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Augsburg

03.02.2019

Kalte Nächte: Obdachloser stiehlt Schnaps, weil er zurück in den Knast will

Ein Obdachloser aus Augsburg wollte ins Gefängnis und stahl eine Flasche Schnaps.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Er stahl eine Flasche Schnaps und kam erneut ins Gefängnis. Das war auch der Plan eines 48-Jährigen aus Augsburg. Er hatte extra eine "ganz billige" Flasche genommen.

Wenn’s im Winter draußen friert, beginnt für Obdachlose die Suche nach einem wärmenden Plätzchen für die Nacht. Das klappt nicht immer. Ein 48-Jähriger entlassener Häftling ohne Dach über dem Kopf griff zu einem ausgefallenen Trick: Weil er wieder zurück in den gut beheizten Knast wollte, stahl er in einem Supermarkt am Königsplatz eine Flasche Schnaps für 4,99 Euro.

Er ließ sich dabei erwischen und wurde von der Polizei festgenommen. Da er bereits 17 Mal vor allem wegen Alkoholdelikten vorbestraft war, schickte ihn der Ermittlungsrichter tatsächlich wieder ins Gefängnis.

Das Leben des Augsburgers geriet irgendwann aus der Spur

Der gelernte Elektrotechniker, dessen Leben wohl wegen Alkoholproblemen aus der Spur gekommen war, saß einige Monate wegen Schwarzfahrens in der Haftanstalt Aichach ein. Mitte November wurde der wohnungslose Mann entlassen. Um in einer kommunalen Notunterkunft übernachten zu können, hätte er in Aichach bleiben müssen. Denn rechtlich zuständig ist die Gemeinde, in der die Obdachlosigkeit entsteht.

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Der 48-Jährige wollte jedoch nach Augsburg, wo er dann nachts bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt im Vorraum einer Bank schlief. Was dem Geldinstitut nicht gefiel, das ihn wegen Hausfriedensbruch anzeigte. In seiner Not fasst der Obdachlose den Entschluss, sich angesichts der winterlichen Kälte wieder einsperren zu lassen. Was nach dem Schnaps-Diebstahl auch problemlos funktionierte. Nach genau zwei Monaten und drei Tagen im Gablinger Gefängnis wurde dem Mann vor Amtsrichterin Susanne Scheiwiller der Prozess wegen Ladendiebstahls gemacht. Der 48-Jährige (Verteidiger: Florian Schraml) wiederholte, er habe die Flasche Schnaps – „eigens eine ganz billige“ – geklaut, um wieder einen warmen Schlafplatz in einer Zelle zu bekommen. „Ich wollte draußen nicht erfrieren“, gab er zu Protokoll. Aber nun, nach mehr als zwei Monaten im Knast, wäre er gerne wieder frei, bat er.

Der Obdachlose hätte sogar Anspruch auf eine Entschädigung gehabt

Er habe sich inzwischen, so die Begründung, um einen Platz in einer Therapieeinrichtung der Diakonie gekümmert, wo er unterkommen könne. Das Gericht entsprach seinem Wunsch nach Freiheit und verurteilte ihn zu zwei Monaten Knast, die durch die Untersuchungshaft abgegolten waren. Weil er drei Tage länger eingesessen hatte, hätte er sogar eine kleine Entschädigung bekommen können. Darauf verzichtete er aber großzügig.

Lesen Sie auch: Ein Augsburger berichtet vom Leben als Obdachloser

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