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Augsburg

11.03.2020

Kunden kaufen wegen des Coronavirus in Augsburg die Regale leer

Ein leeres Nudelregal: So war es am Montagabend bei Aldi in der Lechhauser Straße. In vielen Augsburger Supermärkten sind Produkte wie Nudeln, Reis oder Klopapier nur noch spärlich verfügbar.
Bild: Michael Hörmann

Plus Hamsterkäufe in Augsburgs Supermärkten? Sie gibt es. Die Sorge vor dem Coronavirus zeigt sich im Einkaufsverhalten der Kunden. Viele Läden kommen kaum hinterher.

Es mag eine Momentaufnahme sein, die aber viel über das Verhalten verunsicherter Bürger aussagt, ausgelöst durch die weitere Ausbreitung des Coronavirus: Am Montagabend gegen 19.30 Uhr ist bei Aldi in der Lechhauser Straße das Nudel-Regal komplett leer geräumt. Ein paar Meter davon entfernt ist das Klopapier ausverkauft. Kurz vor Ladenschluss bringt eine Aldi-Verkäuferin eine Palette mit Klopapierrollen. Einzelne Kunden, die zu dieser Zeit im Laden sind, greifen sofort zu.

Am Dienstagnachmittag bei Real im Kammgarnquartier bietet sich ein ähnliches Bild: Das Nudelregal ist stark ausgedünnt, auch beim Reis klafft eine Lücke im Verkaufsregal. Fleisch- und Fischkonserven sind teilweise ausverkauft, ebenso wie Gemüsekonserven und Doseneintöpfe. Ein Kunde, der lieber anonym bleiben möchte, packt noch zwei Gläser eingelegte Pfirsiche in seinen bereits vollen Wagen.

Coronavirus: So reagieren die Kunden in Augsburgs Supermärkten

Die Nachricht, dass Italien komplett zur Sperrzone geworden sei, bereite ihm Sorgen. Und Vorsicht sei immer noch besser als Nachsicht. „Wenn die Lage in Deutschland doch stabil bleibe, verbrauchen wir die Vorräte einfach im nächsten Campingurlaub. Die Sachen halten sich ja lange.“ Als „Prepper“, also jemand, der sich extensiv auf eine mögliche Katastrophe vorbereitet, möchte er sich nicht bezeichnen, er sei lediglich vorsichtig.

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Dass Kunden vermehrt auf Vorrat einkaufen, bestätigt Jasmin Voigthaus, Pressesprecherin von Real. Vor allem Konserven und haltbare trockene Produkte wie Nudeln und Reis seien sehr beliebt. Die Nachfrage von haltbaren Lebensmitteln übersteige sogar das Weihnachtsgeschäft. Auch wenn man die Lagerhaltung bereits angepasst habe, zeigen die Regale: Die Nachfrage ist noch immer höher als erwartet.

Ömer Yilmaz, Geschäftsführer des Hüdaverdi-Supermarkts in der Jakobervorstadt hingegen sieht sich gut gerüstet: „Falls doch einmal eine Transportsperre kommt, haben wir unser Lager vorsorglich mehr gefüllt als sonst.“ In den letzten beiden Monaten habe sich sein Umsatz deutlich erhöht, bis zu 40 Prozent mehr als vorher. Bisher seien keine Lücken in seinen Regalen sichtbar. Er betreibe eine andere Lagerstrategie als die großen Supermarktketten, erklärt er. Während diese von einem Zentrallager beliefert würden, und somit länger bräuchten, um ihre Bestände anzupassen, habe er ein eigenes Lager innerhalb des Gebäudes und könne flexibler nachbestellen.

Hamsterkäufe wegen des Coronavirus: Verkaufspersonal will nicht reden

Auch bei Rewe am Textilmuseum sind die Regale noch gut gefüllt, nur wenige Produkte sind ausverkauft. An Frischwaren wie Obst, Gemüse und Fleisch mangelt es bisher keiner der unter die Lupe genommenen Filialen. Zum Kundenverhalten will sich das Verkaufspersonal in vielen Geschäften nicht äußern. Verwiesen wird auf die jeweilige Pressezentrale des Konzerns.

In Zeiten des Coronavirus sind auch Drogerieartikel sehr gefragt: Bei Real sind die meisten Seifen ausverkauft, bei Aldi ist die Auswahl eingeschränkt.

Desinfektionsmittel – ob als Gel, Spray oder Einwegtücher – ist fast überall ausverkauft, zeigt ein Streifzug durch die Geschäfte in Augsburg.

Das Einkaufsverhalten wird momentan auch sehr intensiv in den sozialen Netzwerken diskutiert. „Das ist doch verrückt“, lautet einer der Beiträge – er ist eine Reaktion auf ein Foto, das ein Bild eines leeren Nudelregals zeigt.

Alle aktuellen Nachrichten zum Coronavirus finden Sie bei uns im Live-Blog: Erste Infektion im Kreis Günzburg, weitere Fälle im Kreis Aichach-Friedberg

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Die Diskussion ist geschlossen.

11.03.2020

An die Autoren: "Und Vorsicht sei immer noch besser als Nachsicht"
Nachsicht = https://www.duden.de/rechtschreibung/Nachsicht
Nicht zu verwechseln mit "das Nachsehen haben"

Permalink
11.03.2020

>> Das Einkaufsverhalten wird momentan auch sehr intensiv in den sozialen Netzwerken diskutiert. „Das ist doch verrückt“, lautet einer der Beiträge ... <<

Wenn man Berichte aus Italien liest, ist da gar nichts verrücktes dran...

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/aerzte-in-mailand-der-verzweiflung-nahe-16672571.html

>> Nun aber sei auch bei jüngeren, gesunden Patienten der Verlauf immer öfter schwerwiegend. <<

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