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Augsburg

23.04.2020

NS-Vergangenheit: Langemarckstraße wird umbenannt

Die Langemarckstraße erhielt während der Zeit der Nationalsozialisten ihren heutigen Namen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Der Augsburger Stadtrat will einen neuen Namen für die Langemarckstraße, die bis 1939 anders geheißen hatte. Warum auch Geld für Gewerbetreibende im Spiel ist.

Die Langemarckstraße in Kriegshaber soll in absehbarer Zeit einen anderen Namen erhalten. Das hat der Stadtrat am Donnerstag mehrheitlich beschlossen. Die Stadt hatte zuletzt ein Dialogangebot an die rund 1000 Anwohner und die dort ansässigen Firmen gemacht, weil der Stadtrat dies vor einer Entscheidung gefordert hatte. Es gab mehrere Bürgersprechstunden im Frühjahr mit mäßigem Zuspruch. Das Ergebnis: 15 Rückmeldungen von Anwohnern und Geschäftstreibenden, von denen 13 eine Umbenennung ablehnten.

Wie berichtet hatte eine von der Stadt eingesetzte Kommission, in der neben Fachleuten und zivilgesellschaftlichen Akteuren auch Stadträte saßen, angeregt, die Langemarckstraße, benannt nach dem Ort einer Schlacht im Ersten Weltkrieg, umzubenennen. Begründung: Schon im Kaiserreich, später noch mehr in der NS-Zeit, sei die Schlacht zu einem Mythos überhöht worden, der die Kriegsbegeisterung und die Opferbereitschaft der Jugend wecken sollte. Nach einem Anstoß der NSDAP in Kriegshaber wurde die Straße 1939 von der Habsburger- in die Langemarckstraße umbenannt.

Langemarckstraße: Gewerbetreibende gegen Umbenennung

Allerdings regte sich vor allem unter Gewerbetreibenden vor Ort Unmut. Sie sehen gewisse Kosten auf sich zukommen, etwa weil sie Briefköpfe und Autobeschriftungen ändern müssen. Auch Einnahmeausfälle seien nicht ausgeschlossen, klagten sie. Auch von einigen Bürgern kamen Einwände. So hieß es etwa, es sei besser, sich mit kritischen Straßennamen mittels eines Hinweisschildes auseinanderzusetzen, statt sie komplett zu tilgen.

Die Langemarckstraße erinnert an eine Weltkriegsschlacht und wurde von den Nazis zu Propagandazwecken umbenannt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Stadt will nun den Gewerbetreibenden bis zu 5200 Euro Kosten gegen Nachweis erstatten, wenn sie etwa Visitenkarten neu drucken, Stempel neu anschaffen oder Kunden via Mails und Flugblätter über ihre neue Adresse in Kenntnis setzen müssen. Zudem wird für alle Anwohner die Änderung von Personalausweis und Kfz-Schein kostenlos vorgenommen.

Augsburg: Neuer Name für die Langemarckstraße noch nicht gefunden

Nachdem es im Herbst schon teils langwierige politische Diskussionen gegeben hatte, inwieweit die Langemarckstraße umbenannt werden muss (die Grünen kritisierten damals die CSU, als diese auf die Bürgersprechstunden pochte), verlief die Diskussion im Stadtrat am Donnerstag kurz und gelassen. Verena von Mutius-Bartholy (Grüne) sagte in Richtung des künftigen Koalitionspartners CSU, die zusätzliche Schleife mit den Bürgergesprächen (die übrigens auch die Kommission empfohlen hatte) sei wohl der richtige Schritt gewesen. Am Ende stimmte der Stadtrat gegen 13 Stimmen (Teile der CSU und Pro Augsburg waren dagegen) für die Umbenennung. Ein neuer Name steht noch nicht fest. Das Geodatenamt soll in den kommenden Monaten einen Vorschlag machen. Zudem wird es Hinweisschilder geben.

Einstimmig hatte der Stadtrat bereits im Herbst beschlossen, dass die Dr.-Mack-Straße beim Bezirkskrankenhaus umbenannt werden soll. Mack war an Zwangssterilisationen während des Dritten Reichs beteiligt. Auch hier soll nach der Corona-Krise ein neuer Name gemeinsam mit dem Bezirkskrankenhaus gefunden werden. Erläuternde Zusatzschilder sollen die Bgm.-Widmeier-Straße, Hans-Watzlik-Straße, Karl-Haberstock-Straße und Professor-Messerschmitt-Straße erhalten, die aber nicht umbenannt werden sollen.

Lesen Sie den Kommentar: NS-Namen: Die Debatte ist in Ordnung

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