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Prozess in Augsburg

18.01.2019

"Kampf am Steuer": Mann greift Busfahrer ins Lenkrad

Um eine Attacke auf einen Busfahrer ging es jetzt bei einem Prozess vor dem Amtsgericht.
Bild: Wyszengrad (Symbolbild)

Zeugen sprechen von einem "Handgemenge". Nach einer Vollbremsung prallte der Bus gegen einen Randstein. Der Fall zeigt: Der Ton in Bus und Tram wird rauer.

Nicht nur Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute werden immer häufiger Ziel verbaler und körperlicher Angriffe zumeist alkoholisierter Mitbürger. Auch in Bussen und Straßenbahnen wird der Ton rauer, wie Stadtwerke-Pressesprecher Jürgen Fergg bilanziert: „Unsere Fahrer werden zunehmend beschimpft, meist ist Alkohol im Spiel“. Bus- und Tramlenker hätten sich schon ein dickes Fell zugelegt. „Beleidigungen werden gar nicht mehr alle gemeldet“, sagt Fergg. Körperliche Angriffe gegen Fahrer seien noch relativ selten, drei bis vier Fälle im Jahr würden bekannt. Eine besonders gravierende Attacke, die sich in Gersthofen abspielte, wurde in einem Prozess vor Amtsrichter Thomas Müller-Froelich verhandelt.

Der Griff ins Lenkrad eines fahrenden Busses der Gersthofer Verkehrsbetriebe im April 2018 hatte eine Vorgeschichte: Der nun Angeklagte, 24, war eine Woche zuvor in einem Nachtbus der Linie 95 mit zwei Kumpels von Gersthofen nach Augsburg gefahren. Es gab Streit darüber, ob eine Monatskarte als Fahrausweis dient. Als diese Frage geklärt war, so berichtet der Busfahrer, 57, als Zeuge, habe der junge Mann beim alten Justizpalast in Augsburg plötzlich zum Vogeltor fahren wollen. Weil das aber nicht das Ziel des Busses war, wollten er und seine Freunde sofort zwischen zwei Haltestellen aussteigen – was der Fahrer verweigerte. Das Trio beleidigte den Buslenker, einer warf ihm ein Feuerzeug an den Kopf. Der Fahrer nahm den Zwischenfall hin.

Busfahrer: "Ich hielt das Lenkrad fest"

Eine Woche später stieg der Angeklagte in Gersthofen in den Bus der Linie 52, in dem zufällig der Fahrer des Nachtbusses saß. Er gab ihm einen Zehneuroschein, sagte aber nicht, wie weit er fahren wolle. Der Fahrer: „Ich fragte ihn mehrmals, welche Preisstufe er wolle. Aber er antwortete nicht.“ Kurz darauf habe der Mann von hinten „Mein Geld, mein Geld“ gerufen, sei wieder nach vorne gestürmt. „Er griff mit beiden Händen während der Fahrt ins Lenkrad und nahm sich den Zehneuroschein, der links neben mir lag. Ich hielt das Lenkrad ganz fest und machte eine Vollbremsung. Der Bus kam mit dem Rad am Randstein einer Haltestelle zum Stehen.“ Zum Glück sei er nur Tempo 30 gefahren. „Wäre ich schneller gewesen, hätte es eine Katastrophe geben können“, ist sich der Busfahrer sicher. Zwei Zeugen hatten den Zwischenfall von der Haltestelle aus beobachtet. Sie sprachen von einem „Handgemenge“ und einem „Kampf am Steuer“. Der Fahrer und der Angeklagte seien dann nach der Vollbremsung in Richtung Scheibe geflogen.

Der Angeklagte (Verteidiger: Felix Hägele) räumte die Beleidigungen ein, entschuldigte sich, will aber quasi nur versehentlich ins Steuer gegriffen haben. „Ich wollte nur mein Geld wieder nehmen“, beteuert er. Der 24-Jährige ist in einer prekären Lage. Sein Vorstrafenregister hat sechs Einträge, er steht unter offener Bewährung. Doch seit einem halben Jahr hat sich sein Leben verändert, wie der Verteidiger und eine sozialpädagogische Betreuerin berichteten. Die Einrichtung, in der der berufslose Mann lebt, stellt ihm ein positives Zeugnis aus. Er trinke keinen Alkohol mehr, regele seine Schulden und strebe eine Ausbildung an. Die Betreuerin: „Er hat eine bemerkenswerte Entwicklung genommen.“

Angeklagter darf vier Jahre lang kein Alkohol trinken

Richter Müller-Froelich ist davon offenbar beeindruckt. Er setzt die neunmonatige Freiheitsstrafe wegen Beleidigung, Nötigung und versuchten Eingriffs in den Straßenverkehr „ausnahmsweise“, wie er sagt, noch einmal zur Bewährung aus. Der Angeklagte muss 120 Stunden Hilfsdienste leisten, sich vier Jahre lang an ein Alkoholverbot halten und die Therapie beenden.

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