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11.05.2010

Justiz setzt Schifferer für mehr als vier Jahre fest

Arthur Schifferer

Das Urteil nahm Arthur Schifferer mit versteinertem Gesicht entgegen: Ohne Regung lauschte er gestern Nachmittag dem Urteilsspruch des Landgerichts, der ihn wegen Erpressung für viereinhalb Jahre ins Gefängnis bringen wird.

Während der mehr als eineinhalb Stunden dauernden Urteilsbegründung von Richter Claus Pätzel schüttelte Schifferer dann wieder mit dem Kopf, grinste - und erklärte beim Verlassen des Gerichtssaals auf die zugerufene Frage eines Reporters, dass er das alles für "absoluten Blödsinn" halte. Mit der gestrigen Urteilsverkündung, die wegen des Publikumsansturms kurzfristig in den großen Schwurgerichtssaal verlegt wurde, dürfte der Parkplatzwächter, der in den vergangenen drei Jahren die Augsburger Öffentlichkeit polarisierte, aber erst einmal von der Bildfläche verschwinden.

Mit klaren Worten verurteilte das Gericht Schifferers Agieren im vergangenen Jahr auf dem Kundenparkplatz des Ärztehauses nahe der City-Galerie. Grundsätzlich sei klar, dass gegen Autofahrer, die sich unbefugt auf fremde Parkplätze stellen, vorgegangen werden könne, etwa durch Abschleppen. Schifferer habe aber überzogen. Auch Autos von berechtigten Parkern und von Autofahrern, die zum Wenden auf den Platz fuhren, wurden mit einem sogenannten Rangierroller unter dem Rad festgesetzt.

Auch das Vorgehen bei echten Falschparkern sei teils nicht in Ordnung gewesen. Schifferer schleppte Autos ab, was von der Justiz nicht beanstandet wurde. Problematisch war aber, dass Falschparker, die noch im Auto saßen, einen Rangierroller unters Rad geklemmt bekamen und 100 Euro zahlen mussten. Eine vorherige Aufforderung zum Wegfahren gab es nicht.

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Ausführlich befasste sich das Gericht mit der Rolle der Polizei. Immer wieder gab es Beamte, die Schifferers Vorgehen gut fanden und Falschparkern sogar rieten, Geld zu bezahlen. "Die Polizei wollte auf den zivilrechtlichen Weg verweisen, ist aber auch zur Verhinderung von Straftaten da", so das Gericht. Mit ihren Aussagen hätten manche Beamte einseitig in den Streit eingegriffen.

Schifferers Argument, in der Vergangenheit von Anwälten falsch beraten worden zu sein, griff vor Gericht nicht. "Der Angeklagte vertraut keinem Anwalt, sondern nur sich selbst", so Pätzel. Dies habe man in dem 19-tägigen Prozess, in dem Schifferer mehrere Verteidiger auswechselte, beobachten können.

Ein mit angeklagter früherer Mitarbeiter von Schifferer wurde vom Gericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Er arbeitet weiter auf dem Parkplatz als Überwacher, allerdings mit sanfteren Methoden, die aus Sicht der Staatsanwaltschaft wohl in Ordnung sind.

Den Zinnober mit einem beauftragten Parkplatzüberwacher kann das Gericht aber generell nicht nachvollziehen. Dass gegen die unstrittig zahlreichen Falschparker an dieser Stelle vorgegangen werden müsse, sei nachvollziehbar, aber eine Schranke wäre von Anfang an vielleicht die bessere Alternative gewesen, so das Gericht. "Die Kammer hat kein Verständnis dafür, dass es keine andere Lösung gab." "Bayern Seite 5, Einblick

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