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Augsburg

18.06.2019

Katzen-Mumie bei Haussanierung gefunden

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Gruseliger Fund: In einem Haus im Domviertel wurden bei Sanierungsarbeiten diese Reste einer mumifizierten Katze gefunden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Bei der Sanierung eines Baudenkmals im Augsburger Domviertel kommt eine Katzen-Mumie zum Vorschein. War sie ein Opfer mittelalterlichen Aberglaubens?

Es war ein gruseliger Fund: Bei der Sanierung eines historischen Gebäudes im Augsburger Domviertel kam kürzlich eine mumifizierte Katze zum Vorschein. Experten vermuten, es könnte sich um ein „Bauopfer“ aus früheren Jahrhunderten handeln. Dieser Aberglaube war weit verbreitet. Eingemauerte Katzen sollten für das Haus und seine Bewohner eine bestimmte Wirkung entfalten.

Das Gebäude, um das es geht, steht an der Stadtmauer, in der Gasse Beim Pfaffenkeller. Es hat eine wechselvolle Geschichte, die bis ins Mittelalter und noch weiter zurückreicht. Derzeit wird das historische Gemäuer saniert. Mehrere außergewöhnliche Wohnungen werden dort entstehen, wie Architekt Walter Bachhuber erläutert. Er betreut das Projekt. Das Gebäude war mal Kirche, mal Wohngebäude, mal Werkstatt eines Glockengießers und eines Orgelmachers und noch vieles andere mehr. Und es barg zahlreiche Geheimnisse. Schon vor der Sanierung waren über Monate hinweg die Stadtarchäologie und die Denkmalpflege eingeschaltet.

Man fand unter anderem Spielzeug aus früheren Jahrhunderten – einen aus Holz geschnitzten uniformierten Polizisten oder eine Murmel aus gebranntem Ton, die aus der Römerzeit stammen dürfte. Man fand Malereien auf alten Holztafeln, den Sockel eines gotischen Fensters und alte Schieferdachplatten. Der ungewöhnlichste Fund wurde aber im Bereich des historischen Dachstuhls entdeckt: eine mumifizierte Katze.

Die Katzen-Mumie könnte ein "Bauopfer" gewesen sein

Als Arbeiter einen Fehlboden öffneten, stießen sie auf die Überreste des Tieres. Es muss dort über lange Zeit hinweg verborgen gewesen sein. Architekt Bachhuber glaubt, dass es sich um ein „Bauopfer“ aus früheren Jahrhunderten handelt. Katzen seien aus Aberglauben eingemauert worden, um Hexen und andere böse Geister oder Unheil von dem Haus und seinen Bewohnern fernzuhalten. „Die Idee war, Gleiches mit Gleichem zu vertreiben“, sagt der Architekt. Früher habe man geglaubt, dass sich Hexen in Katzen verwandeln und durch größere Öffnungen ins Haus rauschen könnten. Auch die Fundstelle der Katzenmumie nahe des Kamins spreche dafür, dass es ein „Bauopfer“ sei. Ob die Katze noch gelebt hat, als ihr dieses Schicksal widerfuhr, ist unklar. Experten gehen davon aus, dass manche Tiere lebendig und andere tot eingemauert wurden.

Volkskundler sagen, diese heidnische Praktik sei im Mittelalter durchaus mit der katholischen Gotteslehre in Einklang gebracht worden. Dies könnte auch im Gebäude Beim Pfaffenkeller der Fall gewesen sein. Denn einst stand an dieser Stelle eine romanische Kirche. Bischof Siegfried I. ließ sie 1006 zu Ehren des heiligen Aegidius erbauen. Später wurde das Gotteshaus durch einen Sturm schwer beschädigt und wieder hergestellt. Im 15. Jahrhundert hat man die Kirche im Stil der Gotik neu erbaut.

Architekt Walter Bachhuber zeigt außergewöhnliche Funde auf der Baustelle.

Der Gebäudekomplex beherbergte außerdem viele wechselnde Bewohner. Erst lebte dort ein Kleriker der katholischen Kirche – ein Benefiziat. Später wohnte in dem Haus ein Glockengießer, der eine Glocke für den Dom herstellte. Ein Arzt hatte dort seine Räumlichkeiten und wieder später ein Orgelmacher. Danach war das Anwesen ein bischöfliches Spital. 1836 kaufte die Stadt Augsburg das Gebäude vom katholischen Studienfonds. Es sollte Wohnsitz eines Astronomen werden, der seinen Arbeitsplatz im benachbarten ehemaligen Wehrturm hatte. Dieser Turm ist heute an seiner Rundum-Verglasung zu erkennen.

Viele Augsburger bewohnten das Gebäude, in dem man die Katzen-Mumie fand

Im 20. Jahrhundert lebten dann verschiedene Architekten in dem Anwesen, etwa Paul Gerne und zuletzt Alfred Kosebach. Architekt Bachhuber sagt, inzwischen sei das Gebäude an einen Münchner verkauft worden. Dieser wolle das Baudenkmal bis zum Frühjahr 2020 umsichtig sanieren und dort einige ungewöhnliche Mietwohnungen einbauen. „Wir werden auf moderne Weise mit dem historischen Gebäude umgehen und seine Baugeschichte wieder sichtbar machen“, kündigt Bachhuber an.

So werden historische Baustoffe und Verzierungen, die bei der Sanierung zutage traten, gesammelt und wieder eingebaut. Auch bislang verborgene Mauerteile der einstigen Kirche und der alten Stadtmauer sollen wieder zu sehen sein. Geplant ist weiter, aus den historischen Funden eine kleine Sammlung zusammenzustellen und diese im Haus zu präsentieren. Wird auch die Katzen-Mumie ein Teil dieser Sammlung sein? „Das ist noch nicht klar“, sagt Bachhuber.

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