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Augsburg

17.01.2019

Hund Basti hilft Kindern beim Lesenlernen

Mit seinem roten Halstuch sieht Basti nach Ansicht seines Frauchens Martina Kein einfach niedlich aus. Der Hund, der seinen drei Schützlingen Chiara, Yakub und Luca (v. li.) aufmerksam zuhört, liebt außerdem die Nähe zu Menschen und mag Kinder. An Lärm stört er sich nicht.
Bild: Michael Hochgemuth

Der Hund von Bibliothekarin Martina Kein macht regelmäßig Dienst in der Blücherstraße 1. Davon profitieren die Mädchen und Buben der Luitpoldschule.

Auch an diesem Dienstagmittag ist Basti im Dienste der Lesekompetenz im Einsatz. Luca, Yakup und Chiara haben die Reihenfolge festgelegt, in der sie dem Hund von Büchereileiterin Martina Kein aus ihren ausgewählten Büchern vorlesen werden. Ihr Retriever-Sennen-Mix rollt sich auf einer Decke zu ihren Füßen zusammen und lässt sich zuerst von Dackel Wuff auf heißer Spur, dann von „Einmal um die ganze Welt“ und schließlich von einem Tag beim Tierarzt erzählen. Nach jeder Geschichte wird Basti mit Leckerli belohnt, die er sich im Spurt nach jedem Vortrag abholen darf. Doch nach einer guten Stunde ist er redlich erschöpft und die Augen beginnen ihm zuzufallen. Der Kooperationsvertrag zwischen Luitpold-Grundschule und Stadtteilbücherei Lechhausen ist auch für ihn eine wahre Herausforderung.

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In einem Schulheft mit den Namen seiner acht- und neunjährigen Schützlinge vermerkt Basti, was ihm aufgefallen ist. So etwa: „Lieber Yakub, es war witzig, aber lies doch bitte etwas langsamer, sonst verstehe ich dich nicht. Wuff!“ Vorleserin Chiara bekommt von ihm folgenden Tipp; „Liebe Chiara, du hast toll vorgelesen!“ Spannend sei es auch gewesen, teilt er ihr zudem mit, nicht wissend, warum er dann eingeschlafen sei. Dennoch stempelt er ihr Heft mit drei Hunden, was drei Sternen entspricht. Luca hat sich in Schale geschmissen, trägt Anzug und Fliege. Hin und wieder fragt Martina Kein nach und übersetzt das Verhalten von Basti, wenn der etwas nicht verstanden haben soll. Denn das Textverständnis zu fördern, ist Bestandteil dessen, was erreicht werden soll. Aus Erfahrung können Lehrkräfte sagen, dass Schüler häufig die Buchstaben flüssig über die Lippen bringen, den Zusammenhang der einzelnen Worte jedoch nicht herstellen können, weil ihnen die Bedeutung fremd ist.

Helfen ohne Kommentar und Korrektur

Das pädagogische Konzept der Leseförderung durch einen Lesehund stammt aus Amerika. Es handelt sich laut Martina Kein um ein sogenanntes Lautleseverfahren, bei dem Kinder ganz entspannt auf einer Decke sitzen. Hund und Hundeführer an ihrer Seite hören einfach nur zu. Um Leistungsdruck erst gar nicht aufkommen zu lassen, kommentieren und korrigieren sie nicht. Nur manchmal wird ein einzelnes Wort thematisiert und beispielsweise gefragt, ob die Vorleser schon mal eine „Ölplattform“ gesehen hat.

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Rektor Helmut Micklitz von der Luitpoldschule und Martina Kein von der benachbarten Stadtteilbücherei in der Blücherstraße sind Vertragspartner für das Experiment, an dem in jedem Schuljahr drei ausgewählte Schüler teilnehmen. Der geschlossene Vertrag gilt zunächst bis zur Fertigstellung des Neubaus der Schule, die derzeit generalsaniert wird. Jede Klasse soll mindestens einmal im Monat die Stadtteilbücherei besuchen dürfen.

Basti ist mit einem flotten roten Halstuch ausgestattet

Um zusammen mit Basti die Lesefreude und -motivation fundiert zu steigern, hat sich Martina Kein entsprechend vorbereitet und selbst unterrichten lassen. Basti bekam ein flottes rotes Halstuch mit seinem Namen drauf, Martina Kein eine Unterweisung von Kimberly Grobholz vom Verein Tiere helfen Menschen.

Aber welche Voraussetzungen muss der Hund mitbringen, um seiner Aufgabe als Unterstützung beim Lesenlernen gerecht zu werden? „Der Hund muss fremde Menschen mögen und Nähe vertragen“, sagt Frauchen, „und er muss Manieren haben.“ Vor allem aber muss Basti Kinder vertragen, was durchaus nicht bei jedem Hund der Fall sei. Und auch Lärm dürfe ihn im Umgang mit Schülern nicht stören.

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