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Kultur

24.05.2012

Konkurrenzkampf in der Kunstszene

Viele Einrichtungen kämpfen um öffentliche Gelder, doch die sind knapp. Das Theater steht im Fokus einer Neid-Debatte

Freie Szene gegen kulturelle Institutionen – im Kulturausschuss wurde diese Woche das Bild eines Konkurrenzkampfes gezeichnet. Das neue, auf einen zweijährigen Turnus angelegte Festivalkonzept zerstöre mehr an Initiative, als es Geld spare. Es vernichte urbane Kultur, während im Gegenzug die Förderung für ohnehin hoch subventionierte Einrichtungen aufgestockt werde.

Auch wenn dieser Kampf nicht offen ausgetragen wird: Hinter den Kulissen ist die Szene in Aufruhr. Mit Neid und Argwohn wird vor allem das Theater betrachtet, das allein von der Stadt jährlich 14 Millionen Euro bekommt. In einem anonymen Thesenpapier wurde jüngst angeprangert, dass dieses Geld nicht gut eingesetzt werde. Das Theater müsse sich öffnen, intensiver mit der freien Szene kooperieren, waren nur zwei von 19 Forderungen.

Dass die Emotionen hochschlagen, zeigt die Reaktion des Theaters: Die Künstlerin, der man das Thesenpapier zuschrieb, erhielt kurzfristig Hausverbot. Inzwischen ist es wieder aufgehoben.

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„Es ist nicht viel, was wir noch ausgeben können“

Intendantin Juliane Votteler kann nicht verstehen, warum dem Theater vorgeworfen wird, „Geld zu verschlingen und dann auch noch zu jammern“. Rund 85 Prozent des Etats seien fixe Kosten für fest angestellte Mitarbeiter, aus den verbleibenden 15 Prozent werden Künstler, Dramaturgen, Regisseure und andere bezahlt. Dazu kämen Kosten für die Dekorationen, Kostüme, Inszenierungen, Choreografen, Dirigenten... „Das ist nicht viel, sondern sogar im Vergleich in Bayern sehr wenig, was wir da noch ausgeben können“, sagt Votteler.

Auch für die Stadt Augsburg wird der finanzielle Spielraum immer geringer. Der Etat des Kulturreferats liegt aktuell bei rund 27,5 Millionen Euro – 3,4 Prozent des Gesamthaushalts (794 Millionen). Gut die Hälfte fließt ans Theater, weitere drei Millionen jeweils an Kunstsammlungen und Stadtbücherei. Hinzu kommen Stadtarchiv, Festivals und mehr. Für zusätzliche, freie Projekte stehen laut Auskunft von Insidern nur rund 18000 Euro zur Verfügung.

Einer, der die „Ungerechtigkeit“ der Förderung offen anspricht, ist Christian Ehlers vom Parktheater: „Kleine, freie Veranstalter müssen um vierstellige Summen betteln.“ Große Einrichtungen dagegen würden nicht nur von Stadt und Land besser bedacht, „sie greifen auch einen Großteil der Sponsorengelder ab“. Dadurch entstehe eine „nicht zu vertretende Einseitigkeit“.

Die Frage, ob die Kultur insgesamt zu stark gefördert wird, wurde jüngst durch das Buch „Der Kultur-infarkt“ neu aufgeworfen. Die Autoren klagen, dass überall zu viel und überall dasselbe angeboten würden. Augsburgs Kulturreferent Peter Grab hält diese These für zu kurz gegriffen: „Wenn wir die Vielfalt der Kultur aufrechterhalten wollen, müssen wir weiter subventionieren, da sich bestimmte Spielarten gar nicht entfalten könnten, wenn sie nicht gefördert würden.“

Dass es in einer Stadt wie Augsburg ein „Zuviel“ an Angeboten geben kann, bezweifeln viele. Unternehmer und Kammern betonen, viele Verträge mit hoch qualifizierten Fachkräften kämen nie zustande, wenn kein entsprechendes kulturelles Angebot vorhanden wäre. Auch der große Zulauf zu den Bayerischen Theatertagen hat in den vergangenen zwei Wochen gezeigt, dass das Bedürfnis nach entsprechenden Veranstaltungen da ist.

„Was wir bräuchten, wäre eine umfassende Reform ähnlich der Gebietsreform in den 1970er-Jahren“, sagt Christian Ehlers. Das Problem ist nur: „Weder die Politik noch die Kultureinrichtungen selbst waren bisher dazu in der Lage.“

Eine Sonderseite zur Kulturförderung in Augsburg finden Sie auf "Seite 36. Wie die freie Szene von den Theatertagen profitieren will und wie sie ihre Lage allgemein einschätzt, lesen Sie auf"Seite 43. Auch der Leitartikel auf"Seite 2 beschäftigt sich heute mit dem Thema Kultur.

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