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Augsburg

19.07.2020

Maxstraße: Wie Nachtschwärmer die neuen Regeln finden

Am Wochenende war der Herkulesbrunnen wieder einmal von Nachtschwärmern umringt. Laut Polizei kam es jedoch nicht zu Konflikten.
Bild: Annette Zoepf

Plus Um Auswüchsen im Nachtleben entgegen zu wirken, plant die Stadt ein Maßnahmenpaket. Das findet auch bei den Feiernden Zustimmung. Ein Punkt ist aber umstritten.

Auch an diesem Wochenende ging es im Nachtleben hoch her. Die Polizei meldet Streits und Schubsereien aus der Maximilianstraße, einem aggressiven 25-Jährigen musste ein Platzverweis erteilt werden. Damit es ruhiger wird, will die Stadt neue Spielregeln einführen. Die stoßen bei den meisten Feiernden auf Zustimmung – nur ein Vorschlag löst bei Gastronomen neue Existenzängste aus.

Gegen 23 Uhr ist die Maximilianstraße am Freitagabend gut gefüllt. Vor allem in der Außengastronomie sitzen die Menschen und genießen den lauen Abend. Auch an den vielen „To-Go“-Stationen, an denen man sich Getränke und Cocktails zum Mitnehmen holen kann, kommt das Geschäft richtig in Fahrt. In kleinen Gruppen sitzen und stehen die Menschen am Herkulesbrunnen. Wie immer um diese Zeit, fahren mehr oder weniger aufgemotzte Autos besetzt mit jungen Leuten die Feiermeile auf und ab und ziehen die Aufmerksamkeit durch gelegentliches Gasgeben und Reifenquietschen auf sich.

Anwohner will Autoposer verbannen

„Es wäre so toll, wenn diese Poser mit ihren Autos verschwinden würden“, sagt Anwohner Mario Redinger, der sich mit Freunden zum Feiern am Brunnen getroffen hat. Er genießt es, in der Innenstadt zu wohnen, doch die Autoposer sind ihm ein Dorn im Auge. Auch dass sich die Stadt um mehr Sauberkeit und weniger Müll bemühen will, findet er gut. Ein Problem hat er ausgemacht, das seiner Ansicht nach in der Diskussion bislang zu wenig beachtet wird. „Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, achte ich peinlich darauf, dass ich in nichts Feuchtes trete, überall riecht es nach Urin“, hat er beobachtet. Weil die Klubs und Diskotheken geschlossen haben, fänden die Feiernden keine Toiletten. „Das müsste man dringend lösen“, so der Anwohner.

Ordnungsreferent Frank Pintsch ( CSU) hat ein Konzept vorgestellt, wie künftig das Nachtleben in geordnetere Bahnen gelenkt werden könnte (wir berichteten). Nach dem Willen der CSU soll die Maximilianstraße an Freitagen und Samstagen abends für den Verkehr, mit Ausnahme von Anliegern, gesperrt werden. Die Außengastronomie soll länger öffnen dürfen. In der Maximilianstraße ist bis jetzt um 24 Uhr draußen Schluss, in anderen Bereichen teils schon um 22 Uhr. Nun soll es erlaubt sein, die Außengastronomie bis 1 Uhr nachts zu betreiben. Dafür soll der Verkauf von To-Go-Getränken, der bisher bis 5 Uhr in der Früh möglich war, ab Mitternacht untersagt sein.

Corona bringt Nachtgastronomen in Bedrängnis

„Wenn das kommt, können wir hier endgültig zusperren“, sagt zu diesem Vorschlag der Betreiber der Discothek Nox, Benjamin Jeloucan. Weil seine Disko weiterhin geschlossen bleiben muss, hat er sich komplett aufs To-Go-Geschäft verlegt. „Der Verkauf geht um 23 Uhr richtig los – und dann sollen wir nach einer Stunde wieder zumachen?“, wundert er sich über den Vorschlag. Der Getränkeverkauf stellt für den Nachtgastronomen die einzige Möglichkeit dar, zumindest einen Teil des Schadens zu begrenzen, den die Corona-Krise bei ihm anrichtet. „Wir sind auf ein längeres To-Go-Geschäft angewiesen!“ betont er. Mit den weiteren Vorschlägen des Ordnungsreferenten, nämlich Glasflaschen aus dem Nachtleben zu verbannen und bei den Bechern ein Mehrwegsystem mit Pfand einzuführen, kann Jeloucan dagegen gut leben.

Disco-Betreiber Benjamin Jeloucan hat sich coronabedingt aufs To-Go-Geschäft verlegt. Ihm missfallen die Pläne, den Verkauf dieser Getränke nur noch bis Mitternacht zu erlauben.
Bild: Annette Zoepf

Maxstraße: Was wird aus den Flaschensammlern?

Das Mehrweg-System stößt bei den meisten Nachtschwärmern auf großen Zuspruch, auch wenn einige die Umsetzbarkeit bezweifeln. „Was haben wir vor Corona über Mehrwegbecher und die Vermeidung von Plastik geredet – und jetzt ist hier alles voller Einwegmüll“, sagt eine junge Frau und zeigt auf die leeren Cocktailbecher, die sich am Brunnenrand stapeln. Sie hofft, dass das System so umgesetzt wird, dass auch die Flaschensammler etwas davon haben, die bei einem Flaschenverbot wieder einmal das Nachsehen hätten. Auch an diesem Abend ziehen Flaschensammler durch die Maxstraße und nehmen die Bierflaschen mit, die sonst am nächsten Morgen als Müll auf der Straße landen würden.

Nicht alle wünschen sich eine autofreie Maximilianstraße. „Die Poser sind Tradition, die gehören zum Nachtleben“, findet etwa Max Fabritius. Er hat seine Freunde an diesem Abend zum Herkulesbrunnen mitgenommen. „Für mich ist der Brunnen das Wahrzeichen der Maximilianstraße“, sagt er. Hier zu feiern vermittle einen Eindruck von Normalität, die gerade so dringend notwendig sei.

Wenn der Stadtrat zustimmt, könnten die Vorschläge des Ordnungsreferenten schon ab dem kommenden Wochenende umgesetzt werden. Sie seien ein Versuch, so Pintsch. Sollte der nicht greifen, müsse man relativ schnell auch über schärfere Regeln nachdenken.

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