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Augsburg

20.08.2020

Markenstreit: Ist Spatzi dem Augsburger Spezi zu ähnlich?

Das Augsburg Brauerei Riegele stellt das Cola-Mix-Getränk Spezi her - und hat den Namen schützen lassen.
Bild: S. Wyszengrad (Archiv)

Eine Brauerei in Wunsiedel hat einen Cola-Mix namens "Spatzi" auf den Markt gebracht. Dem Augsburger Spezi-Hersteller Riegele passte das überhaupt nicht.

Marken gehören zum wertvollsten Besitz jedes Unternehmens. Es dauert lange und kostet meist viel Geld, sie aufzubauen – sie zu beschädigen geht dagegen ganz schnell. Kein Wunder also, dass Sebastian Benedikt Priller, Chef der Brauerei Riegele in Augsburg, alarmiert war, als er von dem vermeintlichen Coup der Lang-Brauerei aus Wunsiedel hörte.

Die hatte über Monate an einer neuen Limonade getüftelt und die dann unter dem Namen „Spatzi“ auf den Markt gebracht. Beworben werden sollte das Cola-Mischgetränk mit dem Slogan „Spatzi – Don’t call it Spezi“. Sollte. Denn „Spatzi“ stand gerade einmal einen Tag in den Supermarkt-Regalen, als Richard Hopf, der Brauerei-Chef aus Oberfranken, nach eigener Aussage Post aus Augsburg bekam. Das Brauhaus Riegele ließ sich bereits im Jahr 1956 den Namen Spezi schützen und drohte ihm nun mit einer einstweiligen Verfügung.

Augburger Brauhaus Riegele klagt gegen den Oberfränkischen Cola-Mix

Riegele-Chef Priller hat die Sache etwas anders in Erinnerung. Doch dazu gleich. Unstrittig ist erst einmal, dass Spezi eine Augsburger Erfindung ist. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hat Riegele ein Bier unter diesem Namen auf den Markt gebracht. Dafür wurde später der Name geschützt, zusammen mit dem Slogan „Ein Spezi muss dabei sein“. Doch schon damals stellte Riegele auch Limonaden her – und war ein sehr experimentierfreudiges Unternehmen. Denn als man feststellte, dass in der Gastronomie häufig Orangenlimonade mit Cola gemischt wurde, entschloss man sich, das Mischgetränk gleich selbst fertig anzubieten. In der Folge wanderte der Name „Spezi“ vom Bier zur Limonade – und wurde längst zur wertvollen Marke. Heute wird Spezi außer von Riegele von sieben weiteren bayerischen Familienbrauereien in Lizenz abgefüllt und von einem eigenen Verband mit Argusaugen bewacht.

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„Was die Kollegen in Oberfranken gemacht haben, war eine eindeutige Markenrechtsverletzung“, sagt Sebastian Benedikt Priller. „Spatzi“ sei nicht nur phonetisch viel zu nahe beim Original. Auch im Schriftbild habe man sich bei der Konkurrenz zu stark an das Augsburger Produkt angelehnt. „Man kann ein neues Papiertaschentuch auch nicht ,Timpo‘ nennen“, sagt Priller. Auch um die anderen Lizenznehmer zu schützen, sei man rechtlich verpflichtet gewesen zu handeln. Doch man habe es nie auf einen Rechtsstreit angelegt.

Eine Flasche des Cola-Mix "Spatzi" steht im Lager der Brauerei "Lang-Bräu".
Bild: Nicolas Armer, dpa

Acht Brauereien dürfen Spezi abfüllen - sie haben eine Lizenz

„Wir hätten eine einstweilige Verfügung erlassen können und die Brauerei Lang zwingen, den Verkauf zu stoppen und alle Werbemittel zu vernichten. Aber wir sind auch ein Familienunternehmen und unter Kollegen wollten wir das nicht“, beteuert Priller. Stattdessen habe man in Wunsiedel angerufen und sich gütlich geeinigt: Bis Ende August könne der „Spatzi“-Bestand noch abverkauft werden, dann muss Schluss sein. Schließlich habe man über Jahre „extrem viel Mühe, Geld und Ressourcen in den Markenaufbau gesteckt“, erläutert Priller. Wenn nun Trittbrettfahrer davon profitieren wollten, sei das nicht korrekt.

Spatzi-Hersteller: "Geschockt, dass uns die Brauerei Riegele einen Riegel vorschiebt"

„Wir wollten in keinster Form irgendeinen Angriff starten“, beteuert Richard Hopf. In der siebten Generation brauen sie in Wunsiedel nun schon Bier, jetzt wollten sie eben eine eigene Limonade entwickeln. „Wir haben halt einfach erkannt, dass es trendig, kultig wird. Wir wollen auch was Alkoholfreies in der Bierflasche anbieten.“ Ein halbes Jahr hätten sie an der Rezeptur getüftelt, mit einer PR-Agentur den Slogan entwickelt und ja sich auch von Patentanwälten beraten lassen. Zumindest bei „Spatzi“ hätten die Anwälte keine Probleme gesehen. „Der Name steht einfach für eine Person, die man gern mag. Für was Süßes, Vollmundiges“, meint Rudolf Hopf, der als Bruder ebenfalls in der Familienbrauerei mit anpackt. Also meldeten sie „Spatzi – don’t call it Spezi“ als Wort- und Wort-Bild-Marke an.

Bei der Anmeldung werde zwar kontrolliert, ob alle Voraussetzungen stimmen. „Das Markenamt prüft jedoch grundsätzlich nicht eine Kollision der angemeldeten Marke mit einer älteren Marke“, erklärt Fachanwalt Arthur Kempter von der Kanzlei Hild & Kollegen. Am Ende sei es oft Auslegungssache – auch im Fall von „Spezi“ und „Spatzi“. Am Ende hat Lang-Bräu aber eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Dennoch brodelt es bei den „Spatzi“-Erfindern weiter.

„Wir sind geschockt, dass uns die Brauerei Riegele einen Riegel vorschiebt“, sagt Rudolf Hopf. „Aber wir haben leider keine Kriegskasse.“ Ein Prozess würde mindestens zwei Jahre dauern, in der Zeit müssten sie das Getränk vom Markt nehmen. Also unterschrieben sie die Erklärung doch, hängten alle Plakate ab und löschten jede Werbung im Internet. Selbst die T-Shirts, die die Brauerei mit dem Slogan hat bedrucken lassen, sind längst geschreddert. Unter dem Hashtag #verbotengut sucht die Brauerei in den sozialen Netzwerken aber schon werbewirksam nach einem neuen Namen. (mit dpa)

Lesen Sie dazu auch: Trendgetränke aus Augsburg: Der Gin nach Kundenwunsch

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.08.2020

Rufen Sie mal ihre Frau Spezi statt Spatzi und schauen Sie was passiert, Herr Priller. So nah ist der neue Limoname an ihrem Produktnamen dran. Haben Sie wirklich solche Sorge, dass ein Spatzi ihrem Kolamixgetränk den Rang ablaufen könnte?

Bieten Sie lieber Spezi auch kalorienfrei an, dann könnte ich wieder mal eines trinken und müsste nicht zur amerikanischen Konkurrenz greifen.

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20.08.2020

Selten dämlich, aber ganz besonders diese sogenannten "PatentAnwälte".

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20.08.2020

Das ist ja irgendwie selten dämlich.
Hätten sie das Getränk einfach nur Spatzi genannt, ohne diesen dummen Solgan, hätte es wohl niemand interessiert.
Mit dem Slogan kann ich das Vorgehen von Riegele und Hr. Priller aber voll verstehen.

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