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12.05.2010

Majestätische Größe

Ein uralter Stoff und doch birgt der Plot von Samson auch heutzutage brisanten Zündstoff. Als Oper wie als Oratorium hat er sich musikalisch ausgeprägt. Es überraschte nicht, dass "Samson" zu den dramatisch zündendsten Händel-Werken zählt, wie die packende Aufführung des Schwäbischen Oratorienchores in ev. St. Ulrich unterstrich.

Aufgebot und Besetzung sind ebenso stattlich wie vielfältig, um all die Facetten zu erfassen, den Weg von der Intrige zur Katastrophe auszuschreiten und die biblische Tragweite "des Siegers im Tode" zu erfassen. Souverän bündelte Dirigent Stefan Wolitz die Kräfte: Das Orchester, gebildet aus dem Bayerischen Staatsorchester, wie der kompakt und dicht besetzte Chor wuchsen mit den Solisten zu jener homogenen Einheit, um auf "barocker Breitwand" in zweieinhalb Stunden dramatische Zuspitzung und lyrische Tiefenwirkung imaginär über die Bühne zu bringen.

Zwingend profilierten sich die Antipoden, aus ihrer individuellen Seelenlage heraus erwuchs die Konfrontation. Einen Samson voller Charakterstärke und Zuversicht sang Colin Balzer: sensibel für die Gemütsverfassung des Protagonisten, vital im Duett mit Delila, als Tenor heldenhaft im Konflikt. Dem Philister-Riesen gab Christian Villiger - ebenbürtig auf Augenhöhe - markant geschmeidige Bass-Fülle. Über den Oratorienchor in der Rolle der Israeliten und Philister eskalierte der Glaubenskonflikt vehement: Hier das appellative "Hör, Jakobs Gott", dort das imposante homo- und polyphone Wechselspiel des singenden, tanzenden Dagon-Kults, als Klimax dann der Doppelchor, wo beide Seiten kühn aufeinanderprallen. Fulminant diese Steigerung, Chordynamik par excellence!

Priska Esers Sopran als Delila in Arie und Chor der Jungfrauen rückte bezirzend nahe, während Micah als treuer Freund wie Manoah als fürsorglicher Vater aus Sorge um Samson handeln. Altus Stefan Görgner gewann im lyrischen Espressivo noch größere Ausstrahlung als in den Rezitativen: berührend seine Totenklage. Benjamin Appl, ein frischer Bariton, wuchs zusehends in seine fein gezeichnete Vaterrolle hinein, ohne allerdings schon voll darin aufzugehen.

Klangschön und nuanciert formte sich unter Wolitz' Hand das Orchester aus: pompös in der Ouvertüre, flexibel und geschmeidig in der Begleitung, klangmalerisch und voller Klangfinesse. Die volle Ulrichskirche stand im Banne des Geschehens: eine mitreißende Interpretation.

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