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Augsburg

23.11.2018

Ihr Leben dreht sich um den Christkindlesmarkt

Bei Eveline Haltmayr dreht sich das ganze Jahr alles um ihre Nikolaus-Schänke auf dem Christkindlesmarkt. Unterstützung bekommt die 69-Jährige von ihrem Sohn Wolfgang und weiteren Familienmitgliedern und Mitarbeitern.
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Bei Eveline Haltmayr dreht sich das ganze Jahr alles um ihre Nikolaus-Schänke auf dem Christkindlesmarkt. Unterstützung bekommt die 69-Jährige von ihrem Sohn Wolfgang und weiteren Familienmitgliedern und Mitarbeitern.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Eveline Haltmayr ist seit knapp 50 Jahren mit einem Stand auf dem Rathausplatz vertreten. Dort hat sich viel verändert. Aufhören will die 69-Jährige aber noch lange nicht.

Für viele Bürger ist der Augsburger Christkindlesmarkt ein Höhepunkt am Ende des Jahres. Ein Ort, an dem man sich im Advent mit Familie und Freunden in weihnachtlicher Atmosphäre treffen kann. Für Eveline Haltmayr ist der Christkindlesmarkt ihr „ganzes Leben“. Seit bald 50 Jahren ist die 69-Jährige mit einem Stand auf dem Markt vertreten. Ohne ihn, könne sie sich ihr Leben gar nicht mehr vorstellen, sagt sie – zu sehr sind inzwischen die alljährlichen Vorbereitungen für den Markt mit ihrem eigenem Lebensrhythmus verwoben.

Im März geht es los: Dann werden die Tassen für ihre Heißgetränke bestellt. Außerdem muss die Bewerbung, die jedes Jahr aufs Neue im Städtischen Marktamt eingereicht werden muss, vorbereitet werden. Im Sommer geht es dann nach Oberkirch im Schwarzwald. Dort wird das Obst für ihre Getränke gekauft. Diese Tradition geht auf ihren Vater Alfons Peter zurück. Er stammt aus der Badener Weingegend. Im Krieg lernte er seine später Frau Anna kennen, eine Augsburgerin. Ihr folgte er 1945. Der gelernte Küfer fertigte selber Weinfässer und Bottiche. Im Bärenkeller eröffnete er seine eigene Obstkellerei. Auf dem Christkindlesmarkt wollte er seinen Produkte anbieten: selbstgekelterte Obstweine und -säfte. Doch seine Bewerbungen für den Christkindlesmarkt wurden stets abgelehnt. Als sich Tochter Eveline mit ihrem ersten Mann Ernst Haltmayr ebenfalls, um einen Stand für die Familie bemühten, gab es den lang ersehnten Zuschlag.

Früher gab es keine Heizung

Mit 21 Jahren stand sie erstmals in ihrem Stand. Drei Meter war er lang. Es gab drei Getränke: Glühwein, Heidelbeerglühwein und Kinderpunsch, die noch im Pappbecher ausgeschenkt wurden. „Kalt war es“, erinnert sie sich. Denn vor 50 Jahren gab es noch keine Heizvorrichtungen, die die Mitarbeiter hätten wärmen können. Unter dem strengen Blicken ihres Vaters wurden Glühwein und Punsch zubereitet. „Jeweils zehn Liter wurden in schweren Töpfen gekocht, die dann zum Warmhalten in Kanister geschüttet wurde. Das war eine knochenharte Arbeit.“

Mit den Jahren änderte sich einiges: Vor über 20 Jahren wurden Tassen eingeführt. „Damals hatten wir aber keine Wasserleitung in unseren Ständen und konnten die Tassen nicht spülen.“ Deshalb ging es am Abend mehrmals mit einem Schubkarren voller Trinkgefäße zur Sammelstelle. „Gerade beim Engelesspiel gabe es kein Durchkommen mehr “, erinnert sie sich. Der Stand, der von jeher mit dem Rücken zum Rathaus beheimatet ist, wurde auf sechs Meter vergrößert. Er bekam seinen eigenen Wasseranschluss und Spülmaschine.

Seit 23 Jahren führt Eveline Haltmayr den Stand. „Mein Vater hat ihn an mich übergeben. Er war aber selber noch, bis er 88 Jahre alt war, jeden Tag dabei.“ Er brachte ihr alles von der Pike auf bei. Auch heute fährt sie fünfmal im Jahr nach Oberkirch in den Schwarzwald und kauft jeweils eine Tonne Früchte. Die mostet sie an der Maschine ihres Vaters selber, um die gewonnenen Säfte auf dem Christkindlesmarkt zu verkaufen.

Dabei erhielt sie 28 Jahre tatkräftige Unterstützung von ihrem Lebensgefährten Klaus Mainka. Er stand ihr stets zur Seite – er gestaltete die Tassen, erfand neue Getränke, kochte täglich für sie und die Mitarbeiter. „Heutzutage muss man sich immer etwas neues einfallen lassen. Man muss mit der Zeit gehen und nicht stehen bleiben“, weiß sie.

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So sah der Augsburger Christkindlesmarkt früher aus

Apfelsaft mit Amaretto kombiniert

Hatte ihr Vater einen Kirschglühwein und einen Weihnachtspunsch aus Apfel- und Johannisbeersaft auf den Markt gebracht, hat sich die Palette heute enorm erweitert. Jeder steuert eine neues Rezept bei. Gab es früher den Apfelpunsch in Kombination mit einem Obstler, probierte sie den heißen Apfelsaft einmal mit Amaretto aus und entwickelte so eine neues Lieblingsgetränk ihrer Kunden. Klaus Mainka gelang ebenfalls ein Renner mit der Kombination aus Apfel- und Birnensaft. Ihre treuteste Mitarbeiterin Renate Rennig hat nun ebenfalls eine Mischung für ihr Repertoire beigesteuert. „Das war eigentlich ein Unfall. Sie hat im vergangenen Jahr aus Versehen einen Aperol in eine Apfelpunsch getan, den wir so gar nicht im Programm hatten“, erzählt Eveline Haltmayr. Verkauft wurde er nicht, aber Renate Rennig und sie probierten das damals verunglückte Getränk und waren so begeistert, dass es in diesem Jahr dabei ist.

Seit 11. November werkelt sie schon wieder fleißig in ihrer Nikolaus-Schänke. Ihr Sohn Wolfgang Haltmayr ist stets an ihrer Seite und unterstützt sie genauso tatkräftig, wie Tochter Cornelia Strack und Enkelin Jessica Rottmair mit ihrem Mann Andreas. Ihr Lebensgefährte Klaus Mainka ist vor zwei Jahren gestorben und hat eine große Lücke hinterlassen. Aber gemeinsam mit ihrer Familie und lieb gewonnenen Mitarbeitern wird sie auch diesen Christkindlesmarkt stemmen. Sie freut sich auf die kommenden Wochen, auch wenn der Advent, wie jedes Jahr für sie ausfallen wird.

Gemeinsames Abendessen an Heiligabend

„Ich gehe morgens in den Stand und gehe abends wieder raus“, erzählt sie. Aber die Arbeit mit ihrem Team und die Gespräche mit ihren Kunden machen das alles wieder wett. An Heiligabend steht sie noch bis 14 Uhr in ihrer Nikolaus-Schänke. Am Abend versammelt sich dann die Familie bei ihr, und alle können erstmals in der Weihnachtszeit ein gemeinsames Essen in Ruhe verbringen. Diese währt nicht lange: Nach den Feiertagen beginnt der Abbau, bevor Eveline Haltmayr dann im Januar tatsächlich einmal durchschnaufen kann. Zumindest bis März – denn dann geht es schon wieder von vorne los. Ans Aufhören denke sie jedenfalls noch lange nicht.

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