1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Jetzt verlässt das nächste Traditionsgeschäft die Jakobervorstadt

Augsburg

22.08.2019

Jetzt verlässt das nächste Traditionsgeschäft die Jakobervorstadt

Sabine Hofmann, das „Gesicht“ der Geschäftsleute in der Jakobervorstadt, macht Räumungsverkauf in ihrem Fachgeschäft in der Jakoberstraße. Sie hat sich zusammen mit ihrem Team für einen Neuanfang in der Innenstadt entschieden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Geschäftsfrau Sabine Hofmann verlässt nach fast 30 Jahren den Standort. Sie kann den Abwärtstrend der Jakobervorstadt in Augsburg nicht mehr länger mittragen.

Die beiden Damen sehen sich suchend in Sabine Hofmanns Geschäft für Wäsche und Dessous um. „Sie sind uns empfohlen worden“, wenden sie sich an die Inhaberin. Mundpropaganda und Stammkundschaft waren für die 60-Jährige die Faktoren, die sie lange in der Jakobervorstadt hielten. Jetzt verkünden Plakate im Schaufenster „Totalräumung wegen Umzug“.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Nach fast 30 Jahren in der Jakoberstraße zieht die Geschäftsfrau jetzt die Reißleine. Ihr sei die Entscheidung schwergefallen, betont Hofmann. Doch wirtschaftliche Überlegungen hätten sie letztlich dazu gezwungen. Sie will noch in diesem Herbst in der Innenstadt einen neuen Anlauf wagen in der Überzeugung, dass sich dort die „inhabergeführten Fachgeschäfte gegenseitig befruchten“.

Andere Geschäfte sind schon weg aus der Jakobervorstadt in Augsburg

In der Jakobervorstadt fehlen ihr diese Synergieeffekte. Schon seit Jahren nimmt Hofmann sorgenvoll den Abwärtstrend des Stadtteils wahr. Andere Fachgeschäfte wie Fahrrad Bäuml oder Schuh Bögle haben dem Viertel den Rücken gekehrt. Mit deren Rückzug habe der Kundenstrom abgenommen, sagt Hofmann. Als besonders schmerzhaften Verlust wertet sie die Schließung der Stadtsparkasse. „Ich habe im vergangenen Weihnachtsgeschäft sehr gespürt, dass dieser Frequenzbringer fehlt.“

Statt der Bankfiliale gibt es jetzt nur noch eine SB-Station, darüberhinaus dominieren in der Jakoberstraße Gastronomie, zu einem guten Teil im Fastfood-Bereich, Wettbüros und Second-Hand-Läden. Hinzu kommen einige Leerstände. Vom touristischen Anziehungspunkt Fuggerei ganz in der Nähe profitiert der Einzelhandel nach Beobachtungen Hofmanns ohnehin nicht. „Die Leute kommen gar nicht bis zu uns.“

In der Jakoberstraße hat sich der Einzelhandel in den vergangenen Jahren verändert. Etliche Traditionsgeschäfte wurden aufgegeben.
Bild: Silvio Wyszengrad

Als Geschäftsfrau sieht die 60-Jährige keine Zukunft mehr für sich in der Jakobervorstadt. Als Vorsitzende des Stadtteilvereins, dem sie weiterhin die Treue halten will, setzt sie Hoffnungen in das Förderprogramm Soziale Stadt das die nördliche Jakobervorstadt vor allem durch bauliche Maßnahmen aufwerten soll. Hofmann will aber nicht mehr so lange warten, bis die Revitalisierung in die Gänge kommt. Das seit Längerem brachliegende Areal der Augusta-Brauerei ist für sie das beste Beispiel dafür, wie langsam so ein Prozess vonstattengeht. Dass im nächsten Jahr, wie von der Brauerei signalisiert, dort tatsächlich mit dem Bau von rund 100 Wohnungen begonnen wird, mag Sabine Hofmann nicht so recht glauben.

Online-Handel macht den Händlern Sorgen

Nur ein paar Meter weiter in Richtung Fuggerei befindet sich mit McTramp ein weiteres inhabergeführtes Fachgeschäft – für Camping, Wandern und Outdoor-Moden. Abenteuerlustige Kunden werden hier fündig. Ist für den Chef die Ja-kobervorstadt ebenfalls ein Abenteuer? Alexandre Madeleyn hat den Umzug vor elf Jahren vom Obstmarkt in die Vorstadt nicht bereut. „Ich bin mit diesem Standort zufrieden. Meine Kunden kommen auch wegen des guten Service zu uns.“ So verkaufe er nicht nur Zelte, sondern stelle sie bei Bedarf auch auf.

Madeleyn ist im Gegensatz zu Sabine Hofmann nicht Mieter. Ihm gehört seine Ladenimmobilie selbst. Die Lage an der Straßenbahnhaltestelle sei gut, er trage sich nicht mit Abwanderungsgedanken. Das Einzige, was ihm zu schaffen macht, ist die Konkurrenz durch den Online-Handel. „Da lassen sich die Leute bei uns beraten, fotografieren sogar die Preisschilder ab und sagen dann, sie überlegen noch.“

Auf der Suche nach einem Nachmieter

Bei Nachbarin Sabine Hofmann hingegen ist – ganz klassisch ohne Klick – der Räumungsverkauf im Gange. Die Kundinnen tragen so manches Schnäppchen aus dem Laden, in dem die Chefin vor Jahren ihre Existenz gegründet hat. Dass demnächst hier ein weiteres Wettbüro einzieht, schließt sie aus. „Ich suche gemeinsam mit dem Hausbesitzer nach einem Nachmieter, der dem Viertel guttut“, verspricht Hofmann. Auch wenn sie geht, so ganz hat die Geschäftsfrau die Hoffnung für die Jakobervorstadt noch nicht verloren.

Lesen Sie dazu diesen Kommentar: Eine schlechte Nachricht für die Jakobervorstadt

In unserem Podcast "Augsburg, meine Stadt" hören Sie, was Ladenschließungen bei den Besitzern auslösen – und was sie für eine Stadt wie Augsburg bedeuten:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

23.08.2019

(edit/mod)

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren