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Augsburg

04.08.2020

Mongolei: Wildpferd-Nachkommen aus Augsburger Stadtwald ausgewildert

In Schutzgebieten nahe der Wüste Gobi sollen sich die Urpferde der Mongolei wieder vermehren, nachdem siein ihrer Heimat schon ausgestorben waren. Zum Genpool tragen auch Nachzuchten aus Zoos bei.
Bild: Petra Kaczensky

Plus Am Rande der Wüste Gobi werden Wildpferde in die Freiheit entlassen. Das Beweidungsprojekt im Augsburger Stadtwald und Hengst Grooz spielen dabei eine wichtige Rolle.

Früher weidete die Stute Yanja auf würzigen Kräuterwiesen in der Schweiz. Jetzt muss sie hartes Steppengras am Rande der Wüste Gobi fressen. Damit sollte sie aber zurechtkommen. Asiatisches Steppengras ist die natürliche Nahrung von Przewalski-Wildpferden, die in der Mongolei leben. Sie waren in ihrer Heimat ausgestorben. Inzwischen werden sie neu angesiedelt. Es ist ein ambitioniertes Projekt mit vielen Beteiligten, bei dem auch Augsburg eine wichtige Rolle spielt.

Wildpferd Yanja hat einen Vater namens Grooz. Er lebte mehrere Jahre in Augsburg – in einem speziellen Gehege im Stadtwald. Dort wird mittlerweile seit mehr als einem Jahrzehnt eine kleine Herde von Wildpferden gehalten, die zwei Aufgaben erfüllen soll: Zum einen sorgen sie als lebende Rasenmäher dafür, dass im Naturschutzgebiet Stadtwald filziges Gras kurz gehalten wird und seltene Pflanzen besser wachsen können. Zum zweiten bilden die jungen Hengste einen wichtigen Genpool. Sie werden von verschiedenen europäischen Zoos in Augsburg „zwischengeparkt“. Ziel ist es, später mit den erwachsenen Hengsten die vom Aussterben bedrohte asiatische Wildpferdeart gezielt nachzuzüchten, und zwar in europaweit koordinierten Programmen. Einige wenige von ihnen treten eine lange Reise in die Mongolei an. So sollen die Herden, die in freier Wildbahn unter schwierigen Bedingungen leben, einen breiteren Genpool bekommen. Biologe Norbert Pantel vom Landschaftspflegeverband, der die Wildpferde im Stadtwald betreut, sagt: „Man fühlt sich schon ein bisschen stolz, dass unsere Arbeit mit drin steckt.“

Augsburger Wildpferd Grooz zeugte viel Nachwuchs

Auch Grooz, der in Augsburg heranwuchs, hat für Nachwuchs gesorgt und war sehr erfolgreich. Er kam später zur Zucht in den Schweizer Wildpark Langenberg bei Zürich. Dort zeugte er über die Jahre hinweg 19 Fohlen, darunter die Stute Yanja, die vor fünf Jahren geboren wurde. Yanja lebt mittlerweile wie ein richtiges Wildpferd am Rande der Wüste Gobi. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Der Przewalski-Wildpferdhengst Grooz lebte im Augsburger Stadtwald. Ein Nachkomme, die Stute Yanja, wurde in der Mongolei ausgewildert.
Bild: Petra Kaczensky

„Die Auswilderung von Przewalski-Pferden erfolgt in vielen Schritten“, sagt Pantel. Denn der Wechsel aus einem überwachten Semi-Reservat in Europa in die mongolische Steppe sei auch für Wildpferde relativ hart. Yanja wurde vom Prager Zoo in mehreren Stationen auf die große Freiheit vorbereitet. Vor zwei Jahren flog sie dann zusammen mit weiteren nachgezüchteten Wildpferden in einem tschechischen Militärflugzeug in die Mongolei. Die Transporte seien nicht anders möglich, weil die Gegend sehr abgelegen und unwegsam sei, sagt Pantel. Das Militär wiederum nützt seine Hilfe im Arterhaltungsprogramm für Übungsflüge der Piloten.

Wie Augsburger Abkömmling Yanja in der Steppe lebt

Inzwischen ist Yanja fünf Jahre alt. Sie lebt in dem weitläufigen Naturschutzgebiet „Gobi B“ am Rande der gleichnamigen Wüste. Dort gibt es derzeit über 300 wilde Przewalskipferde in verschiedenen Herden, die sich gut entwickeln. In diesem Jahr kamen bis Ende Mai 26 Fohlen auf die Welt. Yanja hat noch keinen eigenen Nachwuchs. „Durch die große Umstellung ist das aber nicht ungewöhnlich“, sagt Pantel. Allein in dieser Wildnis zu überleben, ist nicht einfach. Zwar sind die Steppengräser nahrhaft. Aber es gibt Fressfeinde wie Wölfe, die Winter können eisig kalt und die Sommer extrem heiß und trocken sein. Vor zehn Jahren waren die klimatischen Bedingungen im Südwesten der Mongolei so hart, dass etwa zwei Drittel der frei lebenden Przewalskipferde starben.

Das große Ziel ist, im Schutzgebiet eine Population aufzubauen, die sich selbst erhalten kann. Mit derzeit 300 Wildpferden sei man auf einem guten Weg, heißt es im neuesten Report der International Takhi Group. Die Organisation setzt sich zusammen mit Zoos und anderen Akteuren dafür ein, dass die Urwildpferde in ihrer Heimat wieder Fuß fassen können. Über 1000 Tiere sollen es einmal im Schutzgebiet werden.

Warum Hengstgruppen für den Genpool so wichtig sind

„Weltweit leben in Zoos inzwischen mehr Przewalskipferde als in ihrer ursprünglichen Heimat in Asien“, sagt Pantel. Der Biologe sagt, es sei wichtig, in Zoos eine stabile Gruppe zu haben, um die Art vor dem Untergang zu bewahren. Der Augsburger Zoo leiste zusammen mit dem städtischen Landschaftspflegeverband, der die Pferde im Stadtwald betreut, wichtige Arbeit. Denn unter den 70 Haltern von Przewalskipferden in Europa gibt es nur sieben Hengstgruppen, die für den Genpool so wichtig sind.

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Bild: Bernd Hohlen

Grooz hat in der Zucht inzwischen ausgedient. Er wurde in der Schweiz geschlachtet und im Tierpark verfüttert, so Pantel. Dies sei eine zulässige Methode im Populationsmanagement. Grooz’ Nachfolger in der Zucht ist nun Wildhengst Spagat, der zuvor ebenfalls einige Jahre in Augsburg gelebt hat.

Vielleicht werden auch einige seiner Nachkommen die Reise in die Mongolei antreten. Das Wiederansiedlungsprojekt im Schutzgebiet Gobi B sei eines der erfolgreichsten bei den Przewalskipferden, sagt Pantel. „Die Zahl der Tiere in ihrer ursprünglichen Heimat ist aber noch nicht so groß, dass die Herden mehrere extreme Jahre wegstecken können.“

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