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Wohnen der Zukunft

12.05.2016

Im Container leben - geht das?

Im Container leben - geht das?
Bild: Mbk

Container galten lange als Baracken – für Saisonarbeiter, zur Not für Studenten, aktuell für Flüchtlinge. Ein neuer Trend aber zeigt: Sie liefern ein Modell für das Wohnen der Zukunft.

In anderen Ländern ist das nicht so: Für seine Container-Studentenstadt ist vor allem Amsterdam bekannt. Sie ist mit 1000 Containern die größte auf der Welt. Fast eineinhalb Jahre müssen interessierte Studierende für einen Container warten. Der misst dort 23 Quadratmeter und kostet rund 450 Euro im Monat.

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Der Wohncontainer bekommt viel Gegenwind. Dennoch hat er nicht nur bei den Studenten einen Imagewandel durchlaufen. Containerproduzenten setzen mittlerweile jedoch nicht mehr unbedingt auf das Umrüsten alter Frachtcontainer. Firmen wie Conhouse fertigen die Wohnelemente neu an. Bei Conhouse sind sie aus Stahl. Die Wände bestehen aus zwei dünnen Schichten mit Dämmung in der Mitte. Und dennoch behalten die Gebäude oft die bewährte Container-Größe. Denn genau das kennzeichnet den vielleicht wichtigsten Vorteil des Wohnens auf kleinem Raum: Jeder Eigentürmer kann sein Haus mitnehmen. Überall hin.

Wer hat nicht schon einmal die Lust verspürt, alle Sachen zusammenzupacken, aufs Auto zu laden und in ein neues Leben zu fahren?

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In den USA ist das Umziehen mit Haus schon seit langem gängige Praxis. Die Berufswelt erfordert auch in Deutschland immer mehr Flexibilität. Was liegt da näher, als einfach mal mit Haus umzuziehen? Der Frachtcontainer ist mit seinen knapp 14 oder 28 Quadratmetern das einzige Modul, das es in Massen weltweit in gleichen Abmessungen gibt. Ungefähr in dieser Größe gehalten, passt das Eigenheim – auseinandergenommen in seine einzelnen Module – problemlos auf einen Lkw. Für einen Transport können die Module einfach auseinandergeschraubt werden. Vorher muss nur schlau geplant werden: „Die Badewanne sollte nicht genau auf die Zwischenwand zweier Module gemauert sein – das wäre ungeschickt“, sagt Dussl von Conhouse.

Mittlerweile kann der Bauherr seine Container-Elemente sogar in schwer erreichbare Gebiete, zum Beispiel an Berghänge, mit dem Hubschrauber fliegen lassen. Wer kann ehrlich von sich behaupten, dass er nicht fasziniert wäre, wenn das eigene Haus angeflogen kommt? Und das sieht nicht mehr aus wie ein langweiliger Klotz, sondern wird komplett fertig auf die Wiese gestellt. Genauso wie der Käufer es sich vorher ausgesucht hat: als persönliches Ideal-Eigenheim. Mehrere Stockwerke übereinander, Eckformen, ein Container schräg auf den unteren gesetzt oder hochkant gestellt – der Kreativität sind beinahe keine Grenzen gesetzt. Ebenso individuell wird das eingebaute Material ausgesucht.

Container als flexibles und bequemes Luxus-Eigenheim

Das hübsche Eckhaus steht leicht erhöht an einem Teich. Abgeschliffene Holzdielen bedecken den Boden der großen Terrasse. Innen ist es modern und kreativ eingerichtet: Marmorfliesen im Bad, in den anderen Räumen liegt Parkett. Über eine Treppe geht es in den ersten Stock, hier hängen bunte Drucke an der Wand. Die bodentiefen Fenster lassen die letzten Strahlen der Abendsonne hinein.

Dieses Containerhaus steht auf dem Grundstück eines Einfamilienhauses, das für die ältere Dame zu groß geworden ist. Was liegt also näher, als das Haus den Kindern zu überlassen und selber in eine kleinere Bleibe zu ziehen? „Viele Leute beauftragen uns, weil sie nicht oder nicht mehr so viel Platz brauchen“, sagt Peter Dussl von der Firma Conhouse. Ihnen reichten 70 Quadratmeter. Also eine Wohnung – aber als eigenes Haus. Und wenn ein Umzug ansteht, nehmen sie das Gebäude einfach mit.

Alles so einfach? Naja. Eine Schwierigkeit können Baugenehmigungen darstellen. „Je nach Region gelten andere Richtlinien, etwa um ein einheitliches Stadtbild zu erhalten“, sagt Bernd Düsterdiek vom Städte- und Gemeindebund. Das bestätigt Dussl: „Wenn ein Bauamt am Aussehen festhält, wird es schwieriger.“ Schwieriger heißt in dem Fall schlicht teurer. Denn ein vorgeschriebenes Satteldach lässt sich zum Beispiel problemlos oben drauf montieren, „es ist dort aber nur teure Deko“. Das Modulhaus gibt es in jeder Preisklasse – alles eine Frage der Ausstattung.

Ein durchschnittliches Modulhaus sei aber 30 Prozent billiger als ein Massivhaus, sagt Dussl. Der Preis variiere vor allem durch die Kosten der Bodenbeläge. „Mit allem Drum und Dran – Ausstattung, Lieferung, Montage – kann man sagen, dass ein Modulhaus etwa 1000 Euro pro Quadratmeter kostet.“ Für ein Haus mit 100 Quadratmetern sind das also 100000 Euro. Und das spricht sich rum. Über fehlende Aufträge könne Conhouse sich nicht beschweren, sagt Dussl. Das Leben in einem Container sei nicht zuletzt wegen der Wohnungssuche für Asylbewerber bekannter geworden.

Der Container, den früher jeder als schmutzige, stickige Baubaracke bezeichnet hätte, entwickelt sich in der Wahrnehmung immer stärker zum flexiblen und bequemen Luxus-Eigenheim.

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