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19.04.2011

Mit der richtigen Dosis Dramatik

Oratorienchor mit Johannespassion

Fast die Hälfte der Johannespassion von Bach dreht sich um das Aufeinandertreffen Jesu mit Pilatus. Der Dialog zwischen beiden geriet bei der Aufführung des Schwäbischen Oratorienchors am Sonntagabend in ev. St. Ulrich besonders eindrücklich. Bariton Florian Dengler, der sehr klangvoll und würdig, dazu mit passend junger Stimme die Partie des Jesus sang, blieb nach dem Wortwechsel schweigend stehen, während Pilatus (Benjamin Appl) die berühmten Worte „Sehet, welch ein Mensch“ an die Menge richtete.

Solche dezent gespielten Szenen waren auch der musikalischen Aufführung anzuhören. Dirigent Stefan Wolitz, der dem Schwäbischen Oratorienchor mit hochkarätigen Konzerten einen hervorragenden Ruf erworben hat und auch diesmal sehr viele Zuhörer anlockte, wählte den dosiert lautmalerischen, durchaus historisch bewussten Weg. Der große Klangkörper sang ausgezeichnet, dynamisch von sehr leise bis schallend reichend, immer traumhaft präzise; er war in den Chorälen austariert und trotz der Vielstimmigkeit immer durchsichtig.

Die Musiker des Bayerischen Staatsorchesters spielten die Unisono-Partien in „Eilt, ihr angefochtne Seelen“ makellos, die Begleitung mit Viola d’amore in „Erwäge, wie sein blutgefärbter Rücken“ lupenrein und innig und zeigten durch vibratoarmen Ton oder luftige Phrasierung wie in der Sopranarie „Ich folge dir gleichfalls“ Versiertheit in authentisch orientierter Spielpraxis. Das galt vor allem für die kammermusikalisch besetzte Altarie „Es ist vollbracht“, die Mezzosopranistin Stefanie Irányi wunderbar plastisch und intensiv gestaltete.

Die jungen Vokalsolisten waren ausnahmslos hervorragend. Beide Tenöre, obwohl als indisponiert angekündigt, meisterten ihre horrenden Hürden mit großem Können und betörendem Timbre: Mauro Peter als licht verkündender Evangelist, Nam Won Huh insbesondere in der Mittellage mit herrlicher Stimme. Bariton Benjamin Appl (Pilatus und Arien) begeisterte ebenfalls mit souveräner Gesangskunst und -Schönheit, Sopranistin Heidi Meier lupenrein strahlend. Zwei nie langatmige Stunden.

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