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Augsburg

11.04.2019

Im Juli fällt die Entscheidung über das Weltkulturerbe

Die Wassertürme am Roten Tor wurden vor vielen Jahren saniert. Sie sind wesentlicher Bestandteil der Augsburger Welterbe-Bewerbung. Doch auch viele andere Orte zählen zu den Denkmälern, die den Titel bringen sollen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Seit mehr als sieben Jahren arbeitet Augsburg auf den Titel hin. In drei Monaten wird die Unesco in Aserbaidschan verkünden, ob sie ihn auch bekommt.

Jetzt wird es spannend: In einem Vierteljahr wird feststehen, ob Augsburg mit dem Thema Wasser den Titel Unesco-Welterbe bekommen wird oder nicht. Vom 30. Juni bis zum 10. Juli wird sich das Welterbe-Komitee der Weltkultur-Organisation Unesco in Baku (Aserbaidschan) treffen und dort seine Entscheidung bekannt geben.

Neben einer Zu- oder Absage ist auch möglich, dass die Stadt aufgefordert wird, ihre Bewerbung nochmals zu überarbeiten. Momentan gibt es 845 Welterbestätten – das Spektrum reicht von Touristenzielen wie Venedig oder Florenz über Holzkirchen in den Karpaten bis hin zu Steinkreisen in Gambia.

Weltkulturerbe: Vor sieben Jahren hat sich Augsburg um den Titel beworben

Sieben Jahre ist es inzwischen her, dass Augsburg sich auf den Weg machte, Weltkulturerbe zu werden. Vor etwa drei Jahren ging die Arbeit an der 750 Seiten dicken Bewerbungsschrift, die vor über einem Jahr in Paris abgegeben wurde, in die heiße Phase. Die Stadt erhofft sich von dem Titel mehr Bekanntheit und Gäste von auswärts. Es gehe aber auch darum, Wasser als roten Faden in der Augsburger Stadtgeschichte darzustellen. „Das Thema betrifft jeden, es interessiert jeden, und jeder kann etwas dazu erzählen, egal welchen Hintergrund er hat“, sagt Ulrich Müllegger, der bei der Stadt die Unesco-Bewerbung koordiniert.

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Der zentrale Inhalt der Bewerbung ist, dass Augsburgs Umgang mit dem Wasser in der Geschichte beispielhaft war. Die Bewerbung reicht von den historischen Wassertürmen am Roten Tor über die Lechkanäle und diverse Kraftwerke bis hin zum Hochablass mit der Kanustrecke. Auch die Prachtbrunnen in der Innenstadt sind Bestandteil der Bewerbung. All das müsste im Zusammenhang der Welterbe-Bewerbung weiterhin gut in Schuss gehalten werden, wobei ein Teil der betreffenden Bauten ohnehin unter Denkmalschutz steht. Veränderungen wären insgesamt aber problematischer.

Dem Kölner Dom drohte vor mehr als zehn Jahren die Aberkennung des Titels, weil die Stadt zu viele hohe Gebäude in der Nähe genehmigen wollte. Und auch in Augsburg hat die Bewerbung schon Folgen: Der Bau einer Fischtreppe am Hochablass durch die Stadtwerke wurde auf Eis gelegt, weil erst geprüft werden muss, ob dadurch das Gesamtbild verändert wird.

Das verzweigte Kanalsystem in Augsburg – hier ein Bild vom Brunnenmeisterhaus am Roten Tor – machte Augsburgs Wasserversorgung einst weltweit einzigartig. Mit der historischen Wasserversorgung bewirbt sich die Stadt nun bei der Unesco um den Welterbe-Titel. Die Chancen, sagen Experten, stehen gut.
Bild: Anne Wall

„Der Schutz, der wirtschaftliche und schonende Umgang mit der Ressource Wasser und die durch Architektur, Kunst und Publizistik artikulierte Wertschätzung des Wassers geben Augsburg eine globale Vorbildfunktion“, heißt es in der Bewerbung an die Unesco. Hätte Augsburg nicht seine 800 Jahre währende Tradition der Trinkwassergewinnung aus dem Stadtwald, wäre es alles andere als sicher, dass es auch heute Trinkwasser in dieser Qualität aus dem großen Schutzgebiet gäbe, sagt Müllegger.

Sollte Augsburg Welterbe werden, müsste ein Besucherzentrum eingerichtet werden. Andere Städte haben große Komplexe errichtet, die ganze Busladungen an Touristen aufnehmen können. Auch für Augsburg wird so etwas diskutiert – ein möglicher Ort ist an der Sportanlage Süd. Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, wie gut ein solches Zentrum dort aufgehoben wäre, wenn sich viele Sehenswürdigkeiten auf die Innenstadt konzentrieren. Ausdiskutiert ist die Frage nicht, weil das Wichtigste, nämlich der Zuschlag zum Welterbetitel, ja noch fehlt.

Augsburg will einen Info-Point zur Unesco-Bewerbung einrichten

Gleichwohl will die Stadt in einem ersten Schritt im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes am Rathausplatz einen sogenannten Info-Point zur Unesco-Bewerbung einrichten. Der Raum, in dem die Stadtsparkasse vor der Verkleinerung ihrer Filiale residierte, soll als Anlaufstelle für Gäste und Einheimische beim Thema Wasser dienen.

Geplant sind dort ein elektronischer Info-Tisch und als Blickfang eine große Edelstahlplatte, auf der Lichtreflexe Wasser simulieren sollen. Die Kosten liegen bei rund 700.000 Euro, wobei der Großteil der Kosten aufgrund einer baulichen Sanierung so oder so anfallen würde. Im September könnten die Bauarbeiten beginnen, kommendes Jahr wären sie abgeschlossen.

Ob gebaut wird, dürfte aber davon abhängen, wie das Urteil des Welterbekomitees ausfällt. Neben einer Aufnahme auf die Kulturerbe-Liste oder einer Absage ist denkbar, dass die Stadt aufgefordert wird, an ihrer Bewerbung nochmals Teile zu ändern. Die Bewerbung Naumburgs beispielsweise war erst im dritten Anlauf erfolgreich.

Auch die Kanäle unter dem Lechviertel sind Teil der Kulturerbe-Bewerbung.
Bild: Silvio Wyszengrad

In jedem Fall, sagt Müllegger, habe allein der Bewerbungsprozess (die Kosten inklusive der Wasser-Ausstellung im Maximilianmuseum vergangenes Jahr lagen bei 1,3 Millionen Euro) in Augsburg schon einiges verändert. Das Thema Wasser sei viel stärker im Bewusstsein. Vortragsreihen und Veranstaltungen rund ums Wasser wurden ins Leben gerufen. Auch die Sanierung von Bäcker- und Spitalgasse nahm im Zuge der Welterbe-Bewerbung an Fahrt auf.

Zuletzt bekam Augsburg den Titel „Blue Community“ verliehen. Teilnehmende Kommunen verpflichten sich, die Wasserversorgung in öffentlicher Hand zu belassen. Zudem soll künftig mehr Leitungs- anstelle von Flaschenwasser getrunken werden.

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