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19.11.2009

Nach 1945: Vom Motorroller zum Airbus

Augsburg Die jüngste Epoche von Augsburgs Luftfahrt-Geschichte beginnt etliche Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. 1945 war Deutschland von den Siegermächten mit Flug- und Produktionsverbot für alles belegt, was sich in die Lüfte erheben könnte. Es gab die Messerschmitt-Werke noch, das heißt, was Bomben davon übrig gelassen hatten. Etwa 50 vormalige Flugzeugbauer begannen aufzuräumen und jene Materialien zu verwerten, die irgendwie zu bekommen waren. Also lief 1945 die "Produktion" mit Kochtöpfen, Bau- und Möbelbeschlägen sowie Lockenwicklern an.

Die wirtschaftliche Lage besserte sich, und ab 1948 wurden bei Messerschmitt Fertighäuser gebaut, Stahldachstühle vorgefertigt. 1949 umfasste die Belegschaft 139 Mitarbeiter. 1951 lief eine Nähmaschinen-Produktion an.

Über 20 000 Stück verließen das Werk. Zu dem 1953 auf den Markt kommenden Kabinenroller ("Schneewittchen-Sarg") lieferte Augsburg lediglich Teile. Klein- und Mittelklasseautos folgten, und von 1955 bis 1957 montierte man in den Messerschmitt-Werken fast 15 000 "Vespa"-Motorroller. Erst die Pariser Verträge vom 5. Mai 1955 erlaubten wieder den Flugzeugbau in Deutschland. Bereits 1956 erhielt die Messerschmitt AG erste Wartungsaufträge, im selben Jahr begann der Lizenzbau des französischen Düsentrainers Fouga Magister.

Prototyp durchbrach die Schallmauer

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1959 folgte die Teilefertigung für den Abfangjäger Lockheed F-104G "Starfighter" und den italienischen Erdkampfjäger Fiat G 91. Die industrielle Serienfertigung kompletter Hochleistungsflugzeuge ist in Augsburg durch nationale und internationale Arbeitsteilung seit dem Zweiten Weltkrieg vorbei. Ab Februar 1959 gehörte die Messerschmitt AG zum "Entwicklungsring Süd", einer Arbeitsgemeinschaft zur Entwicklung des ersten deutschen Kampfflugzeugs nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Ergebnis: Vier Jahre später konnte die Erprobung eines zweistrahligen Senkrechtstarters beginnen, 1964 durchbrach einer der beiden Prototypen die Schallmauer. In Serie jedoch ging der Typ nie.

1968 fusionierte Messerschmitt mit Bölkow, ein Jahr später wurde daraus nach einem weiteren Zusammenschluss die "Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH". Sie baute mit am Mehrzweck-Kampfflugzeug "Tornado" und fasste Fuß im Airbus-Programm. Augsburg war einer von 19 "MBB"-Standorten in der Bundesrepublik.

Danach wechselten die Besitzer mehrmals - teils so schnell, dass in den Katalogen die Namen überklebt werden mussten. "Deutsche Aerospace" (ab Mai 1989) wurde durch den Aufkleber "Daimler-Benz Aerospace" ersetzt. Danach bekamen die Augsburger Werke abermals einen neuen Schriftzug: "Daimler-Chrysler Aerospace". Der wurde ab Juli 2000 für einige Jahre gegen "EADS" (European Aeronautic Defence and Space Company) ausgewechselt.

EADS - das zweitgrößte Luft- und Raumfahrt-Unternehmen der Welt - feierte 2006 mit einer informativen Ausstellung im Rathaus "90 Jahre Flugzeugbau in Augsburg". Bei dieser Gelegenheit wurde darauf verwiesen, dass das Werk "zu den am längsten industriell produzierenden Luftfahrtunternehmen Deutschlands" gehöre. Es habe wesentlich zum Ruf Augsburgs als Fliegerstadt beigetragen. Im Industrie-Englisch heißt es, "Aerostructures made in Augsburg" seien zu einem festen Begriff geworden.

Bau eines weiteren Werkteils im Gange

Am 16. Juni 2009 meldete die Augsburger Allgemeine: "Premium Aerotec überzeugt Airbus". So nennt sich seit Januar 2009 die Augsburger EADS-Tochter. Sie hatte gerade einen 500-Millionen-Dollar-Auftrag für die Lieferung von Strukturen für den Airbus A350 eingefahren. Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter in Augsburg (Juni 2009: 2650) seien für Jahre gesichert. Derzeit ist der Bau eines weiteren Werksteiles nahe der neuen Fußball-Arena im Gange. Bereits 2010 sollen darin Rumpfschalen aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff für den Airbus A350 XWB gefertigt werden.

Lebenswerk des Flugzeugkonstrukteurs

Die Mutterfirma EADS hat die Tradition nicht abgestreift. Das bewies sie nicht nur 2006 bei den 90-Jahr-Feiern. Sie pflegt zusammen mit der Messerschmitt-Stiftung an ihrem Standort Manching die Luftfahrt-Historie mit dem 1998 eröffneten "Willy Messerschmitt-Museum". Darin würdigt EADS das Lebenswerk des berühmten Flugzeugkonstrukteurs. In der Halle mehren sich seine Entwicklungen, zum Teil in flugfähigem Zustand.

Ein Nachbau seines ersten Motorflugzeugs M 17, je eine Me 108, Me 109, Me 163, Me 262 und das Nachkriegsmodell HA 200 stehen dort. Eine HA 300 befindet sich inzwischen im Deutschen Museum in München.

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