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Kunst
28.06.2017

Welches Buch ist das schönste im Land?

Außergewöhnliche Sorgfalt in der Herstellung und im äußeren Erscheinungsbild weist der „Architekturführer Köln“ auf.
Foto: Verlag Walther König

Jedes Jahr werden 25 Titel prämiert, die sich in ihrer Gestaltung und Herstellung hervorheben. Die Unibibliothek zeigt die ausgezeichneten Bücher des vergangenen Jahres. Eines davon ist besonders preiswürdig

Frau Roth, die Stiftung Buchkunst zeichnet jedes Jahr die schönsten Bücher aus. Wie lange gibt es diesen Wettbewerb und wie kam es überhaupt dazu?

Die Stiftung Buchkunst führt diesen Wettbewerb seit 1966 durch. Letztes Jahr hatten wir damit 50-jähriges Jubiläum. Der Wettbewerb wurde damals ins Leben gerufen, um nicht nur dem Kulturgut Buch, sondern auch dem gut gemachten Buch ein Forum zu bieten und herausragende Leistungen in Buchgestaltung, -herstellung und -konzeption hervorzuheben und zu prämieren.

Da es diesen Wettbewerb schon so lange gibt, ist er also keine Gegenreaktion auf die Digitalisierung des Buches.

Nein, ganz und gar nicht. Ursprünglich war es eine Gegenreaktion auf das Taschenbuch, das auf den Markt kam und immer wichtiger wurde, weil es günstiger war. Die Branche hatte damals regelrecht Angst davor, dass es das Geschäft kaputt macht. Dasselbe Phänomen gab es dann ein paar Jahrzehnte später mit Hörbüchern und jetzt mit den E-Books.

Ist festzustellen, dass die Verlage, als Folge der Digitalisierung, beim haptischen Buch wieder mehr Wert auf eine gute Verarbeitung legen?

Das stellen wir tatsächlich immer wieder fest. Und eigentlich ist es fast ironisch, dass uns die Digitalisierung da wieder in die Hände spielt. Aber jeder Inhalt hat seine Form – und manche Inhalte haben ihre Berechtigung als E-Book und andere nicht.

Welche Kriterien gibt es beim Wettbewerb für die schönsten Bücher?

Sehr viele. Unsere Jury sieht sich jedes der eingereichten Bücher an, der Inhalt steht aber nicht im Vordergrund. Es wird mal der Klappentext oder auch mal quergelesen, um das Thema und das Genre zu erfassen, das ist aber nicht maßgeblich. Die Jurymitglieder informieren sich also, ob es ein Krimi oder ein Poesieband ist, weil der Inhalt die Form vorgibt. Dann wird das Buch von innen nach außen und von außen nach innen geprüft. Es geht um den Satz, um die Typografie, um die Innengestaltung, um die Papierwahl, die Ausstattung, etwa Lesebändchen und Fadenheftung. Der Druck wird beurteilt, die Buchbindung, der Umschlag. Es ist ein Zusammenspiel aus sehr vielen Kriterien, das ein Buch zum „Schönsten Buch“ macht.

Es geht also nicht nur um ein besonders aufregendes Cover?

Nein, durchaus nicht. Natürlich ist es einfach, in einer Kategorie wie dem Kunstbuch zu punkten, für das ja oft auch große Budgets zur Verfügung stehen. Aber die Jury achtet auch darauf, einfach gemachte Bücher zu prämieren, also etwa ein einfaches Lesebuch, das weder Illustrationen oder einen im Dunklen leuchtenden UV-Lack auf dem Cover hat und in der Produktion günstig war. Denn auch diese Bücher muss es geben.

Machen Sie Trends in der Buchproduktion aus?

Ja, man erlebt jedes Jahr neue Dinge. Aber ein Trend, der jetzt schon ein paar Jahre anhält, ist der Farbschnitt. Auch der offene Rücken ist ein Trend. Dabei ist die Buchbindung nicht durch einen Karton verdeckt, das heißt, man sieht den Faden und den Kleber, was sich bei entsprechender Farb- und Materialwahl sehr ästhetisch in die Gesamtgestaltung integrieren lässt. Bei den Kinder- und Jugendbüchern sehen wir einen Trend hin zum Querformat.

Sie wählen 25 Bücher in fünf Kategorien aus. Welche sind das?

Allgemeine Literatur, Fach- und wissenschaftliche Literatur, dazu gehören auch Schulbücher. Die dritte Kategorie sind Ratgeber, dann Kunstbücher und Ausstellungskataloge und zuletzt die Kinder- und Jugendbücher.

Aus den 25 prämierten Büchern wählt eine Sonderjury dann noch einmal das schönste der schönsten Bücher. Welcher Titel gewann 2016 das Rennen?

Das ist der Preis der Stiftung Buchkunst, der mit 10000 Euro dotiert ist. Dafür kommt eine Sonderjury zusammen. Die Intention dieses Preises ist es, ein Signal an die Branche zu geben. 2016 gewann der „Architekturführer Köln“, ein Ratgeber. Gerade in dieser Kategorie gibt es viele Neuerscheinungen, die nicht von großer Sorgfalt in der Herstellung zeugen. Es war an der Zeit zu zeigen, dass ein Ratgeber auch so aussehen kann wie dieser Architekturführer. Interview: Birgit Müller-Bardorff

„Die schönsten deutschen Bücher“ in der Zentralbibliothek der Universität vom 29. Juni bis 30. Juli. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 8.30 bis 24 Uhr, Samstag von 9.30 bis 24 Uhr und Sonntag von 12 bis 20 Uhr

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