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Fusion von Pfarreien

02.02.2012

Kirche: Wenn die Gemeinschaft zerbricht

Petra Eckl leitet Wort-Gottes-Feiern in der Pfarreiengemeinschaft Don Bosco und St. Wolfgang. Sie fürchtet, dass ohne die vom Bischof nicht gewünschten Feiern in den Gemeinden viel Gemeinschaftsleben verloren geht.
Bild: Wyszengrad

Ehrenamtliche und Geistliche sind in Sorge über den Wegfall von Wort-Gottes-Feiern und die Fusion von Pfarreien. Sie befürchten künftig ein anonymes Gemeindeleben.

In den Pfarreien rumort es. Nach und nach werden die Zukunftspläne der Diözese Augsburg konkreter. Doch anstatt Klarheit zu schaffen, lösen sie Unverständnis aus. Etwa in der Pfarreiengemeinschaft Don Bosco (Herrenbach) und St. Wolfgang (Spickel): Dort werden nicht nur die geplanten Pfarreien-Fusionen kritisch gesehen. Die Gläubigen sehen die Einschränkung von Wort-Gottes-Feiern als Abwertung ihres ehrenamtlichen Engagements.

„Wenn sich die Anzahl der Wort-Gottes-Feiern der Ehrenamtlichen verringert oder das Angebot vollkommen eingestellt wird, dann geht in der Gemeinde viel verloren. Schließlich sind diese Gottesdienste auch wichtig für die Gemeinschaft“, sagt Pfarrsekretärin und Organistin Petra Eckl.

Die Kirche sei gerade für ältere Menschen ein Treffpunkt, ein Ort, wo gemeinsam gebetet, gesungen und Gemeinschaft gelebt werde. Eckl: „Die Wort-Gottes-Feier ist die bessere Alternative, bevor der Gottesdienst ausfällt, weil der Pfarrer nicht da ist. Wir wollen keine Ersatzpfarrer sein, aber wir wollen die Pfarrei am Leben erhalten“, sagt sie bestimmt.

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Enttäuschung der Ehrenamtlichen

Petra Eckl ist eine von sieben Wort-Gottes-Feier-Leitern. Gemeinsam organisieren sie diese Feiern, wenn sich Pater Dieter Putzer beispielsweise auf Exerzitien befindet – anderenfalls müsste er ausfallen. Putzer ist froh, dass so kein Bruch in der Gottesdienstordnung entsteht. „Ich kann die Enttäuschung der Ehrenamtlichen verstehen, die bangen, künftig nicht mehr eingesetzt zu werden. Sie leben die Gemeinde und diese Gemeinschaft darf nicht außer Acht gelassen werden“, sagt der Salesianer-Pater.

Generell würde er in dieser Phase des Umbruchs andere Möglichkeiten ausschöpfen. „Die Kirche könnte ihren Horizont erweitern, schließlich geht es in erster Linie auch um den Priestermangel. Der Zölibat könnte infrage gestellt, die Diakonie der Frau angedacht werden“, so Dieter Putzer.

Wenn die Pfarreiengemeinschaft Don Bosco und St. Wolfgang – wie geplant –  St. Ulrich und Afra zugeschlagen wird, würde sich vieles ändern. „Dann gibt es hier in Don Bosco keinen Pfarrer mehr. Die Gemeinschaft würde auseinanderbrechen“, so Petra Eckl. Sie befürchtet eine „Event-Kirche“: „Wenn man fahren muss, dann sucht man sich gleich die für sich Beste heraus. Alles würde anonymer werden.“

Dr. Christoph Becker, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Pfarrei Zum Heiligsten Erlöser in Göggingen, pocht ebenfalls auf die Beibehaltung der gewachsenen Pfarrgemeinden. „Ich kann zwar die Personalsorgen von Bischof Zdarsa verstehen, dennoch sollte das nicht deckungsgleich mit einer strukturellen Änderung gesehen werden.“ Eine christliche Gemeinde ist in seinen Augen eine persönliche und örtliche Zelle, die Identität stiftet. Becker: „Jede Gemeinde hat ihre eigenen Anliegen, ihre eigenen karitativen Schwerpunkte.“

Die Erlöserkirche wurde bereits mit St. Remigius in Bergheim zusammengeführt. Doch das soll nicht das Ende der Fahnenstange sein. Nach der Etablierung von Pfarreiengemeinschaften sollen Fusionen gefördert werden. „Das wäre eine Fehlentwicklung“, sagt Becker. Sein Vorschlag: Es sollte personell verstärkt auf Pastoralreferenten gesetzt, Selbstbestimmung gefördert und nicht stabile, engagierte Gemeinschaften zerstört werden.

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