läufen, balladesken Ansätzen, bis zum Schluss, wo es heißt „...hängst du dein Röckchen auf, häng ich mein Jäckchen auf“.

Ulrich Schultheiss (*1956), Theorieprofessor in Detmold, komponiert nicht theoretisch grau. Seine „bubbles“, also Seifenblasen von „Monolog / „Ätsch! / Langweilig? / Wippen“ bis „...mag ich nicht!“ schillern in allen Farben. Die poetische Spannweite reicht von hingetupften Klangpunkten, kokett choreografierten Tanzsplittern bis zur schwingenden Arabeske. Mit Enjott Schneider (*1950), bekannt vor allem durch seine Filmmusik, verbindet Barcsay ein freundschaftliches Verhältnis. Er brachte „Vom Kindsein“ zur Uraufführung. Schneider bindet die Stationen „verzaubert / verstört / verloren / verliebt ...endlich erwachsen“ zum kunstvoll gewirkten Bogen. Er – und sein Interpret – spielt virtuos mit Anmutungen von Tanz, Romanze und Ironie, wenn sich das „Erwachsenwerden“ nach den träumerischen Phasen durch marschartiges Schreiten andeutet.

Zum Schluss spielte Barcsay „Toccatinalego“ des Augsburgers Dominik Uhrmacher (*1967). Die kleine „Toccata“, aufgestellt durch musikalische „Lego“-Teile, zeichnet sich durch unorthodoxe Motorik, Geräusche wie Glissandi durch Saitenverstimmung, auch melodische Verläufe aus. Stefan Barcsay will „Children’s Corner“ als CD herausbringen.

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