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Prozess in Augsburg

25.09.2019

Islamist wollte Richter töten: Gericht verhängt zehn Jahre Haft

Haidar A., 26, – hier mit Anwalt Walter Rubach – ist zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Weil er wiederholt um sich spuckte, musste er eine Haube tragen.
Bild: Jörg Heinzle

Ein 26-jähriger Palästinenser wird wegen sechsfachen Mordversuchs verurteilt. Die Richterin wählt deutliche Worte, als sie das Urteil verkündet.

Er wollte während einer Gerichtsverhandlung in Augsburg einen Staatsanwalt und fünf Richter erschießen: Der 26-jährige Islamist Haidar A. ist am Mittwoch wegen sechsfachen Mordversuchs vor dem Augsburger Landgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Damit blieb das Gericht etwas unter der Strafe von zwölf Jahren drei Monaten, die Staatsanwalt Andreas Breitschaft beantragt hatte. Die Vorsitzende Richterin Sandra Mayer wählte deutliche Worte, als sie das Urteil verkündete. Es sei erstaunlich, wie ein junger Mann so in "Hass, Wut und blindem Zorn" gefangen sei. Haidar A. sei verfangen in "nahezu mittelalterlichen" Denkweisen. Das Gericht habe wenig Hoffnung, dass er sich zum Positiven entwickeln werde.

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Haidar A. hatte versucht, während einer Gerichtsverhandlung am Augsburger Landgericht im Sommer 2017 einem Polizisten die Waffe zu entreißen. Er war damals empört über die hohe Haftstrafe, die gegen ihn verhängt worden ist. Er hatte versucht, einen Mitbewohner einer Asylunterkunft in Hurlach (Kreis Landsberg) mit einem Messer zu enthaupten – weil der zuvor seine religiösen Gefühle verletzt hatte. Das Schwurgericht hatte ihn deshalb zu zwölf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Als er dieses Strafmaß hörte, rastete er aus. Er spuckte, warf einen Schuh in Richtung des Staatsanwalts – und griff im folgenden Gerangel mit Sicherheitskräften an das Pistolenholster des Polizisten.

Aus dem Gefängnis schrieb Haidar A. einen Hassbrief ans Gericht

In einem Brief an Verwandte schrieb Haidar A. später, dass er die „Hure Richterin“ und ihre Zuhälter – gemeint waren die weiteren Richter – töten wollte. Auch jetzt, vor Gericht, räumte der Angeklagte das ein. Er sagte auch, dass er mit dem Staatsanwalt begonnen hätte. Aus dem Gefängnis heraus hatte er einen Hassbrief an das Gericht geschrieben, in dem er blutige Rache an Deutschen und Christen ankündigte. Später entschuldigte er sich in einem weiteren Brief wieder dafür.

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Richterin Sandra Mayer sagte, der Angeklagte stelle sich selbst als Opfer dar. Er gebe die Schuld an seiner Lage dem Mitbewohner im Asylheim, den er ermorden wollte, und der Justiz, die diese Tat verfolgt hat. Haidar A. hatte am Ende des aktuellen Prozesses der Justiz unter anderem Ausländer- und Muslimfeindlichkeit vorgeworfen.

Darauf antwortete die Richterin: "Es hat nichts damit zu tun, dass der Angeklagte Ausländer oder Muslim ist, sondern alleine damit, dass er Menschen töten wollte." Es sei befremdlich wie ein Mensch, der in Deutschland als Flüchtling aufgenommen und versorgt worden sei, solch einen Hass gegen den Staat und die Gesellschaft entwickeln könne.

Szene vom ersten Prozesstag: Haidar A., Angeklagter vor dem Augsburger Landgericht, rastete aus.
Bild: Bernd Hohlen

Dass die Richter nicht die Höchststrafe - maximal möglich wäre auch bei Mordversuch eine lebenslange Haftstrafe - verhängten, liegt vor allem daran, dass die Tat noch in einem "sehr frühen" Stadium gescheitert sei, so das Urteil. A.s damaliger Verteidiger hatte gesehen, dass der Angeklagte an die Waffe des Polizisten greift und den Beamten durch einen Zuruf gewarnt. So konnte der Polizist die Hand des Angeklagten schnell von der Pistole wegschieben.

Urteil in Augsburg: Angeklagter bleibt wohl mehr als 20 Jahre hinter Gittern

Mit der nun gegen ihn verhängten Strafe muss sich Haidar A. – wegen seiner ersten Verurteilung – auf insgesamt mehr als 20 Jahre Haft einstellen. Dennoch wird er das Urteil wohl annehmen, sagte sein Verteidiger Walter Rubach unserer Redaktion. Der Anwalt geht nicht davon aus, dass Haidar A. vorzeitig aus der Haft entlassen wird. Da er Palästinenser ist, keinen Ausweis besitzt und de facto quasi staatenlos ist, dürfte auch eine Abschiebung schwierig werden. Es müsste sich ein Land finden, das ihn aufnimmt.

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25.09.2019

>> Dass die Richter nicht die Höchststrafe - maximal möglich wäre auch bei Mordversuch eine lebenslange Haftstrafe - verhängten, liegt vor allem daran, dass die Tat noch in einem "sehr frühen" Stadium gescheitert sei, so das Urteil. <<

3 Sekunden vor dem ersten Schuss?

>> A.s damaliger Verteidiger hatte gesehen, dass der Angeklagte an die Waffe des Polizisten greift und den Beamten durch einen Zuruf gewarnt. So konnte der Polizist die Hand des Angeklagten schnell von der Pistole wegschieben. <<

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