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13.11.2017

Idol, Freund, Gegner

Tennis Deutschlands bester Profi Alexander Zverev bekommt es beim Saisonfinale mit dem Besten aller Zeiten zu tun. Dem Schweizer Roger Federer hat er schon einiges abgeschaut

London Es war in der heißen Vorbereitungsphase auf die Tennis-Weltmeisterschaft, als Alexander Zverev auch mal wieder nach seinem Verhältnis zu Roger Federer gefragt wurde. Zverev dachte einen Moment nach, dann sagte er etwas zögerlich: „Ich glaube, wir haben uns zuletzt ein wenig angefreundet“, so Zverev, „wir mögen uns beide. Aber er ist für mich auch immer noch das große Idol. Der Größte überhaupt.“

Beim Laver Cup, einem viel beachteten Schaukampf, hatten Zverev und Federer Ende September in Prag in einer Mannschaft gestanden. Federer machte sich damals sogar gelegentlich einen Jux daraus, den Jüngeren zu coachen. „Verrückt“ sei das alles gewesen, sagt Zverev, „Federer als Trainer, der dir die Tipps ins Ohr flüstert.“

Nun ist der Spaß aber erst mal vorbei. Am Dienstagabend (21 Uhr) wird es ernst für Zverev und Federer, dann stehen sich der starke deutsche Debütant und der sechsmalige Champion dieses Saisonfinales in London gegenüber. Es ist ein Showdown zweier WM-Auftaktsieger, ein Duell aber auch zweier prägender Spielertypen dieses erstaunlichen Jahres 2017.

So, wie sie oft in den vergangenen Monaten auf den weltweiten Centre Courts auftraten, so erschienen sie auch beim WM-Start: Federer als zupackender Souverän beim Zwei-Satz-Sieg über den Amerikaner Jack Sock. Und Zverev gegen den Kroaten Cilic als Mann mit jugendlichem Sturm und Drang, als beeindruckender Fighter, der auch Widrigkeiten und Rückschläge auf dem Weg zum Happy-End wegstecken kann.

Oft erlebte der 20-jährige Hamburger ja 2017 noch bittere Lehrstunden, die er aber auch als Lektionen begriff. Als Aufforderung zum Besserwerden. Zverev, der glücklich-zufriedene 6:4, 3:6, 6:4-WM-Gewinner gegen Cilic, bringt auf den Punkt, was er sich stets abverlangt als Profi: „Wenn du nicht in jeder Sekunde 100 Prozent zeigst, wenn du nicht pausenlos an dir feilst und arbeitest, hast du in diesem Geschäft nichts zu suchen. Dann bist du verloren.“

Ein Satz, der auch von Federer stammen könnte, dem Maestro, der sich in all den Triumphjahren immer wieder neu erfand – und der stets darauf achtete, noch effizienter und zielführender zu trainieren, sein Spiel zu reformieren.

Auch noch etwas anderes verbindet den jungen Zverev mit dem 16 Jahre älteren Federer, dem Überspieler dieser Epoche, dem Besten vielleicht aller Zeiten: Ein Team von Helfern, Assistenten und Beratern, das alles tut, um stets die optimale Leistung des Chefs vorzubereiten und ihm geräuschlos assistieren. Woran viele gute bis sehr gute Spieler beharrlich in diesem Wanderzirkus scheitern, in der Vergangenheit auch diverse DTB-Profis, nämlich eine erstklassige Betreuercrew zu finden, hat Zverev bereits in der Startphase seiner vielversprechenden Karriere geschafft. Auch weil er genau hinschaute, was die bestimmenden Profis dieser Zeit, also Federer und Nadal, taten. „ Tennis heute, das funktioniert nur in einem perfekt eingespielten Team“, sagt Zverev. „Nur so kannst du diese gewaltigen Herausforderungen meistern.“

Sicher: Vater Alexander Zverev senior und Mutter Irina sind weiter die Leitsterne im Universum des Shootingstars, aber eine reine Familienangelegenheit ist das Tennis-Unternehmen längst nicht mehr. Der englische Fitnesstrainer Jez Greene, eine Autorität in der Branche, macht Zverev schon seit Jahren schnelle Beine. Der renommierte Physiotherapeut Hugo Gravil hilft, die Tourstrapazen besser wegzustecken. Und seit dieser Saison hat auch der ehemalige Weltranglistenerste Juan Carlos Ferrero ein konzentriertes Auge auf Zverev, als Trainer und leitender Angestellter der Firma Zverev.

Das Team Zverev muss sich vor niemandem in der Szene verstecken, es bietet dem jungen Boss gleichzeitig aber auch so etwas wie eine Ersatzfamilie auf Reisen. „Mit der Truppe kommt eigentlich nie wirklich Heimweh auf. Ich habe noch Spaß an diesem Nomadenleben“, sagt Zverev.

Zweimal trafen sich er und Federer 2017 auf ihren Reisen. Bei den Gerry Weber Open kassierte Zverev eine herbe Endspiel-Pleite, aber symptomatisch für das Jahr des Immer-wieder-Aufrappelns war dann der zweite Vergleich im Sommer. Den entschied nämlich im Masters-Finale von Montreal der 20-Jährige für sich. Es war auch eine entscheidende Wegmarke zur frühen WM-Qualifikation.

Die Anfangsnervosität, das Lampenfieber bei der WM-Premiere hat der Hamburger nun als Sieger verscheucht, gegen Federer will er jetzt zum großen Schlag ausholen: „Ein Sieg gegen ihn, auf dieser großen Bühne, das wäre ein Traum.“

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