Augsburg

01.03.2018

Im Osten mehr Grünes

An die Aufdeckung des Siebenbrunnenbachs an der Steinernen Furt im Lechhauser Norden, an mehr begleitende Grünflächen sowie Bäume mit großen Kronen denken Birgit Kopp (links) und Astrid Hamm, die das Projekt „Stadtgrün wertschätzen“ im Augsburger Grünamt betreuen. 
Bild: Annette Zoepf

Insekten aus der Heide beim Dürren Ast im Univiertel können wieder wandern. Projekt des Amtes für Grünordnung.

Wenn der Asphalt im Sommer zu kochen beginnt, sorgen Gräser und Kräuter für Kühlung. Im Gewerbegebiet Lechhausen Nord könnten mehr grüne Flächen auch wirtschaftlich von Nutzen sein.

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Deutschland ist kein Vorreiter, Augsburg schon. Das sagt Astrid Hamm vom Projekt „Stadtgrün wertschätzen“. Die 55-Jährige ist selbstständige Baumkletterin und arbeitet seit Februar für die nächsten eineinhalb Jahre im Amt für Grünordnung. Sie hat einen schwedischen Uniabschluss für Urbane Forstwirtschaft und Stadtbegrünung, arbeitete lange in Schweden und Australien.

Städte experimentieren

Im Osten mehr Grünes

„Dort wie auch in Norwegen, England und Schottland hat man den Wert grüner Städte längst erkannt. Die Kommunen experimentieren mit Hausfassadenpflanzen, die nicht im Boden wurzeln müssen. Da ist Deutschland hinten dran“, berichtet Hamm. Augsburg allerdings sei eine der Pionierstädte in Sachen Natur in der Stadt.

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Potsdam wählte die Lechstadt jetzt neben Leipzig, Nürnberg und Karlsruhe für das Projekt „Stadtgrün wertschätzen“ aus. Seit 2016 wird erkundet, welche Auswirkungen der Klimawandel auf Leben und Arbeit in den Städten haben wird und wie sich das Bewusstsein in der Bevölkerung dafür schärfen lässt.

Dabei soll nicht nur die Ausweitung stadteigener Grünflächen im Fokus stehen. „Das wäre zu wenig“, sagt Birgit Kopp, Leiterin des Projekts beim Grünamt. „Das Projekt geht gezielt auf Unternehmen in den stark versiegelten Gewerbegebieten zu. Denn wenn die Mitarbeiter einer Firma nicht bei 35 Grad, sondern vielleicht wegen einer Begrünung rund ums Haus bei fünf Grad weniger arbeiten und sich in den Pausen im Schatten statt auf einem geteerten Parkplatz aufhalten können, bedeutet das nicht nur gesünderes Arbeiten, sondern auch höhere Leistungsfähigkeit.“

Umfeld aufgewertet

Zunächst soll es im Lechhauser Gewerbegebiet Nord grüner werden. Ideen für die funktionale und gestalterische Aufwertung der Betriebsgelände haben die beiden Fachfrauen zur Genüge. Für sie heißt es jetzt: Klinken putzen und die Unternehmen von den Vorteilen einer Begrünung, von mehr Biodiversität und Anpassung an die schon jetzt zunehmenden heißen Tage zu überzeugen. Sie denken an die Aufdeckung des Siebenbrunnenbachs, mehr begleitende Grünflächen und Bäume mit großen Kronen, außerdem an Dach- und Fassadenbegrünung. „Wir wollen keine aufwendige Wechselbepflanzung empfehlen, sondern pflegeleichte Wildflächen, in die möglichst wenig eingegriffen wird“, erklärt Hamm. Während sich auf dem heißen Asphalt im Sommer regelrechte Hitzeinseln bilden, könnten die Pflanzen für mehr Luftqualität und Luftzirkulation sorgen. Ein prominentes Beispiel für die Rückkehr der Natur in die Betonwüsten der Stadt ist der Mittelstreifen in der Rumplerstraße im Univiertel. Hier wird selten gemäht, und inzwischen können Karthäusernelke, Mauerpfeffer und verschiedene Insekten aus der Heide beim Dürren Ast Richtung Westen wandern. Sie vermehren sich robust und helfen so der biologischen Vielfalt wieder auf die Beine.

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