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Justiz Augsburg

12.03.2020

Nach Überfall: Zwei Räuber wurden mit „Peanuts“ abgespeist

Ein reuiger Täter hat einen Raubüberfall auf ein Wettbüro gestanden – und damit mehrere Verfahren ins Rollen gebracht. Ein weiteres fand nun vor dem Amtsgericht in Augsburg statt.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Vor acht Jahren wurde in Augsburg ein Wettbüro überfallen. Aus der Beute erhielten die Täter nur einen mageren Anteil. Einer der Männer muss nun ins Gefängnis.

Das Risiko war groß, der Anteil an der Beute eher gering: Zwei junge Männer erbeuteten bei einem bewaffneten Überfall auf ein Wettbüro in der Jakoberstraße am 9. September 2011 rund 16.500 Euro. Doch beide wurden mit gerade mal je 500 Euro vom mutmaßlichen Drahtzieher des Coups, der das übrige Geld für sich behielt, abgespeist. Der dreiste Raub wäre wohl nie geklärt worden, wäre nicht einer der Täter jahrelang vom schlechten Gewissen geplagt worden.

Weil er als gläubiger Muslim „reinen Tisch vor Gott“ machen wollte, offenbarte er sich 2019 der Polizei – acht Jahre nach dem Überfall. Nach seinem Geständnis kamen mehrere Verfahren ins Rollen. Der damals 19 Jahre alte Räuber ist inzwischen in einer Berufungsverhandlung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe nach dem Jugendrecht verurteilt worden.

Ein Überfall auf ein Augsburger Wettbüro vor acht Jahren hat nun erneut die Justiz beschäftigt.
Bild: Jakob Stadler (Symbol)

Sein damaliger Komplize, inzwischen 28 Jahre alt, musste sich jetzt vor einem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Günther Baumann verantworten. Er war im August 2019 in Berlin festgenommen worden. Der Angeklagte (Verteidiger: Felix Dimpfl), der nach eigenen Angaben schon über sieben Jahre im Knast gesessen hat, behauptet, zur Tatzeit drogenabhängig gewesen zu sein. Mit 14 will er bereits Kokain geschnupft haben. Auch zur Tatzeit habe er gekokst. „Wir waren viel auf Partys unterwegs“, erzählt er dem Gericht. Mit dabei war auch sein Kumpel und späterer Komplize beim Überfall. Beide seien wegen der Drogen verschuldet gewesen.

Überfall auf Wettbüro in Augsburg: Dealer stiftete die Täter an

Der Lieferant des Rauschgiftes habe ihnen dann regelrecht vorgeschwärmt, er wisse, wie man „ein paar Dinger drehen kann, bei dem ihr eure Schulden loswerdet“. Die beiden jungen Männer waren einverstanden. Der heute 31-jährige mutmaßliche Drogenhändler, damals Angestellter des Wettbüros, gab ihnen am Abend des 9. September 2011 die Gesichtsmasken zur Tarnung und eine ungeladene großkalibrige Schreckschusspistole. Der 31-Jährige, die beiden Räuber und ein weiterer Mitwisser – er ist inzwischen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden – fuhren dann zu dem Wettbüro, wo der Überfall wie geplant über die Bühne ging. Gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des Coups ist inzwischen Anklage vor einem Schöffengericht erhoben worden.

Angeklagter wird wegen schweren Raubs verurteilt

Die Behauptung des zweiten mutmaßlichen Räubers, er sei zur Tatzeit unter Drogen gestanden, führte zu keiner besonderen Strafmilderung. Denn der psychiatrische Gutachter Professor Albrecht Stein sah bei dem Angeklagten keine verminderte Schuldfähigkeit, wenngleich die Tat in Zusammenhang mit Drogen gestanden habe. Nach einer Verfahrensabsprache zwischen Verteidiger Felix Dimpfl, Staatsanwältin Gudrun Wagner und dem Gericht folgte das wenig überraschende Urteil: Zweieinhalb Jahre Jugendknast für den 28-Jährigen wegen schweren Raubes.

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