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Augsburg

18.01.2019

Leserbriefschreiber: "Manchmal hasse ich es, in Augsburg zu leben"

Die Cafés auf dem Rathausplatz sind ein beliebter Treffpunkt in Augsburg. Aber nicht jeder fühlt sich in Augsburg wohl.
Bild: Silvio Wyszengrad

Rüdiger Bergmann schimpft in einem Leserbrief in einer Münchner Zeitung über die Augsburger. Wir wollten wissen, warum er mit den Menschen hier nichts anfangen kann.

Es sind 17 Jahre vergangen, seitdem Rüdiger Bergmann von München nach Augsburg gezogen ist. Trotz der langen Zeit kann er sich immer noch nicht mit der Fuggerstadt anfreunden. Er findet die Menschen hier abweisend. Aber sind die Augsburger tatsächlich so verstockt, wie er es unlängst in einem Leserbrief beschrieb?

„Das menschliche Wesen in Augsburg ist, egal ob weiblich, männlich oder divers veranlagt, etwas ganz Besonderes“, beginnt der 61-Jährige seinen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung und legt mit negativen Beispielen los. Einführungsreden von Kulturveranstaltungen seien in Augsburg nach seinen Worten eintönig und klängen wie das „Vater unser“, in dem das Wort „Vater“ durch „Jakob Fugger“ ersetzt werde. Er berichtet von irritierten Bäckereiverkäuferinnen, weil man ihnen erst mal einen guten Morgen wünsche, bevor man einkaufe. Außerdem würden sich Augsburger auf der Straße oft demonstrativ wegdrehen, wenn man sie als Fremder anspräche – so sind seine Erfahrungen.

Leserbriefschreiber: "Die Augsburger sind verstockt, zurückhaltend, wortkarg"

„Die Augsburger sind verstockt, zurückhaltend, wortkarg – sie sprechen bloß kein Wort zu viel“, fasst Rüdiger Bergmann gegenüber unserer Redaktion zusammen. Diese Eigenheiten frustrierten ihn schon lange. Als er neulich in der Münchner Zeitung einen Artikel über Augsburgs Stadtpolitiker und deren häufige Parteiwechsel las, ergriff er die Gelegenheit. Er verschaffte sich Luft über den Augsburger an sich. „Für mich war der Leserbrief wie eine Art Befreiung“, meint er bei einem Glas Tee im Café Moritzpunkt. Wir waren neugierig, wer dieser Mann ist, der die Augsburger nicht leiden kann und trafen uns deshalb mit ihm.

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Wie Bergmann erzählt, ist er in den USA geboren und in München aufgewachsen. In Berlin habe er Landschaftsplanung studiert, sei aber nach München zurückgekehrt. Die Berliner lagen ihm nicht, sagt er. Er selbst bezeichnet sich als Sozialkünstler. Der alleinstehende Mann arbeitet als Quereinsteiger in sozialen Berufen, momentan ist er arbeitslos. Nach Augsburg kam Bergmann 2002, als er eine Wohnung suchte. Ein Bekannter hatte ihm damals gesagt, dass der Wohnungsmarkt entspannter sei als in der Landeshauptstadt. Und die Münchner findet er zugänglicher als die Augsburger?

„Die Münchner sind schon hochnäsig. Da dauert es auch, bis man jemanden kennenlernt“, räumt er ein. Aber der Unterschied sei der Einstieg. „Ich kann mich in München in einen Biergarten setzen, jemandem zuprosten und komme ins Gespräch. Der entscheidende Unterschied ist, in Augsburg spüre ich dieses Anschweigen.“ Typisch für die Fuggerstadt findet Bergmann folgende Situation: Man will sich in einer Kneipe oder im Biergarten an einen Tisch dazu setzen, wird aber darauf hingewiesen, dass da noch jemand kommt. Nur – es kommt eben keiner mehr. „Es gibt Momente, da hasse ich es, in Augsburg zu leben - nämlich wenn sich solche Erlebnisse an einem Tag häufen“, sagt er ehrlich. Derzeit suche er auch wieder in München einen Job. Ob er nicht etwas verbiestert sei?

Was Rüdiger Bergmann an Augsburg mag

„Nein“, sagt Rüdiger Bergmann „So würde ich mich nicht bezeichnen. Ich bin nur etwas frustriert über die Art. Ich bin da aber auch wieder schnell rauszuholen nach einer kurzen netten Begegnung.“ Ob sich die Augsburger in den 17 Jahren, in denen er hier lebt, verändert haben, mag er nicht beurteilen. „Ich habe mich zurückgezogen. Vielleicht sind die jüngeren Menschen aufgeschlossener, aber zu Studenten habe ich keinen Kontakt.“

Manches aber mag er an Augsburg. Im Sommer radelt er gerne zum Baden an den Auensee. Der sei landschaftlich so schön. Aber auch am See findet er nicht alles perfekt: „Nur die lechgewandte Seite ist super. Auf der anderen ist es sehr voll und dort gibt es nur oberflächliches Geschwätz. Auf meiner Seite findet man wenigstens jemanden, mit dem man sich unterhalten kann.“ Rüdiger Bergmann wollte sich übrigens nicht fotografieren lassen. Nach früheren Leserbriefen von ihm, die in unserer Zeitung veröffentlicht wurden, habe er anonyme Briefe und Anrufe erhalten – darunter auch Beschimpfungen. Dies wollte er sich bei diesem Thema nicht antun.

Sein Leserbrief über das Wesen der Augsburger kam in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung in München offenbar gut an. Denn wie er erfahren haben will, soll man sich da vor Lachen auf die Schenkel geklopft haben. Gerne würde Rüdiger Bergmann Augsburg verlassen. Am liebsten würde er nach Passau ziehen. Von der Offenheit der Menschen dort zeigt er sich begeistert. „Allerdings ist es mit den Jobs dort gerade schwierig.“ Für immer in Augsburg zu bleiben, ist für ihn keine Option. „Um hier alt zu werden, müsste ich schon die große Liebe kennenlernen.“

So reagieren unsere Leser auf die Vorwürfe: Sind die Augsburger wirklich so schlimm?

Wittelsbacher Park, Nikon D7100 / Blende: 7.1 / 1/250 sek/ Iso 100 / Fisheye, Foto: Joscha Zabel
58 Bilder
Augsburg: Das sind die schönsten Fotos unserer Leser
Bild: Joscha Zabel
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21.01.2019

Die teilweise recht gehässigen Kommentare zeigen schon, dass "der Augsburger" sich ins Herz getroffen fühlt. Wie kommts? Selbsterkenntnis? In Augsburg war es immer schon so, dass man mit den großen mitpinkeln möchte, aber die Dackelbeine bleiben.

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21.01.2019

Wenn die Klugen immer nachgeben, regieren die Dummen die Welt...

Ansonsten befindet sich dieser Kommentar auf dem Niveau mittelalterlicher Hexenverbrennungen; wer sich nicht wehrt wird verbrannt - wer sich wehrt wird erst recht verbrannt.

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21.01.2019

Spätestens dann, wenn man das Gefühl hat, dass es um einen herum nur A...löcher gibt, sollte man seine eigene Position überdenken!

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21.01.2019

" Er in den USA geboren und in München aufgewachsen. In Berlin habe er Landschaftsplanung studiert, sei aber nach München zurückgekehrt. Die Berliner lagen ihm nicht, sagt er. Er selbst bezeichnet sich als Sozialkünstler. Der alleinstehende Mann arbeitet als Quereinsteiger in sozialen Berufen, momentan ist er arbeitslos."
Außerdem scheint er eine große Sympathie zu einer links-grünen Zeitung zu besitzen !
Dies alles würde ihn geradezu ideal in das Politikerprofil einer monentan erfolgreichen Partei katapultieren. Dort finden sich massenhaft Leute, die nichts gelernt haben und glauben ihren Mist absondern zu müssen.
AUGSBURG UND SEINE BÜRGER MUSS MAN KENNEN -- UM ES/SIE ZU MÖGEN.
Dies jemals versucht zu haben, spreche ich Ihnen ab, Herr Bergmann.
Entschuldigend ist eigentlich nur die Tatsache, daß nur mehr jeder Zweite wirklich auch Augsburger ist !

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20.01.2019

Ich würde die Überschrift noch korrigieren. Ich würde "manchmal" ersetzen durch "immer". Darüberhinaus kann man in Augsburg nicht "leben". Hier kann man nur schlafen. Sonst gibt es nichts.

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20.01.2019

Vollkommen richtig. Dem Herrn Bergmann kann ich zu 100 % zustimmen. Auch wenn ich noch nie in München gewohnt habe gebe ich als Wohnort grundsätzlich München an weil ich mich schämen würde als Augsburger erkannt zu werden. Kürzlich habe ich mich in einem ICE mit einem Zugbegleiter unterhalten und diesen nach den unsympathischten Fahrgästen gefragt. Kein Wunder das er die Augsburger als die Deutschlandweit am unsympathischten genannt hat. Persönlich fahre ich lieber nach Ingolstadt oder Düsseldorf zum einkaufen. In Augsburg habe ich seit 20 Jahren keinen Cent ausgegeben und werde dies auch nicht tun. Für mich eindeutig die schlimmste Stadt Deutschlands vor allem wegen der Menschen. Es bleibt dabei, das Beste an dieser Stadt ist die Autobahn oder die Bahnstrecke nach München. Sage ich als in Augsburg aufgewachsener, lebender und arbeitender. Zum Glück bin ich im Aussendienst tätig und sehe dort auch angenehme Städte. Wobei im Vergleich zu Augsburg sogar Duisburg Marxloh für mich besser abschneidet.

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20.01.2019

Coole Sache: kaum behauptet irgend so ein Troll in einer einschlägig bekannten Münchner (!!) Zeitung seine eher uninteressante Privatmeinung - Simsalabim - großes Kommentatoren-Echo. Kommentare zu Themen, die unser Leben viel stärker beeinflussen - Fehlanzeige, Köpfle in den Sand. Ist das jetzt Augsburg-typisch oder eher allgemein so?

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20.01.2019

Die Menschen treibt nicht nur der komische Typ an, sondern auch der Umstand, dass der Leserbrief durch eine angeblich seriöse Zeitung gedruckt wird!

Bei jedem Mist reitet die SZ auf Toleranz und Viefalt herum, aber auf Augsburg kann man dann sein Hetzerherz gut ausschütten. Es muss nur eine wenig erfolgreiche Existenz mit sozialem Mäntelchem antreten, dann brennt die Sicherung durch und merkwürdiger Humor erfasst die Redaktion...

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19.01.2019

ich lebe hier seit dem 8. November 1984 .... und am liebsten mag ich Hochzoll .... am Lech, die Ruhe, ab und zu ein Nordic Walker :) vorbei geht, Vöglein zwitschern ... so Herr Bergmann machen sie Ihre Augen auf oder singen Sie mit mir ... "Es ist so cool hier, echt cool, Augsburg Friedensstadt" ...

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20.01.2019

Hochzoller sind keine typischen Augsburger. Herr Bergmann meint eher die alteingesessenen Stadtmitte-Augsburger. Was ich leider als in Augsburg geborenen bestätigen muss.
Ich hatte einen Handwerksbetrieb in der Stadtmitte und auch in einem angrenzenden Landkreis und habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Augsburger-Pfennigfuchser, woanders bekommt man einen Kaffee.
In Augsburg bekommt man wortlos einen Strafzettel, in Dresden ein Karte mit Parkmöglichkeiten, das ist der Unterschied. Augsburg ist eine wunderschöne Stadt, zum Glück sind nicht alle so.

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19.01.2019

Dieser Herr Bergmann hat wohl in erster Linie ein Problem mit sich selbst und nicht mit "den Augsburgern", die es sowieso nicht gibt.

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19.01.2019

Ich lebe seit knapp 10 Jahren als zugezogenen Saarländer in Augsburg. Ich habe auch etliche Jahre in Berlin und im Ausland gelebt (Spanien, Mexiko, Neuseeland). Ich habe in Augsburg bisher nur sehr selten schlechte Erfahrungen gemacht was das Miteinander betrifft. Wie andere hier schon angemerkt haben: Wie man in den Wald rein ruft ... Aber als arbeitsloser Sozialkünstler dürfte der gute Mann entsprechend umgänglich sein :)

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19.01.2019

In gewissen Punkten hat er schon recht. Etwas altbacken und konservativ ist Augsburg schon, leider. Ich sehe das gerade die jüngeren Augsburger das aufbrechen.

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19.01.2019

>> Er berichtet von irritierten Bäckereiverkäuferinnen, weil man ihnen erst mal einen guten Morgen wünsche, bevor man einkaufe. <<

Sorry, solchen Mist glaube ich einfach nicht.

Dazu wenn dieser Mensch mit der SZ verbunden doch sicher dem Einzelfallglauben anhängt ;-)

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19.01.2019

Wohin wir auch reisen – wir finden doch stets nur uns selbst.

Erwarte weniger von Anderen - dann bleibt Dir Ärger erspart.
Konfuzius

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19.01.2019

Lösung: Einfach wegziehen! Herr Bergmann hat Erfahrung darin, siehe Berlin, die mochten Ihn ja auch nicht.
Vielleicht sollte er das Problem mal bei sei sich selber suchen!?!?!

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19.01.2019

Rüdiger Bergmann sollte sich am KÖ mit einem Schild auf die Fliesen setzen: "Bitte um eine Spende, damit ich Augsburg verlassen kann". Wetten, dass er in Kürze Millionär wäre !!!

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18.01.2019

Naja, wenn man so negativ eingestellt ist, mögen die anderen vielleicht auch nicht mit einem reden? Auch ich wohne seit 2003 in Augsburg und habe schon sehr viele nette Gespräche mit Fremden in Cafés, auf der Straße oder in Bäckereien geführt.

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18.01.2019

Ich zitiere Herrn Rüdiger Bergmann " Am liebsten würde er nach Passau ziehen" Dann sage ich mal viel Glück in Passau und Kopf hoch beim nächsten Hochwasser. Reisende soll man nicht aufhalten.

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