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Augsburger Geschichte

13.08.2020

In Augsburgs erstem Schnellrestaurant gab es Bier aus dem Automaten

Augsburgs erstes Schnellrestaurant eröffnete bereits 1905 in der Maximilianstraße - Höhepunkt war der Kaiser-Automat. Unser Foto zeigt einen Teil der Maxmilianstraße im Jahr 1939.
Bild: Sammlung Häußler

Plus 1905 eröffnete in der Maximilianstraße Augsburgs erstes Schnellrestaurant. Es war eine kuriose Sache - aber nicht das einzige seiner Art.

Es war ein seltsames Restaurant, das am 26. August 1905 in der Maximilianstraße 15 eröffnete: Vom Likör bis zur Limonade, von der Bouillon bis zum belegten Brötchen, alles in diesem Lokal kam gegen Münzeinwurf aus hoch technisierten Geräten. Das „Kaiser-Automat“ war damit vielleicht Augsburgs erstes Schnellrestaurant, vermutet Mario Felkl vom Augsburger Stadtarchiv.

Der "Kaiser-Automat" war nicht der einzige Automat in Augsburg

Lust auf ein Glas Bier? Im „Kaiser-Automat“ funktionierte der Ausschank laut der Beschreibung, die Felkl im Archiv ausgegraben hat, so: „Mit der Luftpumpe A wird die im Filter B gereinigte Luft, welche durch das Rohr H vom Hofe oder von der Straße eingeleitet wird, in den Kessel C gepumpt. Von hieraus tritt durch den Reductor D die Luft in das Fass E und drückt das Bier zum Automat F. Wird nun ein 10 Pfennig-Stück in den Automaten geworfen, so öffnet sich das Ventil J, lässt ein Glas Bier auslaufen und schließt sich dann wieder.“

Diese Pläne zeigen, wie die Geräte im „Kaiser-Automat“ funktionierten. Es eröffnet 1905 und war Augsburgs erstes Schnellrestaurant.
Bild: Felkl (Stadtarchiv)

Klingt kompliziert, war es wohl auch. Und doch entsprach die Nutzung von Verkaufsautomaten in der Gastronomie laut Felkl damals dem Zeitgeist. Ursprünglich hatte der Kölner Schokoladen-Produzent Ludwig Stollwerck (1857-1922) die Idee von einem Amerika-Aufenthalt mitgebracht. 1887 ließ er die ersten Münzautomaten aufstellen, das erste deutsche Automatenrestaurant eröffnete 1896 in Berlin. Von dort verbreitete sich das Geschäftsmodell in den Großstädten des deutschen Kaiserreichs.

Dass sich der Typus „Schnellrestaurant“ 1905 auch in Augsburg etablieren konnte, ist unter anderem dem Schirmfabrikanten Jacob Oberdorfer zu verdanken. Er vermietete einige Geschäftsräume zwischen Moritzplatz und Rathaus an den Elsässer Automaten-Unternehmer Ernst Berger. „Gut 40 Automaten, gestaltet im feinsten Jugendstil, boten nun kalte Speisen und eine Auswahl an Getränken“, weiß Felkl.

Die Augsburger Jugend nutzte die Automaten gern für einen Zweck

Dazu kamen Zigarren- und Zigarettenautomaten, ein Visitenkartenautomat, ein Postkartenautomat, eine automatische Personenwaage, ein Parfümautomat, ein selbstspielender Klavierautomat, ein „Wahrsager-Automat“ und ein „Mutoskop“, welches in der Art eines Daumenkinos kleine Filmvorführungen präsentierte.

Der klassische Kellner hatte bei Kaiser-Automat ausgedient. Im Lokal wurden dennoch etwa zehn Angestellte beschäftigt, die Speisen in der Küche zubereiteten, Automaten befüllten und für eine gewisse Grundhygiene sorgten. Trotzdem waren die Besucher häufiger als sonst auf sich allein gestellt. „In den Stoßzeiten machte sich die Augsburger Jugend dies zunutze, um verbotenerweise an den Likörautomaten zu zechen“, weiß Felkl.

Bei einem „Jahresabendschoppen mit Musik“ im März 1908 kam es im und vor dem Lokal bis in die Morgenstunden zu derartigen Ausschweifungen, dass sich der Geschäftsführer Karl Wanietscheck zu Warnschüssen aus seinem Revolver genötigt sah.

Mit dem Kaiserreich endete auch der Kaiser-Automat in Augsburg

Es war nicht das einzige Mal, dass das Kaiser-Automat mit Polizei und Behörden in Konflikt kam, geht es aus dem Archivmaterial hervor. Verstöße gegen die Hygieneverordnungen und eine schier endlose Debatte um die eigentlich untersagte Verabreichung warmer Speisen wie Gulasch oder Würstchen außerhalb des Automatenbetriebs füllen noch heute die verwahrten Akten des Stadtmagistrats.

Ende 1918 war das deutsche Kaiserreich Geschichte. Wenige Monate später gingen auch bei Kaiser-Automat die Lichter aus. Heute weist in der Maximilianstraße nichts mehr auf das Schnellrestaurant hin. An die Oberdorfers, die einstigen Vermieter, erinnern heute Stolpersteine. Mitglieder der Familie wurden nach 1933 als jüdische Mitbürger Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. (AZ)

Lesen Sie hier weitere Folgen der Serie Augsburger Geschichte.

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