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Kommentar

29.09.2017

Linus Förster ist nie erwachsen geworden

Linus Förster muss ins Gefängnis.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Linus Förster steht vor dem Scherbenhaufen seiner Polit-Karriere und muss nun fast vier Jahre ins Gefängnis. Das Urteil für den Ex-Abgeordneten ist angemessen. Ein Kommentar.

Fünf Tage lang hat sich das Augsburger Landgericht mit dem Sexualleben, den psychischen Problemen und den Straftaten von Linus Förster beschäftigt. Jetzt ist es vorbei, und das ist gut so. Es ist gut für den Angeklagten. Er hat die nervenaufreibenden Auftritte vor der Öffentlichkeit hinter sich und kann sich jetzt im Gefängnis besinnen.

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Es ist gut für die Opfer. Sie können nun hoffentlich endgültig mit den Vorfällen abschließen, die sie zum Teil bis heute erheblich belasten. Und es ist grundsätzlich gut, dass man sich nicht länger mit dem peinlichen, pubertären Verhalten eines Ex-Politikers befassen muss.

Vor Gericht hat sich bestätigt, was schon lange zuvor zu hören war: Linus Förster ist nie erwachsen und reif geworden. Er ist mit seinen 52 Jahren ein selbstverliebter Jüngling geblieben, der Bestätigung nur noch beim Sex gefunden hat. Eine Frau reichte ihm meist nicht, er brauchte mehrere Affären gleichzeitig. Er ist seit seiner Jugend ein Getriebener, der immer im Mittelpunkt stehen wollte – als Sänger auf der Bühne, als Politiker, im Kreise von Freunden. Das hat lange funktioniert und wäre weiter nicht schlimm. Ein reges Sexualleben ist ja nicht strafbar.

Linus Förster ist nie erwachsen geworden

Linus Förster: Vom Politiker zum Triebtäter

Doch als ihm die gewünschte Anerkennung nach und nach versagt geblieben ist, drehte sich die Spirale des Narzissmus immer schneller. Er fuhr mit Vollgas auf eine Wand zu und war nicht mehr in der Lage, zu bremsen. In gewissem Maße hat er eine psychische Störung, er hat sich ja auch selbst in Therapie begeben.

Doch es war zu spät. Linus Förster konnte seinen Trieb nicht mehr beherrschen, obwohl er wusste, dass es in die falsche Richtung ging: schlafende Frauen zu missbrauchen, sie dabei zu filmen, sich mit Kinderpornos zu beschäftigen – irgendwann hat der Ex-Politiker die richtige Bahn verlassen. Er war süchtig geworden nach einer pervertierten Form von Selbstbestätigung und zeigte keine Skrupel mehr. Und er wusste, was er tat.

Im Gefängnis hat Linus Förster Zeit zum Nachdenken

Seiner Partei, der SPD, hat Förster jahrzehntelang treu gedient. Er hat sich hochgearbeitet bis zum schwäbischen SPD-Chef und Landtagsabgeordneten. Er galt lange als Hoffnungsträger, weil er so authentisch und unkonventionell wirkte. Freunden und Parteikollegen war das auf Dauer suspekt. Sie rieten ihm, endlich seriöser aufzutreten. Er schlug die Warnungen in den Wind. Politisch geliefert hat Linus Förster letztendlich nicht viel. Der rasche Rückzug aus sämtlichen Ämtern und aus der Partei war der letzte Dienst, den er der SPD erweisen konnte.

Linus Förster wird jetzt noch lange im Gefängnis über seine Fehler nachdenken können. Das Urteil ist angemessen. Es berücksichtigt zum einen, dass der Ex-Abgeordnete seinen Opfern Schlimmes angetan hat. Zum anderen macht es Linus Förster aber nicht zu einem gewissenlosen Schwerverbrecher. Wie hat Verteidiger Walter Rubach so schön gesagt: Die gesellschaftliche Vernichtung des früher beliebten Politikers ist die größte Strafe. Sie trifft Förster härter als jede Strafe, die ein Gericht aussprechen kann. Es wäre ihm als Mensch zu wünschen, dass er sich endlich seinen Selbstzweifeln und Ängsten stellt. Und es wäre auch für die Gesellschaft wichtig, damit sich solche Straftaten nicht wiederholen.

GEORG SCHMID (CSU) wurde im Zuge der Verwandtenaffäre 2015 zu einer Bewährungsstrafe plus Geldauflage verurteilt. Der Ex-Spitzenpolitiker aus Donauwörth hatte seine Frau als Scheinselbständige beschäftigt. Er ist kein Mitglied des Landtages mehr.
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Gegen diese Landtagsabgeordneten wurde ermittelt
Bild: Fred Schöllhorn
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