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Augsburg

24.01.2020

Nach Stillstand: Kleinod in der Maximilianstraße wird saniert

Von der Maximilianstraße aus gesehen sieht das Harterhaus (das weiß verputzte Gebäude) unscheinbar aus.

Plus Das Harterhaus in der Innenstadt verfügt über einen beeindruckenden Innenhof, der bisher nicht zugänglich war. Künftig soll man dort im Sommer speisen können.

Lange Zeit ist nichts mehr passiert, die Fenster im Erdgeschoss des historischen Hauses waren mit Brettern verrammelt. Doch jetzt tut sich wieder was. Nach etwa zehn Jahren Stillstand auf der Baustelle ist die Sanierung des Harterhauses in der Maximilianstraße 39 wieder angelaufen. Bei dem ehemaligen Zunfthaus der Krämer, das Baumeister Elias Holl 1598 im Auftrag des damaligen Bürgermeisters und Eigentümers Hieronymus Harder umbaute, handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Kleinod, das kaum ein Augsburger von innen kennt. In rund ein- bis eineinhalb Jahren, kündigt der neue Eigentümer Michael Meissler an, soll das Gebäude aber zugänglich sein.

Harterhaus: Der Innenhof ist das Herzstück

Herzstück ist ein Innenhof mit Arkaden, in dem im Sommer die Außengastronomie eines Restaurants angesiedelt werden soll. Die Sanierung und Sicherung des Gebäudes läuft seit insgesamt 20 Jahren. Zeitweise gab es Rechtsstreitigkeiten, die für einen Stillstand der Sanierung sorgten – wir berichteten. In den vergangenen zehn Jahren stand die Baustelle praktisch still. Im Dezember kaufte Meissler das Gebäude, seit einigen Tagen sind Bauarbeiter in dem Gebäude am Eingang zur Wintergasse zugange.

Nach etwa zehn Jahren Stillstand auf der Baustelle ist die Sanierung des Harterhauses in der Maximilianstraße 39 wieder angelaufen
14 Bilder
Das Harterhaus am Eingang zur Wintergasse wird saniert
Bild: Silvio Wyszengrad

Neben zwei oder drei Wohnungen und Büros in den Obergeschossen soll im Erdgeschoss mit seiner Gewölbedecke eine hochwertige Gastronomie angesiedelt werden, so Meisslers Plan. Vorher sind noch statische Arbeiten an einer Seite des Innenhofs nötig, nachdem in der Vergangenheit schon eine Absicherung des Gebäudes am Hang zum Lechviertel hin nötig war. Auf einer Innenhofseite soll die Fassade mit einer Glasfront verkleidet werden. Hingucker sind die Bogenfenster und Arkaden zum Innenhof hin, die Elias Holl – der auch das Rathaus und den Perlachturm in seiner jetzigen Form entworfen hat – nach seiner Lehrzeit in Venedig mit nach Augsburg brachte. Wie Meissler erzählt, wurden sie aber in der Folgezeit zugemauert, ähnlich wie beim Wieselhaus im Domviertel, das heute das Fugger-und-Welser-Museum beherbergt. Der Grund war in beiden Fällen derselbe – die damalige architektonische Mode passte nicht zum hiesigen Klima.

Nach Stillstand: Kleinod in der Maximilianstraße wird saniert

"So viel alte Substanz wie möglich erhalten"

Parallel zum Herrichten des Innenhofs läuft auch die Sanierung der übrigen Räume. Eine Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert muss von 40 Farbschichten befreit werden, Türen müssen restauriert, Fußböden erneuert und Wände neu gestrichen werden. „Wir versuchen, so viel wie möglich von der alten Substanz zu erhalten“, so Meissler, der die Zusammenarbeit mit der städtischen Denkmalschutzbehörde lobt. In der Vergangenheit erstreckte sich das Anwesen bis in die Altstadt, wo es einen vom Hunoldsgraben her zugänglichen zweiten Wirtschaftshof mit Stallungen hatte.

Zuletzt sorgte der Antoniushof für eine Aufwertung

Meisslers Familie baute in der Vergangenheit das ehemalige Filmpalast-Gebäude gegenüber um. Dort betreibt der Geschäftsmann das Einrichtungsgeschäft Stilmanufaktur. Zehn Jahre lang sei er täglich am Harterhaus vorbeigelaufen. Irgendwann sei die Idee aufgekommen, die Sanierung selbst in die Hand zu nehmen. Zuletzt war die Maximilianstraße durch den Umbau des Antoniushofs (früheres Limbächerhaus) vor 13 Jahren aufgewertet worden.

Höfe sollten praktisch und repräsentativ sein

Auch bei diesem Gebäude ist der Innenhof mit den ehemals offenen Laubengängen das Herzstück, das durch eine Entkernung wieder freigelegt wurde. Heute hat dort etwa der Edel-Italiener Mille Miglia seinen Sitz. Von den Bürgerhäusern in der Maximilianstraße haben viele einen Innenhof, die aber nicht alle öffentlich zugänglich sind. Der wohl bekannteste dürfte der repräsentative Damenhof im Fuggerhaus sein.

Die anderen Höfe hatten eine doppelte Funktion, so der Architekturhistoriker Gregor Nagler. An der dicht und hoch bebauten Maximilianstraße dienten die Höfe auch der Belichtung der Innenräume und wurden als Lagerraum genutzt, bevor die Waren ins Dachgeschoss transportiert wurden. Ab etwa 1500 wurden die Höfe zunehmend repräsentativer in Anlehnung an die italienische Baukunst gestaltet.

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