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Kommentar

23.03.2019

Kriminalität: Wie sicher ist Augsburg wirklich?

Wie sicher darf man sich in Augsburg fühlen? Sehr, wenn man die aktuelle Kriminalitätsstatistik auswertet. Ihr zufolge zählt Augsburg zu einer der sichersten Städte in Deutschland. Dennoch fühlen sich manche Bürger zumindest in manchen Situationen unwohl.
Bild: Annette Zoepf

Plus Augsburg ist eine Stadt, in der verhältnismäßig wenig schwere Verbrechen begangen werden. Dennoch kann der Eindruck entstehen, es gäbe viel mehr solcher Delikte als früher.

Sechs Mal soll ein 29-jähriger Mann im Oktober und November junge Frauen auf Augsburgs Straßen attackiert und sexuell bedrängt haben; seit Monaten sitzt er in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen davon aus, dass er die Frauen gepackt und teils im Intimbereich begrapscht hat, dass er eines der Opfer auch vergewaltigen wollte. Eine Frau soll er beraubt und sie ins Gesicht geschlagen haben, als sie sich wehrte. Wenn es eine Serie von Straftaten in jüngerer Vergangenheit gibt, die am Sicherheitsgefühl der Augsburger gekratzt haben dürfte, dann vermutlich diese, für die jener 29-jährigen Gambier verantwortlich sein soll.

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Denn natürlich lässt es einen nicht kalt, wenn man von brutalen Verbrechen in der Nachbarschaft liest oder hört, zumal wenn es um solche geht, die sich im öffentlichen Raum abspielen. Von Morden, Vergewaltigungen, üblen Gewalttaten. „Es wird ja immer schlimmer, wann hört das auf?“, schrieb eine Frau einmal im Internet unter einen Bericht unserer Zeitung.

Ja, wann? Wenn es um Kriminalität geht, wäre „vermutlich nie“ eine mögliche Antwort. Irgendein aufsehenerregendes Verbrechen wird in Augsburg früher oder später begangen werden, Medien wie unsere Zeitung werden darüber berichten, die Menschen auf der Straße darüber sprechen.

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Augsburg ist sicher, aber...

Augsburg ist eine der sichersten Großstädte Deutschlands, aber das heißt wahrlich nicht, dass man hier nicht Opfer einer Straftat werden kann. Eine Großstadt ist es eben immer noch, und nicht einmal in dörflichen Regionen, so hört man, herrscht stets heile Welt.

Zumindest aber ist der Glaube, dass früher alles besser war, wenn es um Verbrechen in der Stadt geht, tendenziell falsch. Ein Beispiel: Es gab in früheren Jahrzehnten Phasen, da wurde alle paar Wochen im Großraum Augsburg jemand getötet, eine Serie von Frauenmorden in den 60er und 70er Jahren ist bis heute ungeklärt. Die Lage ist heute zum Glück ruhiger, es gibt kaum Tötungsdelikte in der Stadt, von einer Frauenmordserie ganz zu schweigen.

Aber es ist leicht, einen gegenteiligen Eindruck zu gewinnen; zu glauben, es gäbe allgemein viel mehr derartige Delikte als in der Vergangenheit. Das liegt auch schlicht daran, dass man früher vieles, was außerhalb der eigenen Lebensregion passierte, nicht unbedingt mitbekam. Heute gibt es das Internet und damit eine stetige Verfügbarkeit und schnelle Weiterverbreitung von Informationen. Fast unmöglich etwa, zuletzt nichts vom vermissten, mutmaßlich getöteten Mädchens Rebecca aus Berlin mitzubekommen. Noch in den 90ern wäre ein solcher Fall möglicherweise nicht überall so präsent gewesen. Und es geht ja nicht einmal nur um derart herausgehobene Fälle: Jeder kann heute jede Meldung der Polizei deutschlandweit lesen: die Massenschlägerei im Saarland, die Messerattacke in Schleswig-Holstein, die Vergewaltigung im Ruhrgebiet.

Gefühl und Realität klaffen auseinander

Der Augsburger Strafrechtler und Kriminologe Johannes Kaspar hat gegenüber unserer Zeitung einmal gesagt, dass die subjektive Einschätzung der Sicherheit und die Realität seiner Erfahrung nach oft weit auseinanderklaffen. Da dürfte etwas dran sein. Andererseits stimmten in der jüngsten Bürgerumfrage der Stadt knapp 90 Prozent der Befragten der Aussage „In Augsburg fühle ich mich sicher“ zu. Ein erstaunlicher Wert. So dramatisch verunsichert scheint die Augsburger Bevölkerung dann auch wieder nicht zu sein. Polizeipräsident Michael Schwald, der bei der Präsentation der Polizeistatistik 2018 noch gesagt hatte, das Sicherheitsgefühl der Menschen und die tatsächliche Sicherheitslage drifteten seiner Einschätzung nach immer weiter auseinander, wollte diese Aussage bei der diesjährigen Vorstellung der Kriminalitätszahlen so nicht mehr wiederholen.

Ein Blick auf die Zahlen zumindest deutet eine positive Tendenz an. Manche Delikte, die Menschen stark verunsichern können, fasst die Polizei unter dem Stichwort Straßenkriminalität zusammen. Die Zahl dieser Fälle war bereits von 4155 Taten im Jahr 2016 auf 4001 Taten im Jahr 2017 deutlich gesunken. 2018 notierte die Polizei 3732 dieser Delikte im Stadtgebiet.

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