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Augsburg

11.02.2017

Klinikum: Ärzte rebellieren gegen Stellenabbau

Auf dem Weg zur Uniklinik fährt das Klinikum Augsburg einen harten Sparkurs, von dem auch die Ärzte betroffen sind. Die rechnen nun jedoch vor, dass ihr Bereich keine Verluste macht.

Am Klinikum rebellieren die Ärzte: Dieses Jahr fallen mehr als 30 Arbeitsplätze weg. Das betrifft auch Mediziner. Was der Klinikums-Chef dazu sagt.

Das Klinikum wird seinen Spar- und Umstrukturierungskurs in diesem Jahr fortsetzen und Stellen im zweistelligen Bereich abbauen. Hintergrund der Einsparmaßnahmen ist neben dem langfristigen Umbauplan, der ab 2026 zehn Millionen Euro jährlich an Einsparungen bringen soll, eine bundesweite Verschiebung im Tarifvertrag. Das kostet das Klinikum 1,8 Millionen Euro mehr. Auf der Einnahmenseite tut sich zudem ein Loch von 2,5 Millionen Euro auf, weil die Vergütung durch die Krankenkassen schlechter ist als erwartet.

In diesem Jahr wird das Klinikum voraussichtlich 1,7 Millionen Euro Minus machen. Der Wirtschaftsplan für 2017 wurde inzwischen vom Verwaltungsrat beschlossen, wenn auch nicht einstimmig. Offenbar gab es im Hinblick auf den Sparkurs eine Gegenstimme in dem Gremium, das sich aus Stadt- und Kreisräten zusammensetzt.

Im Bereich der Pflege, die zuletzt ohnehin nicht gut ausgestattet war, will das Klinikum keine Stellen streichen, bei den Ärzten sollen 8,7 Stellen wegfallen und im Bereich der Infrastruktur stehen mindestens 24 Vollzeitstellen zur Streichung an.

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Vorstandsvorsitzender Alexander Schmidtke verweist darauf, dass seit seinem Amtsantritt im ärztlichen und pflegerischen Bereich neue Stellen geschaffen worden seien, wobei bei den Ärzten in den vergangenen zwei Jahren elf Stellen wegfielen. Allerdings hat das Klinikum in den vergangenen Jahren auch deutlich mehr Patienten behandelt als in der Vergangenheit. Der Personalrat klagte zuletzt auch, dass nicht alle Stellen besetzt seien.

Zehn-Jahres-Plan beschlossen

Speziell die Streichung von Arztstellen ist mit Widerständen verbunden. Seit vor eineinhalb Jahren der „Zehn-Jahres-Plan“ beschlossen wurde, der unter anderem die Personalkosten im ärztlichen Bereich senken soll, herrscht Unruhe. Wie berichtet stehen bei den Ärzten für die Jahre von 2015 bis 2019 Arztstellen im mittleren zweistelligen Bereich zur Streichung an. Ein Gutachten hatte vor acht Jahren die Größenordnung von 100 Stellen in den Raum gestellt, wobei Schmidtke sagt, dass er sich diese Zahl nicht zu eigen macht.

Im Sommer gab es einen von 400 Ärzten (insgesamt arbeiten am Klinikum 700 Ärzte) unterzeichneten Brandbrief ans Wissenschaftsministerium, das ab 2018 fürs Klinikum (dann Uni-Klinik) zuständig sein wird. Die Botschaft: Das Klinikum werde kaputt gespart. In einem neuen Brief an den Verwaltungsrat, der unserer Zeitung vorliegt, rechneten Chefärzte im Dezember auf Basis der Zahlen von 2016 vor, dass der ärztliche Bereich mitnichten Verluste mache, wenn man den Spezialfall der großen und teuren Notaufnahme herausrechne. Im Pflegedienst gebe es nach wie vor zu wenig Personal, heißt es im Brief. Wenn es wirtschaftliches Verbesserungspotenziale gebe, dann im Bereich der Infrastruktur.

Mehr oder weniger direkt wird damit der Ball zu Schmidtke gespielt, der als Finanzvorstand diesen Bereich verantwortet. Die unausgesprochene Forderung: Schmidtke soll erst bei sich sparen, bevor er bei anderen spart. Dem hält Schmidtke entgegen, dass das medizinische Kerngeschäft auch deswegen gut abschneide, weil der Einkauf von medizinischem Material wirtschaftlicher organisiert worden sei. Ohnedies könne man die Diskussion so nicht führen. „Wenn wir beginnen, die guten Leistungen der einen Berufsgruppe gegen die Leistungen anderer Gruppen aufzurechnen, dann reißen wir Gräben, statt stolz auf die gemeinsame Leistung zu sein.“

Im Pflegebereich habe es zusammen mit dem Medizinisch-Technischen Dienst und dem Funktionsdienst eine Stellenmehrung gegeben. Zudem will das Klinikum bis 2018 zusätzliche 21 Intensivbetten und 61 Pflegestellen aufbauen. In Verwaltung und Technik wurden in den vergangenen Jahren laut Stellenplan hingegen Jobs gestrichen. Gleichwohl müsse man auch hier mit Augenmaß vorgehen, so Schmidtke. „Das Klinikum muss als Ganzes funktionieren.“

Zuletzt waren im Klinikum aber viele Berater von außen zugange, unter anderem von einem Hamburger Unternehmen. Der Beratungsaufwand werde jetzt, da eine Bestandsanalyse vorliegt, reduziert, so Schmidtke. Welche Kosten insgesamt im Bereich der Verwaltung durch Beratung/Dienstleistung von außen anfallen, sagt das Klinikum nicht. Diese Kosten variierten, würden aber genau überwacht. Ein wesentlicher Teil entfalle auf obligatorische Posten wie die Wirtschaftsprüfung der Jahresabschlüsse.

Zusammenarbeit mit anderen Kliniken

Schmidtke konkretisierte auf Nachfrage Überlegungen zur Zusammenarbeit mit anderen Kliniken. Ende vergangenen Jahres hatte er den Vorschlag gemacht, dass sich das Klinikum als Maximalversorger künftig auf „schwerere“ Fälle konzentrieren solle und die Kreiskliniken „leichtere“ Fälle wie Blinddarmoperationen übernehmen sollten (wir berichteten). Bei Ärzten und dem Vernehmen nach auch im Verwaltungsrat stieß der Vorschlag auf Ablehnung. Das Haus müsse weiterhin allen kranken Patienten aus der Region offenstehen, hieß es aus der Ärzteschaft.

Laut Schmidtke wird das Klinikum auch künftig keine Patienten mit Blinddarmentzündung oder Leistenbruch weiterschicken. Es sei aber sinnvoll, wenn Klinken zusammen mit niedergelassenen Ärzten an einem regionalen Versorgungskonzept arbeiten, das die Spezialisierungen der Kliniken berücksichtigt. „In einem solchen Rahmen sehe ich dann in der Tat die schweren Fälle eher in einem großen und aufwendig ausgestatteten Klinikum wie dem unsrigen.“ Es gehe aber keinesfalls darum, leichte Fälle als unwirtschaftlich abzutun.

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11.02.2017

Bei den Steuereinnahmen die der Staat den hier arbeitenden Bürgern aus der Tasche zieht sollte die Finanzierung eines solchen Grosskrankenhauses eigentlich ein Klack´s sein, oder?

Das Gleiche gilt für Strassenbau, öffentlicher Nahverkahr, Schulen, Universitäten usw.

Was bezahlen wir denn mit unserern Steuergeldern eigentlich alles?

Armes Deutschland, angeblich so reich und trotzdem reicht´s nicht um die öffentliche Versorgung auf einem angemessenen Niveau zu halten.

Martin Scheidler

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