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Augsburg-Medaillen

01.12.2011

Karl Goetz: ein berühmter Medailleur

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1875 in der Stadt geboren. Prägnant für Stil und Epoche

Augsburg Bei dem Augsburger Graveur Johannes Dominal (1861-1942) erhielt Karl Xaver Goetz seine Ausbildung. In Sammlerkreisen gilt er als der bekannteste deutsche Medailleur des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde er am 28. Juni 1875 in Augsburg, gestorben ist er am 8. September 1950 in Berlin. Goetz schuf innerhalb einer Schaffensperiode von etwa 40 Jahren 633 Kunstmedaillen. Auf diese Zahl kam sein Biograf Gunter W. Kienast, der 1967 ein Werkverzeichnis veröffentlichte. Er berichtet, Karl Goetz habe 1888 als 13-Jähriger bei Johannes Dominal seine Lehre begonnen und nach vier Jahren die Prüfung mit Auszeichnung bestanden. Seine Gesellenstücke, zwei gravierte Weißmetallteller, bedachte die Stadt Augsburg 1892 mit einem Preis. An der Augsburger Kunstschule hatte sich Goetz zudem im Zeichnen weitergebildet.

Auf einer Medaille zu seinem 60. Geburtstag führt er die beruflichen Stationen auf: Im Alter von 20 Jahren ging er auf Wanderschaft. Dresden, Leipzig, Berlin, Düsseldorf nennt Goetz als Stationen. Von 1897 bis 1899 arbeitete er in Utrecht (Niederlande) und in Le Locle (Schweiz), ab 1899 in Paris, ehe er 1904 in München sesshaft wurde. Karl Goetz wird deshalb dem Künstlerkreis „Münchener Medailleure“ zugerechnet. Er sei „nach herrschender Meinung der mit Abstand bedeutendste deutsche Medailleur des 20. Jahrhunderts“, heißt es in einem Katalog.

Karl Goetz blieb zeit seines Lebens Augsburg verbunden. Sowohl auf seiner Hochzeitsmedaille (1912) als auch auf einer Geburtstagsmedaille von 1935 symbolisiert die Zirbelnuss seine Geburtsstadt. Er bekam etliche Aufträge aus Augsburg. 1905 gestaltete er die Gussform für eine 195 Gramm schwere Bronzemedaille mit dem Porträt von Bischof Maximilian von Lingg (1902 bis 1930 Oberhaupt der Diözese Augsburg). Gegossen wurde sie in der Prägeanstalt Carl Poellath in Schrobenhausen. Bistumspatron St. Ulrich zu Pferd erinnert über Linggs Bischofswappen an die Schlacht auf dem Lechfeld.

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1906 ist eine Bronzegussplakette (98 mal 72 mm) datiert, die Karl Goetz dem Augsburger Turnlehrer Josef Georg Grotz (1846-1906) widmete. 1909 schuf Medailleur Goetz eine Medaille mit dem Porträt des Majors August von Parseval. Der hatte in August Riedingers Ballonfabrik das nach ihm benannte Parseval-Luftschiff entwickelt. Die eindrucksvoll gestaltete Prägung erinnert an die Fernfahrt von „Parseval III“ vom 12. bis 19. Oktober 1909, bei der auch Augsburg Landeplatz war. Das Prall-Luftschiff mit einem darauf die Schwingen ausbreitenden Adler ist Medaillenmotiv.

1912 beauftragte die Lotzbeck’sche Tabakfabrik Augsburg den seit 1904 in München ansässigen Karl Goetz mit einer Medaille zu ihrem 100-Jahr-Firmenjubiläum. Sie ist überwiegend in Bronze verbreitet, wurde aber auch in wenigen Exemplaren in Silber und in Gold geprägt. „40 Jahre Jugendarbeit in der Diözese Augsburg“ lautet die Umschrift auf einer 1929 in Silber und Bronze hergestellten 36-mm-Medaille mit dem Porträt des Augsburger Domdekans Josef M. Friesenegger. Als 1930 das weltweit gefeierte Jubiläum „400 Jahre Confessio Augustana“ anstand, gestaltete Karl Goetz drei Medaillen (36 und 60 mm) sowie ein Bronzegussmedaillon mit 136 mm Durchmesser.

Am 27. Mai 1931 war von Augsburg aus der Ballonaufstieg der beiden Physiker Professor A. Piccard und Dr. P. Kipfer in fast 16000 Meter Höhe gelungen. Karl Goetz verherrlichte den „Stratosphärenflug mit Riedinger-Freiballon“ (so die Umschrift) mit einer Medaille in „Normalgröße“ (36 mm), einer weiteren mit 60 mm Durchmesser sowie einem schwergewichtigen Medaillon (144 mm). Alle zeigen die selben Motive: Piccard und Kipfer sind auf der Schauseite porträtiert, Rathaus und Perlachturm symbolisieren auf der Rückseite den Startplatz Augsburg. 1908 hatte Hofrat Friedrich Hessing von Goetz zu seinem 70. Geburtstag eine stattliche Bronzegussmedaille (65 mm) und eine Bildplakette gestalten lassen. Zum Gedenken an Hessings 100. Geburtstag (1938) schuf er abermals eine Medaillen-Serie in drei Größen.

Karl Goetz überliefert auf einer Plakette auch das Porträt seines Lehrherrn Johannes Dominal (mehr über diesen Augsburger Medailleur in einem späteren „Special“ im Augsburg-Album). Das eigene Porträt, seine Frau und seine Kinder finden sich mehrfach auf Medaillen. Im Mai 2011 kam bei der Münzhandlung G. Hirsch Nachf. in München die bislang umfangreichste Goetz-Sammlung mit hunderten Raritäten sowie Unikaten von der Hand dieses in Augsburg geborenen, weltbekannten Medailleurs unter den Hammer. Das Auktionshaus stellte die Abbildungen der Hessing-Medaille und der Hochzeitsplakette von Goetz zur Verfügung.

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