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Lange Kunstnacht

23.06.2017

Im Namen der Freiheit

Freiheit in luftiger Höhe: Mit 50 Holzstangen arbeitet sich Julian Bellini bei dem Projekt „Heinz baut“ auf dem Elias-Holl-Platz in die Höhe.
Bild: Traberproduktion

200 Veranstaltungen an verschiedenen Orten in der Stadt erwarten die Besucher am Samstag. Das Motto steht in Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum, sucht aber auch Bezüge zum Heute

Frau Seidel, am Samstag findet die lange Kunstnacht mit rund 200 Veranstaltungen und fast 700 Künstlern an verschiedenen Orten in der Stadt statt. Wie viel Vorlauf benötigen Sie, um dieses Projekt zu organisieren?

Wir beginnen im Januar mit der konkreten Planung.

Wie finden Sie das Motto für die Kunstnacht?

Das Motto war in den letzten Jahren durch die historische Einbettung leicht zu finden – das passiert im Übrigen auch schon im Herbst. Dann streuen wir es unter den Künstlern und stricken ab Januar die Fäden zusammen.

Was heißt das genau?

Wir machen uns Gedanken darüber, was das Thema bedeuten könnte. Das Motto „Freiheit“ sehen wir im Hinblick auf das Reformationsjubiläum, aber auch, wie wir den Begriff heute interpretieren, welche Bereiche er umfasst. Das geben wir an die Künstler weiter. Vorrangig sind es Künstler aus Augsburg, denn die Lange Kunstnacht ist eine Plattform für die örtliche Szene. Und dann müssen wir die einzelnen Programmpunkte, die uns vorgeschlagen werden, noch miteinander abstimmen. Dabei können wir Programmideen vertiefen und Doppelungen vermeiden. Aber wir gehen auch selbst auf Künstler zu, damit die Lange Nacht eine Vielfalt an Kunstformen hat. In diesem Jahr haben wir initiiert, dass sich jemand der Reden des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der viel über die Freiheit gesprochen hat, annimmt. Wir wollen Akzente, die uns wichtig sind, im Programm wiederfinden.

Und was ist das beim Motto „Freiheit“ in diesem Jahr?

Uns war wichtig, dass man spüren kann, welcher Wert und Luxus Freiheit ist. Gerade wenn wir sehen, wie in unmittelbarer Nähe die Freiheit immer mehr verloren geht, sollte man verinnerlichen, welch ein Grundbedürfnis und welch wichtiger Bestandteil eines gelungenen Lebens die Freiheit ist. Und zwar nicht intellektuell, sondern sinnlich durch Musik und Poesie.

Besteht nicht die Gefahr, dass man bei einer so großen Zahl an Veranstaltungen, die man unter ein Motto zusammenfasst, vieles darauf hinbiegt, dass es passt. Etwa wenn eine Haydn-Symphonie aufgeführt wird, weil sie dessen erste Symphonie als „freier“ Komponist war, oder wenn die Forelle als Metapher für Freiheit gedeutet wird, um Schuberts Quintett zu spielen?

Wir stutzen auch oft, wie etwas interpretiert wird, aber wir stellen dann fest, dass die Künstler über große historische Expertise verfügen. Wer sich in die Musikgeschichte einliest, wird auf diese Deutung der Forelle stoßen. Und wer das romantische Gefühl für Freiheit kennt wird sehen, dass sie gar nicht so weit hergeholt ist. Was Haydn betriftt, hat es durchaus eine Bedeutung, dass sich jemand in einer Zeit, in der Musiker immer vom Hof bezahlt wurden, entschließt, nicht in Lohn und Brot zu stehen und sich zu Lehr- und Wanderjahren in Italien aufmacht. Aber ich gebe Ihnen recht: Unser Motto ist sehr weit gefasst und klingt manchmal auch nur an, aber durch das Motto bekommen die Kunstnächte einen roten Faden und das Programm wird weniger beliebig. Und dem Abend tut es keinen Abbruch, wenn man sich auch einmal vom Pfad entfernt.

Wird es auch um die Freiheit der Kunst gehen, denn auch das ist ja ein spannendes Thema und in heutiger Zeit durchaus aktuell?

Es gibt einen Anklang daran bei Matthias Klösels „Nipple Jesus“ im Kunstverein. Da geht es darum, wie sich ein Museumswärter mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzt und zu einer schockierenden Interpretation kommt.

Eine Abschlussperformance, wie es sie in den vergangenen Jahren immer auf dem Rathausplatz gab, ist heuer nicht im Programm.

Wegen des Gottesdienstes am Sonntag auf dem Rathausplatz war eine große Platzbespielung in diesem Jahr nicht möglich. Deshalb sind wir auf den Fronhof ausgewichen. Dort ist ein Stationentheater mit einem Lichterlabyrinth. Das geht über zweieinhalb Stunden und bietet ein intimeres Theatererlebnis.

Gibt es schon Überlegungen für das nächste Jahr?

Ja, denn nächstes Jahr wird die Bewerbung für das Unesco-Weltkulturerbe abgegeben und deshalb haben wir uns wieder für eine Lange Nacht des Wassers entschieden. Die gab es schon einmal, aber es war wirklich eine der schönsten Langen Nächte und auch die, die am besten bei den Besuchern angekommen ist.

Zwischen sechs- und zehntausend Besucher gab es in den vergangenen Jahren. Manchmal war es da der Fall, dass sich lange Schlangen vor den Locations bildeten und Besucher abgewiesen werden mussten. Wie gehen Sie mit dieser Unzufriedenheit um?

Das ist richtig. Deshalb ist es gut, wenn wir vom Besucherandrang eine goldene Mitte haben – also viele Menschen da sind, wir aber nicht überrannt werden, wie es bei der Langen Nacht des Lichts der Fall war. Zehntausend Besucher sind die Grenze.

Ein anderes Thema ist ja immer die Koordination, welche Aufführungen man bei der Kunstnacht besucht. Da werden Tabellen geschrieben und mit Textmarkern im Programmheft Favoriten angestrichen. Haben Sie einen Tipp, wie man möglichst viel sieht und trotzdem nicht in Stress gerät?

Treiben lassen, ist mein Tipp. Sich auf keinen Fall unter Druck setzen lassen, weil so viel geboten ist. Die Devise „höher, schneller weiter“ verstellt einem den Blick für den schönen Kunstgenuss.

Die Lange Nacht der Freiheit beginnt um 18 Uhr mit einem Konzert der Philharmoniker im Goldenen Saal. Dieses ist ausverkauft, sollten Plätze frei bleiben, werden sie kurz vor Beginn vergeben. Tickets für die Veranstaltungen zwischen 19 und 24 Uhr gibt es im Vorverkauf für 12 Euro in der Bürgerinfo am Rathausplatz, beim Theater, beim AZ-Kartenservice, im Thalia und den Museen. Abendkassen sind an den Veranstaltungsorten, diese Tickets kosten 14 Euro.

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